CURRENTS - The Place I Feel Safest

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VÖ: 16.06.2017
Bandinfo: CURRENTS
Genre: Metalcore
Label: Sharptone Records
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Lineup  |  Trackliste

Wer regelmäßig meine Reviews liest, dem dürfte meine Faszination für die aufkommende Familie von SharpTone Records aufgefallen sein. Neben etablierten Größen wie EMMURE oder MISS MAY I finden sich unter dem Banner von SharpTone auch vielversprechende Newcomer wie zuletzt LOATHE oder in diesem Fall auch CURRENTS. Die fünf aus Connecticut veröffentlichen mit ihrem Debüt „The Place I Feel Safest“ eine tiefgründige und vielseitige Metalcore-Platte, die innovativer und packender gelungen ist als vermutlich alle kommenden HEAVEN SHALL BURN-Alben zusammen.

Apnea“, der erste von insgesamt 13 Tracks, gibt einen guten Vorgeschmack auf den Rest des Albums: Intelligente und vertrackte Riffs, wechselndes Tempo, eine dichte Atmosphäre und eine der besten Scream-Stimmen, die das Genre zu bieten hat. Allgemein ist die Stimmung hier eher düster gehalten, was sich auch im Verlauf der nächsten 50 Minuten nicht großartig ändert. Anschließend beantwortet „Tremor“ die gern gestellte Frage ‚but does it djent?‘ mit einem eindeutigen ‚ja‘. CURRENTS erweitern ihre Soundpalette um Djentelemente und Cleangesang, der zum Glück atmosphärisch passend ist und nicht nach Schema Kopfstimme daherkommt, wie es ja leider im Metalcore häufig zu hören ist. An dieser Stelle, und besonders in „Night Terrors“, fügt er sich im Gegenteil wundervoll in die aggressive Grundstimmung ein. Allgemein stellt sich „Night Terrors“ als mein persönlicher Favorit der gesamten Platte heraus. Schon der brachiale Einstieg, der ohne Rücksicht auf Verluste jede Erwartungshaltung überrennt und als knapp vierminütige Soundwalze durch jegliches Core-Genre prescht, hat mich mehr als einmal hierher zurückkehren lassen. Etwas technischer geht es in „Delusion“ zu, wobei auch das dem Sound von CURRENTS gut zu Gesicht steht. Das Zusammenspiel von Drums und Riffing, das stellenweise an eine wilde Mischung aus FALLUJAH, BORN OF OSIRIS und MAKE THEM SUFFER erinnert, transportiert die düstere Stimmung der vorangegangenen Songs auf eine vollkommen neue Weise. Noch verwinkelter wird es mit „Withered“, das sowohl in Sachen Sonwriting als auch Stilwechsel einige Überraschungen zu bieten hat. Allein die Menge an unterschiedlichen Riffs und Rythmen, die hier verwendet werden, kann den Hörer bei den ersten Durchgängen erschlagen.

Dreamer“ kommt da qualitativ nicht minderwertiger daher, allerdings darf man hier zum ersten Mal auf „The Place I Feel Safest“ das Gefühl haben, dass sich einzelne Elemente wiederholen. Das Überraschungsmoment, das die ersten fünf Songs in Sachen Innovation auf ihrer Seite hatten, fehlt hier leider. Wenn man aber bedenkt, dass so manche Band einfach alle zwei Jahre ein Album nach dem selben Schema veröffentlicht, so kann man CURRENTS doch die Wiederverwendung ihres eigenen Stils verzeihen.

Was bekommt man wenn man den alten Stil von HUNDREDTH mit MISS MAY I kreuzt? „Forget Me“ durchbricht erstmals die melancholisch-dunkle Atmosphäre des Gesamtwerkes und würzt die bunte Soundpalette mit atemberaubendem Tempo und herzzerreißender Emotionalität, die man der Band nach einem Brett wie „Night Terrors“ überhaupt nicht zugetraut hätte. Ebensowenig wie ein Gespür für große Melodien im Bereich des Cleangesanges und das Potential für einen Kloß im Hals, doch auch mit dieser Erwartung räumen CURRENTS umgehend auf. Der Titeltrack „The Place I Feel Safest“ offenbart sich als wütend-verzweifelte Ballade, die ebenso von einer anderen Band hätte stammen können, wenn „Forget Me“ den Hörer nicht darauf vorbereitet hätte, dass die Grupe noch weit über den Tellerrand hinausblicken will und in einem niederschmetternden Höhepunkt die verzweifelte Grundstimmung sowie den Albumtitel auflöst, indem er drei kleine Worte hinzufügt: ‚Far away from the place I feel safest.‘

Nach diesem kurzen Exkurs kehren CURRENTS mit „Silence“ und „Best Memory“ zum Stil des Anfangs zurück, was insgesamt in die Kategorie „Dreamer“ fällt – keine schlechten Songs, die sich auch wundervoll in das Gesamtkonzept einfügen, aber in gewisser Weise nur Wiederholung bereits gebrachter Elemente und Strukturen darstellen. Aber auch das Ende von „The Place I Feel Safest“ wartet noch einmal mit drei kleinen Perlen auf. „Another Life“ präsentiert sich als wütend und schnell, wobei die teils vertrackten Elemente hier für den ‚Banger-Effekt‘ etwas zurückgefahren werden, was die Komplexität der Songstruktur aber nicht vermindert. Für „I’m Not Waiting“ und „Shattered“ haben sich CURRENTS scheinbar noch mit die besten Cleanhymnen des Albums aufgehoben, worunter aber leider andere Aspekte der Songs leiden müssen. So sind die letzten beiden Tracks weniger abwechslungsreich und innovativ als der Rest der Platte, bemühen sich aber dennoch, einen würdigen Abschluss zu bilden, der dennoch nicht mit der Eröffnung von „The Place I Feel Safest“ mithalten kann.

CURRENTS zeigen mit ihrem Debütalbum, was im Metalcore heutzutage möglich ist. In Sachen Atmosphäre, Dichte und Abwechslung stecken die Newcomer problemlos die ein oder andere Szenegröße in die Tasche. Definitiv eine würdige Erweiterung der SharpTone Familie und eine Band, die mich jetzt schon für kommende Releases begeistern können. 



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Lucas Prieske (29.08.2017)

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