AKERCOCKE - Rennaissance In Extremis

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VÖ: 25.08.2017
Bandinfo: AKERCOCKE
Genre: Death Metal
Label: Peaceville Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits  |  Trivia

Aus der Hauptstadt eines ehemaligen Teils von Europa stammen AKERCOCKE. Gut, damit werd ich die Legionen meiner Fans nicht wirklich überraschen, aber glaubt mir, bisweilen ist es zäh, in einen Artikel hineinzufinden. 2005 gelang den damals noch schmuck in Anzug und Krawatte gekleideten Londonern mit "Words That Go Unspoken, Deeds That Go Undone" eines der ganz großen technischen Death Metal Alben. Damit waren sie zusammen mit OPETH ganz oben dabei in diesem Sektor und es schien als wäre bloß der Himmel das Limit. Als sie dann noch 2007 "Antichrist" nachlegten waren sie auf dem Höhepunkt ihrer damaligen Entwicklung. Wobei AKERCOCKE immer auch diesen Schuß ATHEIST (siehe auch: unterbewertete Band, Top 5) dabei hatten, diese Extraportion an Wahnsinn der zum regulären Tech-Death noch dazu gekommen ist.

Und dann hat man sich aufgelöst. Oder pausiert. Auf jeden Fall hat es zehn Jahre gedauert, bis man sich reformiert hat, der Titel "Renaissance In Extremis" dient hier passend als Bannerspruch. Wieder mit dabei ist auch der bis 2003 als Gitarrist agierende Paul Scanlan (wenig erstaunlich wieder als Gitarrist) und David Gray an den Tierhäuten. Den gegerbten.

Was darf man sich also von AKERCOCKE 2.0 erwarten? Technischen, angenehm jazzigen Death Metal mit einem fantastischen Schlagzeug und höchstmelodiösen Soli, mit deftigen Durchmärschen und atmosphärischen Interludien. Die Jungs können das, was sie in den Nuller-Jahren so einzigartig gemacht hat, noch immer. Auf höchstem Niveau. Mit einem angenehm unprätentiösen Sound und mit Songs, die trotz aller technischen Spielereien hängen bleiben, kleine Kosmen auraler Natur bilden, in denen man sich verlieren kann, um immer wieder neues zu entdecken. Stimmungen, Härte, jazziger Wahnwitz und eine schon als lässig zu bezeichnende Lockerheit beim Arrangieren ihrer Songs.

Alles gut also.

Nope. AKERCOCKE haben immer auch von der stimmlichen Vielfalt ihres Frotners Jason Mendonca gelebt. Dieses Zusammenspiel von Growls, hysterischem Gekreische und erhabenen, reinen Vocals hat die Band noch eine Stufe über den Rest gestellt. Das versucht er diesmal auch, scheitert aber vor allem beim cleanen Gesang mit einer Verve, für die es fast schon wieder Mut braucht. Mir ist nicht ganz klar, ob das jetzt Absicht ist oder nicht, aber so schräg zu singen ist beinahe wieder eine Kunst. Das kann er besser, wie wir auf den Vorgängeralben gehört haben. 

Das gibt Abzüge in der B-Note (auch ein Wortschmied wie der Wiederwald muss ab und an die Phrasen verprügeln), insgesamt ist das Album natürlich eine Naturgewalt und muss in jeden sich einigermaßen ernst nehmenden Extremmetal-Haushalt eingekauft werden.

AKERCOCKE sind zurück und setzen dort an, wo sie aufgehört haben. Musikalität vom Allerfeinsten. Nicht ganz makellos, aber verdammt nahe dran!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (31.08.2017)

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