RAVEN - Rock Until You Drop/All For One/Live At The Inferno

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VÖ: 09.06.2017
Bandinfo: RAVEN
Genre: Heavy Metal
Label: Dissonance Productions
Lineup  |  Trackliste

2017: noch immer fegt der (mittlerweile um Joe Hasselvander verstärkte) Dreier über die Bühnen. Hätten sie sich bei der Bandgründung Mitte der Siebziger des vorigen Jahrhunderts wohl eher nicht gedacht, aber – allen Unwirtlichkeiten des Musikbiz zum Trotze – rocken die wackeren Herren auch Jahrzehnte später noch immer ihre Fanschar. Unvorhersehbar war seinerzeit auch die Rolle, welche die Band in der in Bälde aufkeimenden NWoBHM spielen sollte. Die RAVEN-Eckdaten wurden bereits kurz in der Besprechung zur Doppel-DVD „Rock Until You Drop - A Long Days Journey“ umrissen: „Von 1981 (dem Debut „Rock Until You Drop“) bis längstens 1991 (“Archtitect Of Fear”) durften die Engländer im Metalkonzert ihre (gewichtige Neben-)Rolle spielen. Unter der Federführung von John Gallagher, dem via Headset singenden Basser und seinem zerstörenden Gitarrenbruder Mark prägten die beiden samt NWoBHM-Weggefährten wie den TYGERS OF PAN TANG, SAXON, SAMSON und ANGELWITCH die damalige Musikgeschichte maßgeblich mit und zählten (in klassischer VENOM/MOTÖRHEAD Trio-Besetzung sowie in einer Reihe mit Combos wie EXCITER) auch zu den Gründervätern und Wegbereitern des späteren Speed Metal.“

Das Brüderpaar (geboren 1958 und 1960) ließ jedenfalls 1981 sein Debut „Rock Until You Drop“ mitten in die prosperierende Metal-Welt des Vereinigten Königreichs los. Damals noch hinter der Schießbude: Drumtier Rob "Wacko" Hunter, der die Band in ihrer wichtigsten und erfolgreichsten Phase nach vorne drosch. RAVEN standen mit dem Debut in direkter Konkurrenz zu großen Metal-Alben (etwa „Spellbound“ von den TYGERS OF PAN TANG, „Shock Tacticts“ von SAMSON, „Night Of The Demon“ von DEMON oder auch dem Ur-Krawall-Kracher „Welcome To Hell“ von VENOM, die Debuts von ANGEL WITCH, IRON MAIDEN oder DIAMOND HEAD waren bereits jahrs zuvor erschienen, JUDAS PRIEST und SAXON waren schon "dick" im Geschäft). Fetzig und straight knallt das Album gleich von Beginn an aus den Boxen. „Hard Ride“, „Lambs To The Slaughter“ und auch „Don´t Need Your Money“ haben im Laufe der Jahrzehnte natürlich Staub angelegt, für damalige Verhältnisse waren die schwer rockigen Riffer trotz der geschilderten harten Konkurrenz aber der absolut heiße Scheiß. Die mittlerweile über 36 Jahre alten „Hell Patrol“ und natürlich der Titeltrack „Rock Until You Drop“ sind immer noch Bestandteil des Livesets, was alles über die Qualtität und Bedeutung der Nummern aussagen dürfte. Auch den musikalischen Wurzeln (THE SWEET) wurde mit dem „Hellraiser/Action“-Cover gehuldigt und zudem noch Bonustracks draufgepackt. Witzig hier etwa „Wiped Out“ (das die B-Seite der „Don´t Need Your Money“-Single war), sich aber schlussendlich gar nicht auf dem gleichnamigen Zweitling findet.

Nach „Wiped Out“ (das hier - aus welchen Gründen auch immer - von den Neuauflagen ausgenommen ist) von 1982 (mit „Faster Than The Speed Of Light“ und „Live At The Inferno“) erschien 1983 Album Nr. 3, „All For One“ ebenso beim damals äußerst renommierten „Neat“-Label (das wie auch RAVEN & VENOM in Newcastle ansässig war). Damals erschienen Studioalben oftmals noch im Jahrestakt (manche Truppen brachten es sogar auf zwei Longplayer innerhalb eines Jahres), heute nicht mehr selbstverständlich. Die Produktion (der Blick in die Credits verrät, dass Michael Wagener, einer der Top Produzenten der Achtziger – siehe etwa „Master Of Puppets“ - seine Finger im Spiel hatte!) ist – ebenso wie auch die Singstimme – um einiges schneidiger als auf den beiden Vorgängern. Und auch das dritte Album enthält Live-Standards und Metal-Classix wie den Titeltrack „All For One“, „Mind Over Metal“, den Stampfer „Take Control“ oder das geile „Break The Chain“. Auf dem Longplayer findet sich auch ein Track namens „Seek & Destroy“, der vom Titel her die Brücke zur größten Metalband des Planeten schlägt. Die Jungschwänze METALLICA durften die damals aufstrebenden RAVEN in den Staaten im Rahmen der „Kill ´Em All For One“-Tour begleiten. Auf „All For One“ wurden weiters auch die „Born To Be Wild“-Single (samt B-Seite „Inquisitor“), die mit dem Sirenengeheul von ACCEPT-Kreissäge Udo Dirkschneider aufhorchen lässt sowie die B-Seite der „Break The Chain“-Single „The Ballad of Marshall Stack“ gepackt.

Der gleichnamige „Wiped Out“-Track ist gleichzeitig der Namensgeber des ersten Livedrehers „Live At The Inferno“ von 1984, der ein Greatest Hits-Programm der ersten drei Alben auffährt, die Power und Energie, welche die Band seinerzeit auf den Bühnen versprüht haben musste, für die Nachwelt einfängt und neben dem Bass-Solo „I.G.A.R.B.O.“ mit „Fire Power“ und dem Titeltrack auch Songs der „Crash Bang Wallop“-EP von 1982 inkludiert. Dissonance Productions hat sich der Alben der einflussreichen Combo angenommen und zwei der drei ersten und bedeutendsten Alben (plus Livescheibe) der Newcastle-Truppe auf Vinyl und Digi-CD neu aufgelegt und lädt damit zur Geschichtsstunde in Sachen Metal. Aktuell immer noch nachzuhören auf Studiodrehern und live zu erleben auf den Bühnen, die RAVEN in schöner Regelmäßigkeit mit immer noch nicht hüftlahmen Liveshows frequentieren. Rock Until You Drop!



Ohne Bewertung
Autor: Thomas Patsch (30.07.2017)

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