KARIBOW - From Here To The Impossible

Artikel-Bild
VÖ: 15.07.2017
Bandinfo: KARIBOW
Genre: Progressive Rock
Label: Progressive Promotion Records
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

In der Ideenschmiede von Oliver Rüsings KARIBOW fliegen schon seit geraumer Zeit die Funken. Stillzuhalten scheint der Mastermind wohl nicht. Erst noch mit dem letzten Album Holophinium am Start, dann die vergriffene Man of Rustaufpoliert, durch weitere Songs veredelt und neu aufgelegt und nun steht eine vollkommen neue Scheibe an der musikalischen Neo-Prog-Front, um genauestens inspiziert zu werden. Auf den Namen „From here to the impossible“ hört das neue Werk und eines kann schon vorab verraten werden: KARIBOW hält erneut, was an Klasse und Qualität schon immer versprochen wurde. 

Wer vermutet, dass die neue Scheibe im Fahrwasser des letzten Albums „Holophinium“ kreiert wurde, oder in ähnlicher Fortführung dieses Erfolgskonzepts funktioniert, wird direkt überrascht werden. Zwar wurde „From here to the impossible“ eindeutig der unverwüstliche KARIBOW-Stempel aufgedrückt, mit all den prägnanten Melodien und Hooks, dem fließenden Spannungsaufbau und dem emotionalen Tiefgang, und doch funktioniert die Scheibe etwas anders.
 
„From here to the impossible“ scheint musikalisch dieses Mal weitaus mehr mit Gegensätzen zu arbeiten, die die Spannung verdichten und noch mehr epische und komplexe Tiefe kreieren, obwohl sich der erste Zugang auf Melodie-Ebene beinahe als noch einfacher darstellt als bisher. Tatsächlich wird die Spannung in den elf Songs weniger durch die große einmütige positive Stimmung über allem aufgebaut, die auf früheren Alben vorherrschte, sondern durch ein für KARIBOW fast schon ungewöhnliches Zerren und Ziehen an der emotionalen Harmonie, das im gleichen Atemzug wieder ausgebügelt wird, sodass sich das musikalische Bild nach wie vor perfekt zusammenfügt. 

War das letzte Werk noch fast eher wie der nach Einheit trachtende Sommerregen, ziehen hier erst einmal ein paar dunkle Gewitterwolken auf. Sehr bildlich gesprochen, doch fällt auch kein Vergleich ein, der zutreffender sein könnte. Die sanfte emotionale Harmoniebedürftigkeit von Holophinium“ oder „Man of Rust“ wird dieses Mal des öfteren von einer etwas zerrenden Spannung in ein hauchzartes Ungleichgewicht gelotst, das nur kurz an die Spitze getrieben und dann sofort wieder in klare Bahnen gelenkt wird. Markant stellt sich schon allein die Rhythmus-Sektion dar, die in Songs wie „A Crescend Man“ oder „Black Air“ die Wogen eher aufwühlen denn glätten. Auch die gewohnt klaren Melodien und Hooks drehen und winden sich gerne mal in eine unerwartete Richtung, ohne dabei aber den Fluss der Songs zu stören. Stattdessen wird durch das gekonnte Zusammenfügen dieser Teile und Aspekte jedem einzelnen Song nicht nur Tiefe verliehen, sondern gleichzeitig auch eine Ausdehnung in die Länge, ohne – auch nach mehrmaligem oder öfterem Hören – langweilig oder ausgeleiert zu klingen. Egal, wie oft man sich die Songs anhört, es gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken, einen Aspekt, der einem bisher verborgen geblieben ist. Dies sei aber wohl auch den vielen schönen und intensiven musikalischen Details geschuldet, die unter der dominanten Melodiedecke schlummern und im Hintergrund perfekt zusammenarbeiten, sich manchmal an die Front schlängeln und dann wieder mit dem großen Energiefluss der Songs verschwimmen.
Ohne die Genialität der Musiker, die in KARIBOW vereint sind, mit dem nötigen Verständnis für all diese intensiven Kompositionen aus Oliver Rüsings Feder, ist also an eine Ausarbeitung eines so komplexen Machwerks gar nicht erst zu denken. Immerhin wird auch dieses Mal neben der virtuosen Kernband und einigen namhaften Musikern ein weit gefächertes Spektrum an musikalischen Möglichkeiten ausgeschöpft. Neben den schon erwähnten kraftvoll angesetzten Drum-Akzenten und den dominanten oder im Hintergrund fließenden Melodielinien bis hin zum perfekt eingebauten Saxophon bekommt man auch die engelsgleiche und kristallklare Stimme von Monique van der Kolk als gesangliche Duettpartnerin und Counterpart zur angenehmen Stimme Rüsings geboten, die nicht nur Dialog-Charakter einnimmt, sondern auch unwahrscheinlich gut mit dem männlichen Gesang harmoniert. 

Auf dieser Scheibe passt einfach wieder alles. „From here to the impossible“ bringt intensive Spannung und löst sich dennoch in harmonischem Wohlgefallen auf. Die Songs wirken im melodischen Sinn einfacher gestrickt, doch der Songaufbau setzt an Komplexität und Entwicklung noch einen drauf. Elf Songs voller Hörspannung und musikalischem Erlebnis. Eine geniale Scheibe, die den Hörer gefangen nimmt und von einem Durchgang zum nächsten mehr Freude macht. 



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Lisi Ruetz (13.08.2017)

WERBUNG: Hard
WERBUNG: Escape Metalcorner