RUNNING WILD - Wiederveröffentlichung der Noise Era Alben

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VÖ: 25.08.2017
Bandinfo: RUNNING WILD
Genre: Heavy Metal
Label: BMG
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Lineup  |  Trackliste

RUNNING WILD sind zurück. Gut, nicht wirklich. Hin und wieder eine Jubiläumsshow und Käptn Rolfs Verschwörungstheorie-Interviews lassen leider nicht einmal erahnen, wie wichtig und groß die Band einmal war. Knapp vor Majorstatus und gesegnet mit Hits ohne Ende waren die rennenden Wilden jahrelang ein Fixpunkt im klassisch deutschen, hochmelodiösen Metal. BMG haben den NOISE-Records Backkatalog erworben und veröffentlichen (wie auch schon bei CELTIC FROST und KREATOR) die unter Karl-Uwe Walterbach (berühmt und berüchtigt) auf dem Kultlabel erschienenen ersten neun Alben als doppelte CD oder als schicke 180g Vinyls. Mit neu aufgenommen Versionen alter Songs, remasterten Versionen der 1991 neu aufgenommenen Songs. Nichtalbumsongs. 92er Aufnahmen. 2003er-Aufnahmen. Samplerstoff und Linernotes. Und neu remasterten Sachen. Hab ich das schon erwähnt? Und möglicherweise noch mehr. Auf jeden Fall kann man sich das Zeug durchaus antun bei dieser Masse an starken Songs ist schon eine gewisse Wertigkeit gegeben. Nehm ich an. Ich hab leider nur die mp3-Songs. Auch hab ich keine Ahnung, ob alles neu gemastert wurde oder eben nur die Songs wie oben angeführt. 

Daraus resultierend kann ich leider auch nicht sagen, wer das Material remastered hat, wer an der Gestaltung der Neuauflagen beteiligt war. Bar jeglicher Details quasi. Aber, wie heißt es so schön im Fußball: Wichtig ist aufm Platz!

Die ersten fünf Alben, "Gates To Purgatory" 1984, "Branded And Exiled" 1985, "Under Jolly Roger" 1987, "Port Royal" 1989 und "Death Or Glory" kommen am 11.08.2017, die restlichen Vier, "Blazon Stone" 1991, "Pile Of Skulls" 1992, "Black Hand Inn" 1994 und das 1995er Werk "Masquerade" folgen am 25.08.2017.

Mächtig viel Stoff also, schick aufgemacht. Eine Zeitreise durch das Schaffen einer Band, die man im Rückspiegel eigentlich gar nicht mehr so richtig wahrnimmt. Schade eigentlich, denn der alte deutsche Stahl läuft ja auch heute noch recht gut, exemplarisch seien hier die nicht zu zerstörenden ACCEPT genannt. Warum also RUNNING WILD eher nostalgische Seufzer auslösen, liegt sicherlich an den katastrophalen Outputs seit ewig und dem etwas entrückten Wahrnehmungshorizont des Oberkaspareks (Hammerwortspiel!)

Bei diesen Re-Releases wird mächtig aufgefahren. Mich deucht, alles, was auch nur irgendwie von Rolfs Galeere (wo nimmt er bloß all diese Einfälle her?) von 1984 bis 1995 auch nur mit einem Volksempfänger aufgenommen wurde, ist auf diesen Wiederveröffentlichungen vorhanden. Das macht es einfach und spannend, die Entwicklung einer der wichtigsten Bands der Heavy Metal-Geschichte nachzuvollziehen. Single- und ganz frühe Samplerbeiträge klingen noch sehr analog, direkt und haben einen knackig antiquierten Charme. Die remasterten Albumversionen sind jetzt nicht so viel anders, aber es gibt ein wenig mehr Breite und Schärfe. Klasse sind die unterschiedlichen Varianten mancher Kultsongs. "Under Jolly Roger", ein Metaldisco-Klassiker, "Adrian S.O.S" oder "Branded And Exiled".

Die Band, also Roggn`Rolf (er ist nicht zu bremsen! Ein Wortspiel jagt das Nächste!) hat einige absolute Metalstandards geschrieben. Neben dem schon erwähnten "Under Jolly Roger" (kennt wohl auch Mutti) darf man sich an remasterten Versionen von "Conquistadores" (das wurde bei "Mosh" auf RTL seinerzeit schwer rotiert), "Little Big Horn", "Adrian" (mit oder ohne Son of Satan), "Blazon Stone" oder "Treasure Island" erfreuen. Schön ist auch die musikalische Entwicklung zu verfolgen, vom robusten, wenn auch noch etwas sehr geradlinigen "Gates To Purgatory" über mit immer mehr Feinheiten ausgefeilte Alben wie "Port Royal" hin zu Oberkrachern wie "Black Hand Inn", auf denen die deutsche Vorzeigetretmine Jörg Michael dahernagelt wie ein junger Rammler.

Diese Werkschau kann viel und selbst ich, der mit teutonischem Stahl nicht immer allzuviel am Hut hat, war und bin gefesselt von dem, was der jeweilige Dreier oder Vierer mit Steuermann (unglaublich, es geht noch mehr!) da an den Tag bringt. Bis auf das eher durchwachsene "Under Jolly Roger" ist jedes Album mindestens stark und bis auf "Gates To Purgatory" und in manchen Momenten "Branded And Exiled" klingt gar nichts altbacken. Das Aufhübschen hat einiges aufpoliert und zeitgemäßer gemacht, ohne den Charme der völlig eigenständigen Musik zu verfälschen. Und eigenständig ist das auf jeden Fall.

RUNNING WILD waren zu dieser Zeit eine Weltklasseband. Das lässt sich aus dieser Retrospektive gut nachverfolgen. 

Kann man so machen.

 



Ohne Bewertung
Autor: Christian Wiederwald (23.08.2017)

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