ATTIC - Sanctimonious

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VÖ: 18.08.2017
Bandinfo: ATTIC
Genre: Heavy Metal
Label: Van Records
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Lineup  |  Trackliste

Spannend wie sich die Begrifflichkeiten ändern. Seit der sogenannten zweiten Welle wird Black Metal mit eigenartigen Produktionen, flirrenden Gitarren und gar böse röchelnden Jünglingen gleichgesetzt. Geht man aber noch ein paar Jahre zurück dann gab es zwar schon BATHORY und VENOM, aber richtig gemein wurde es mit MERCYFUL FATE und KING DIAMOND. Black Metal klang zu diesem Zeitpunkt nach ein wenig altem Metall, brutal hohem Falsett und Konzepten. Alben, die eine Geschichte in ihren Lyrics, im Artwork spannen.

Und da setzten ATTIC im zur Neige gehenden 2012er Jahr mit dem Überraschungshammer "The Invocation" an. Der Däne kam plötzlich aus Deutschland und ATTIC waren in aller Munde. Auch die selbsternannte Szeneikone Fenriz warf mit Lob um sich und wusste nur den Drumsound zu bemäkeln.

Gut, ein wenig verhalten ist er auch diesmal. Der Sound der Kessel und vor allem der Overheads, die man beinahe gar nicht hört. Aber insgesamt ist die Soundlandschaft auf "Sanctimonious" vom Allerfeinsten. Knackig heavy, der Gesang meisterhaft in den verhallten Raum gestellt, die Leads scharf und melodiös.

Man versucht sich, wie eingangs schon erwähnt, an einem gar gruseligen Konzeptalbum. Nonnen, Schwester Oberinnen (fiese!), der Wiedereintritt in ein Kloster nach einer eher enthemmten Nacht mit einem lokalen Beau. Schwangerschaft. Schockschwerenot. Und das alles funktioniert wunderbar. Ein kleiner Gruselfilm wird hier abgespielt. Eine Geschichte die noch nicht zu Tode erzählt wurde und zusammen mit dem Artwork wirklich fesselt. Da erinnert man sich gerne an die Zeiten des texanischen Dänen und wie gebannt man die Lyrics seiner großen Alben inhaliert hat, um zu wissen, wo man sich just zu diesem Zeitpunkt in der Geschichte befand.

Die Einflüsse sind klar, KING DIAMOND und MERCYFUL FATE, soundmäßig ist man etwas heutiger, aber schön natürlich, ans Analoge gemahnend. Der Lapsus bei den Drums wiegt im Kontext nicht so schwer. Dafür gibt es eben mehr METAL von den Gitarren. Die Soli evozieren gerne mal ein wenig MAIDEN ("Penalized" und "Sinless)  und flirren lässt man es auch im Titeltrack und bei "Born From Sin". Passt alles, hat Hand und Fuß und haut schön in´s Gemächt. Und die Stimme des Meisters thront über allem. Was daran polarisieren soll weiß ich nicht. Das Falsett von Meister Cagliostro ruled here beyond supreme! Man verzeihe mir die Anglizismen, aber was der Sänger hier aus sich herauszerrt, ist ganz große Kunst. 

13 Tracks auf über einer Stunde erzählen eine finster Geschichte von Horror hinter Klostermauern. Gut, ein paar Songs sind im Endeffekt etwas zu lange geraten ("Die Engelmacherin" zeitschindet hinten raus schon zu ausgiebig), aber was zählt ist die Atmosphäre. Und da kommen schwerlich andere Horror, Black, Death und was weiß ich noch alles Metal-Alben der letzten Jahre an "Sanctimonious" heran. Wir werden für die lange Wartezeit  seit dem ersten Album wahrlich fürstlich belohnt. So dunkel, so gemein, so schön durften wir uns schon lange nicht mehr mit einem Album befassen. Hier werden Emotionen erschaffen ohne nur schöde draufzuhauen. Keine Härte der Härte willen. Der Horror kommt aus dem Zusammenspiel aller Faktoren. 

Klar, das Genre wird nicht neu erfunden, aber wenn man es so groß interpretiert darf man gerne darüber hinwegsehen. Grandios!

ATTIC stehen mit ihrem zweiten Album "Sanctimonious" vor dem ganz großen Wurf.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (18.08.2017)

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