THY ART IS MURDER - Dear Desolation

Artikel-Bild
VÖ: 18.08.2017
Bandinfo: THY ART IS MURDER
Genre: Deathcore
Label: Nuclear Blast Records
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

"Dear Desolation",

Ich schreibe dir heute diesen kleinen Brief, weil ich dir von ganzem Herzen danken möchte. Danken dafür, dass du THY ART IS MURDER und CJ McMahon nach dessen überstandener, zunächst klugerweise verheimlichten Drogensucht wieder zusammengeführt hast. Danken dafür, dass du nun auch die Australier hast erkennen lassen, welch malerisches Geschick und Genie dem Berliner Eliran Kantor innewohnt und wie passend sein Artwork zu den Themen, die in dir stecken, agiert. Danken dafür, dass die Jungs zwar immer noch ihren Trademark-Sound, den ich auf "Holy War" noch leicht bedroht sah, bedienen, dabei aber trotzdem einige kleinere Änderungen vorgenommen haben, die dich zu einem stärkeren Album haben anwachsen lassen.

Trostlose Grüße,
Dein Pascal

Mal im Ernst: hättet ihr euch ein THY ART IS MURDER ohne CJ vorstellen können? Ich auch nicht. Nichts gegen die Bestie Nick Arthur (bitte einfach MOLOTOV SOLUTION reanimieren), die zeitweise eine formidable Ersatzrolle gespielt hat, aber wenn der Maestro höchstselbst zum Mikrofon greift, weiß man eben genau, dass man in den kommenden gut 40 Minuten gleichzeitig von einer Atombombe getroffen, währenddessen von einem Panzer überfahren und anschließend von einem Rift verschluckt wird, der einen wiederum an den Ort bugsiert, der im Unterwelt-Stadtführer gemeinhin als Hölle gelistet wird. 

Man könnte es auch so formulieren, dass "Dear Desolation" definitiv zum Besten gehört, was die Australier bisher erschaffen haben und dafür muss man sich nicht mal sonderlich weit aus dem virtuellen Fenster lehnen. An dieser Stelle einer Rezension würde ich dann gerne davon berichten, dass Band X wie die Feuerwehr im durch tagelange Dürre erheblich brandgefährdeten Wäldlein loslegt und dabei keine kostbare Zeit verstreichen lässt, nur um dann anschließend, dem Abwechslungsreichtum dienend, beispielsweise etwas an Tempo rausnimmt, aber: THY ART IS MURDER kennen derlei Gepflogenheiten nicht. Wenn man überhaupt soetwas wie eine Mini-Mini-Verschnaufspause ausmachen möchte, dann allerhöchstens im an vierter Stelle platzierten Titeltrack, weil man hier tatsächlich mal dezent die Geschwindigkeit drosselt und dafür im Gegenzug Verwendung für angeschwärzte, apokalyptische Melodien findet.

Hier muss ich auch zugeben und mir endlich von der Seele reden, dass ich meine Sicht in der Zeit seit "Holy War" deutlich verändert habe - nicht nur wegen SUICIDE SILENCE. Auf diese schiere Brutalität, den brennenden Hass und die Möglichkeit, all das musikalisch tadellos zu kanalisieren, haben THY ART IS MURDER ein (Gewalt-)Monopol, das ihnen so schnell keiner streitig machen wird. In anderen Worten: Es tritt ein unfassbar befriedigendes Gefühl ein, wenn man sich in einer knappen Dreiviertelstunde von "Dear Desolation" über die Südhalbkugel prügeln lässt, auch wenn man danach schon ein wenig bedröppelt dreinguckt. Vergleicht man es mit seinem Vorgänger, ist es Death-Metal-lastiger, insgesamt temporeicher, melodischer (in nahezu jedem Song wurden die endzeitlichen Melodien implementiert) und vielleicht sogar etwas atmosphärischer, da man zum Ende hin ("The Skin Of The Serpent", "Fire In The Sky") sehr häufig - am meisten im tiefschwarzen "The Final Curtain" - oft Gebrauch von düsteren Vibes macht, ohne dabei an Härte einzubüßen. 

Auch wenn Mr. Teehee das anders sehen mag: THY ART IS MURDER sind sicherlich nicht der Untergang des Deathcore. Sicherlich ist auch "Dear Desolation" manchmal etwas repetitiv, in vielen Punkten konnte man seinen markanten Sound aber dennoch weiterentwickeln und verbessern, wodurch man beispielsweise viel mehr Tempovariationen und atmosphärische/melodische Momente sowie noch fettere Breakdowns und Abgehparts als noch auf "Holy War" vorfinden wird. Der Aufstieg von CJ, Andy und Co. wird sich damit jedenfalls unaufhaltsam fortsetzen und wer die Chance hat, diese Urgewalt mal auf bzw. vor der Bühne antreffen zu können, sollte sich unbedingt auch mal live von den Australiern misshandeln lassen.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (14.08.2017)

WERBUNG: Hard
WERBUNG: Bush live in Wien