PAGANIZER - Land Of Weeping Souls

Artikel-Bild
VÖ: 05.08.2017
Bandinfo: PAGANIZER
Genre: Death Metal
Label: Transcending Obscurity
Lineup  |  Trackliste

Wer sich ernsthaft Extreme-Metal-Fan schimpfen und noch nie von Rogga Johansson zumindest auch nur gehört hat, hat eindeutig die Kontrolle über sein Leben verloren. Ich gebe zu: selbst ein wissenschaftlicher, grafikfähiger Taschenrechner käme bei der riesigen Anzahl an Bands, bei denen der offensichtlich niemals schlafende Schwede a) mitgewirkt und die er b) zum Teil selbst in's Leben gerufen hat, zu etlichen Schweißausbrüchen, aber zumindest auf REVOLTING und PAGANIZER, die man schon als soetwas wie die Hauptbands des Death-Metal-Unikats sehen kann, war bisher regelmäßig Verlass. Mit letzteren schiebt er nun nach vier Jahren Studioalbum-Pause (dafür aber mit einigen großartigen EPs) einen neuen Longplayer nach, mit dem ihr euch in das "Land Of Weeping Souls" begeben könnt.

Und diese Reise sollten Oldschool-Death-Fans auch unternehmen, denn für die gäbe es da dieses Jahr weitaus schlechtere Adressen unter den vermeintlich Etablierten. "Land Of Weeping Souls" hingegen leistet sich eigentlich keinen Schnitzer und bewegt sich dabei permanent auf hohem Niveau - auch weil man etliche Killerriffs geschrieben hat, die alleine aufgrund ihrer Güte typische Kritiker-Gedanken à la "Kennt man doch alles schon..." ad absurdum führen. PAGANIZER gehören einfach zu der Sorte Bands, die diesen Stil inhaliert und wie kaum eine andere Band so gut verstanden haben, wie man das schon äußerst im eröffnenden Duo "Your Suffering Will Be Legendary" / "Dehumanized" vorgeführt bekommt, wobei gerade letzterer und auch das beschließende "Prey To Death" durch die streckenweise amerikanisch angehauchten, vertrackteren Passagen beweisen, dass der Vierer stilistisch flexibel und eben keine reine Worship-Band ist.

Ebenfalls flexibel sind Johansson und Co. auch im Umgang mit dem Grundtempo der insgesamt zehn Songs. Natürlich ist auch bei PAGANIZER oftmals Vollgas vorprogammiert, aber gelegentlich schleicht sich gerne auch mal ein etwas melodischeres Midtempo-Stück wie "Forlorn Dreams" oder auch ein Grooveungetüm wie "The Buried Undead" dazwischen, die die beispielsweise in "The Insanity Never Stops", "Death Addicts Posthumous" und "Soulless Feeding Machine" (für rücksichtsvolles Autofahren eher ungeeignet) stattfindende Raserei auflockern, der Scheibe aber keineswegs den Schwung rausnehmen. Vollendet wird das Oldschool-Fest durch eine druckvolle Produktion mit Ecken und Kanten, die vor allem mit ihrem satten Gitarrensound zu brillieren weiß.

Im Endeffekt können Genrefans mit "Land Of Weeping Souls" also sehr wenig falsch machen und wenn man bedenkt, bei wie vielen Bands Rogga Johansson gleichzeitig im Songwriting involviert ist, kann man eigentlich nur verwundert staunen, dass er dann auch noch mit PAGANIZER konstant derart gehobene Qualität aushändigen kann. Mutmaßlich gäbe es aber auch einfach zig weitaus schlimmere Varianten, den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten, als mit der eigenen Leidenschaft regelmäßig die Hörer mit derselben Leidenschaft zu bedienen und die Musik auf diese Art gemeinsam zu rühmen, nicht wahr?

Den Albumstream gibt's hier:



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (01.08.2017)

WERBUNG: Bush live in Wien
WERBUNG: Rockhouse Bar