SATYRICON - Deep Calleth Upon Deep

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VÖ: 22.09.2017
Bandinfo: SATYRICON
Genre: Black Metal
Label: Napalm Records
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Lineup  |  Trackliste

Die Norweger sind den Untiefen des schwarzen BM-Sumpfs des Norwegens der Neunziger Jahre schon längst entwachsen und addierten spätestens auf „Nemesis Divina“ einen ästhetischen Aspekt zu der regierenden harschen Kälte und dem rohen Purismus jener Gründertage. Nachdem der gleichnamige Vorgänger bereits mit 2013 datiert, war es an der Zeit, der eingeschworenen Fanschar nach dem “Live At The Opera”-Intermezzo (2015) neues Studiomaterial zu präsentieren. Appetit darauf machte der Gig am BYH-Festival, der von einem mächtigen, Hieronymus Bosch-inspirierten Backdrop umrahmt wurde. Hier ist das simplifizierte Artwork des neuen Drehers wahrlich kein Augenschmaus, auch wenn jenes vom SATYRICON-Landsmann und „Der Schrei“-Maestro Edvard Munch stammt. Der „Satyricon“-Nachfolger legt ganz im Gegensatz zum Albumcover mit dem Opener „Midnight Serpent“ gleich kraft- und wirkungsvoll los, ein gelungener Opener, der sich in seiner getragenen, durch polternde Eruptionen unterbrochenen Erhabenheit gleich eingangs als Fixstarter in den nahenden Live-Sets herauskristallisieren sollte. „Blood Cracks Open The Ground” rockt gleich anschließend direkt ins Ohr, während sich das mäandernde “To Your Brethren In The Dark” behäbig, aber unnachgiebig mahlend seinen Weg in die Gehörgänge bahnt.

Auf „Deep Calleth Upon Deep“ regieren neben dem trockenen Drumming wieder die dissonant tönenden Gitarren, die beständig an den Nerven zu zerren scheinen, ergänzt von einem sprechknurrenden Satyr. Als Highlight sticht der Titeltrack hervor. Dass das Duo Infernale ein Händchen für mächtige Hymnen und schwarze Hits hat, ist bekannt, „Deep Calleth Upon Deep“ reiht sich nahtlos in diese Riege ein, nimmt im Verlauf Fahrt auf und frisst sich mit dem Refrain fest. Das gelungene, melodiöse „The Ghost Of Rome“ zieht die Aufmerksamkeit dank seines hypnotischen Chors nicht nur auf sich, sondern fordert sie quasi ein. „Dissonant“ tönt anschließend deutlich sperriger und darf beispielhaft für die durch ihre Ästhetik Unbehaglichkeit verströmenden, morbiden Klangwerke stehen. "Black Wings And Withering Gloom" verfügt über einen ungeschliffenen Touch, Frost darf hier hemmungloser zaubern, dennoch ist der Titel etwas langatmig geraten, während das melodische „Burial Rite“ abschließend eine versöhnlichen Ausklang sorgt. „Deep Calleth Upon Deep“ reflektiert nicht zuletzt die Auseinandersetzung mit dem 2015 bei Satyr diagnostizierten Gehirntumor und den damit verbundenen existenziellen Überlegungen. Zwar kann gesundheitlich Entwarnung gegeben werden, dennoch steht der neue Dreher für jene damit verbundenen philosophischen Themenbereiche und klingt wohl nicht zuletzt deshalb, weil es das letzte Album sein hätte können, tief und dunkel wie gleichsam lebendig und feurig.

Satyr und sein musikalischer Langzeitpartner Frost gönnen uns (und belohnen sich selbst) mit Album Nr. 9 ein weiteres mürbes, aber in Würde und Tiefe erstrahlendes, reifes Bandwerk, das spannender und durchdringender als sein Studiovorgänger klingt. „Deep Calleth Upon Deep“ ergießt sich dunkel und fordernd über den Hörer und klingt dennoch vital. Das Unheil konnte wohl abgewendet werden, SATYRICON konnten die zweite Option wählen und ein neues Kapital in der Ära aufschlagen.

Mehr zum neuen Album könnt ihr in unserem INTERVIEW mit Frost lesen!
 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Thomas Patsch (20.09.2017)

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