ELUVEITIE - Evocation II - Pantheon

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VÖ: 18.08.2017
Bandinfo: ELUVEITIE
Genre: Neofolk
Label: Nuclear Blast Records
Lineup  |  Trackliste

2017 ist das scheinbar das Jahr der Jubiläen. Neben vielen anderen Bands feiern heuer auch die Schweizer ELUVEITIE, die auch schon wieder 15 Jahre im Geschäft sind - die Zeit verrinnt wirklich rasend schnell. Neun Jahre ist es her, da konnte "Spirit" erstmals für positive Unruhe sorgen und das bis dahin hauptsächlich von den Finnen dominierte Folk-Metal-Genre um viele Nuancen erweitern. Den Rest der folgenden, zweifellos beachtlichen Erfolgsgeschichte kennen wir ja alle und selbst wenn nicht; man muss nur mal die Festivalslots von heute im Vergleich zu damals verinnerlichen, um nachvollziehen zu können, welchen Weg Chrigel Glanzmann und Co. gegangen sind. Wo viel Licht ist, ist meistens aber auch viel Schatten und so gab es innerhalb dieser Zeitspanne auch weit über 20 Besetzungswechsel im Gefüge, bei denen vor allem die Verluste von den Kirder-Brüdern, Meri Tadic und dem zuletzt geschiedenen Trio Anna Murphy, Ivo Heniz und Merlin Sutter, die allesamt langjährige Identifikationsfiguren waren, besonders herausstechen und diverse Fragen aufwerfen, die allerdings nicht hier geklärt werden sollen. Um diese Abgänge zu kompensieren, hat man im Vorfeld zum in Kürze erscheinenden zweiten Teil des grandiosen "Evocation"-Akustikkonzepts gleich fünf neue Mitmusiker einberufen: 

- Matteo Sisti: Bagpipes, Whistles, Akustikgitarren
- Fabienne Erni: weibliche Vocals, Mandola, keltische Harfe
- Alain Ackermann: Drums
- Jonas Wolf: Gitarre
- Michalina Malisz: Hurdy-Gurdy

Bei letzterer Dame ist besonders die Geschichte dahinter erwähnenswert, da sie erst durch ELUVEITIE und die Musik damit begann, das Instrument Hurdy-Gurdy zu lernen und natürlich auch zu beherrschen. Inwieweit das der Fall ist, bleibt auf "Evocation II - Pantheon" weitestgehend offen, da zumindest ihre Passagen eher rar gesät sind. Das soll nun allerdings nicht als Vorwurf oder gar als Affront ihr gegenüber gelten, denn auch bei den restlichen Neuzugängen wird man einfach das nächste metallische Album abwarten müssen, um das künstlerische Potenzial des neuen Line-Ups einigermaßen vernünftig einschätzen zu können. 

Dennoch ist "Evocation II - Pantheon" natürlich als vollwertiges Album und nicht als Überbrückung zwischen zwei Metalalben zu behandeln, schließlich war bereits der erste Teil ein atmosphärisches Highlight und eine geglückte Repertoire-Expandierung, die einem auch für Liveauftritte viele neue Möglichkeiten eröffnete und, mithilfe des zweiten Teils, auch in Zukunft eröffnen wird. An der grundsätzlichen Herangehensweise hat sich in den acht Jahren seit "Evocation I - The Arcane Dominion" wenig verändert: Natursounds (pfeifender Wind, prasselnder Regen) sorgen stets für düstere Stimmung und Hörspielcharakter, die Kompositionen sind mal poppig angehaucht ("Epona"), mal ritualistisch ("Catvrix") und darüber hinaus gibt es auch musikalische Querverweise wie "Lvgvs" (das melodische Fundament basiert auf dem traditionellen Shanty "Drunken Sailor"), "Ogmios" (nicht zu verwechseln mit dem "Origins"-Song; leiht sich einige Fragmente von "Celtos") und "Tarvos II" (aus irgendeinem bekannten Traditional, man verzeihe mir, dass ich nicht alle auseinanderhalten kann; wer Bescheid weiß, bitte einen Hinweis in der Kommentarspalte platzieren).

Zusammen mit den zahlreichen Interludes, der im Vergleich zum ersten Teil weitaus organischeren Produktion und der insgesamt doch recht überraschend leidenschaftlichen Inszenierung avanciert "Evocation II - Pantheon" so zu einem stimmungsvollen Hörspiel, das logischerweise am Stück und mit geschlossenen Augen erlebt werden sollte - am besten draußen in der Natur. Dabei ist besonders beachtlich, welch Harmonie bereits im neu-formierten ELUVEITIE zu herrschen scheint, wobei man da vielleicht erstmal nicht zu voreilig sein sollte. Für mich, der mit nahezu allen metallischen Werken seit "Slania" nicht wirklich seinen Frieden finden kann, ist "Evocation II - Pantheon" jedenfalls ein richtig gutes Werk, das genau die Atmosphäre und Passion zu transportieren weiß, die insbesondere dem zuletzt erschienenen "Origins" völlig abging, gleichzeitig aber - so ehrlich muss man dann schon sein - auch Angriffsfläche bietet, weil man sich doch recht viele Ideen von eigenem wie fremdem Schaffen ausborgt und man als Hörer ein bisschen zu oft diesen "Das kenne ich doch irgendwo her"-Gedanken in sich tragen muss.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (16.08.2017)

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