DIE APOKALYPTISCHEN REITER - Der rote Reiter

Artikel-Bild
VÖ: 25.08.2017
Bandinfo: DIE APOKALYPTISCHEN REITER
Genre: Metal
Label: Nuclear Blast Records
Lineup  |  Trackliste

Wenn man in unserem redaktionsinternen System, direkt beim Anlegen eines neuen Mediums, über das ja berichtet werden soll, schon beim Wählen des Genres ungeheuerlichen, ja gar erschröcklichen Problemen gegenübertreten muss, dann ist eines gewiss: DIE APOKALYPTISCHEN REITER beehren uns wieder. Drei Jahre und ein kleines kreatives Päuschen hat man sich nach dem - sicherlich nicht für alle - großartigen "Tief.Tiefer" gegönnt, ehe man nun genau den roten Reiter von der Leine lässt, den man im Vorfeld bereits ziemlich euphorisierend beworben hat. Künstler, so suggerieren es einem zumindest sämtliche Promotexte, sind ja grundsätzlich immer überzufrieden mit ihrem neuesten Erzeugnis, betiteln dieses als das beste in ihrer Diskografie und scheuen dabei auch nicht den exzessiven Einsatz weiterer Superlative, aber bei den Reitern aus Weimar hat man schon in diversen Facebook-Teasern und Youtube-Videos gespürt, dass sie richtig Bock und Spaß bei der Aufnahme hatten. Die Frage ist nur: reicht das?

Ein großes Lob gibt es zunächst mal für die Auswahl der Singles, mit der man ganz gut umrissen hat, dass DIE APOKALYPTISCHEN REITER auf "Der rote Reiter" mal wieder aus dem Vollen schöpfen und stilistische Grenzen einfach überfliegen. In der Tat ist das zehnte Studiowerk auch wieder deutlich härter, aber man sollte nicht erwarten, dass Fuchs und Co. den einfachsten, gerade sowieso angesagten "Back to the roots"-Weg gehen (das haben sie zum Glück auch gar nicht behauptet), sondern sich eher auf eine Art Best-Of einstellen, das, ohne irgendetwas zu wiederholen, alle Phasen der Band auf einem grandiosen Album vereint und noch ein paar neuartige Einflüsse hinzuaddiert - spinnt man es anders auf, könnte man es auch als den härteren Bruder von "Riders On The Storm" bezeichnen.

Man wird also die typischen Reiter-Hymnen à la "Wir sind zurück" und "Auf und nieder" mit endlosem Live-Potential Hand in Hand mit waschechtem Geknüppel wie dem zeitweise doomigen Titeltrack und dem unverheißungsvollen, gebieterischen "Hört mich an" gehen sehen, ohne etwas dagegen unternehmen zu können (oder zu wollen). Mit welcher künstlerischen (Selbst-)Sicherheit das Quintett bewerkstelligt, dieses Vorgehen wie eine lächerliche Übung aussehen zu lassen ("Folgt uns" beispielsweise kann als Hybrid beider Seiten betrachtet werden), sucht seinesgleichen und zeigt gleichzeitig auch, dass man nicht darauf bedacht war, sämtliche Kritiker der jüngeren Diskografie auf Zwang belehren oder gar bekehren zu müssen. Man hat lediglich wieder Spaß daran gefunden, mächtig auf die Kacke zu hauen und sich komplett auszutoben, ohne dabei die eigene Identität aufzugeben. So wird hier mal ("The Great Experience Of Extasy") geblastet, dort mal gute Laune verbreitet ("Franz Weiss") und an anderer Stelle die musikalische Apokalypse heraufbeschwört ("Ich nehm dir deine Welt") - und das fließend.

Um zu den neuartigen Einflüsse zu kommen: In ein paar Songs merkt man meiner Meinung nach auch den leichten Einfluss eines Alex Dietz (HEAVEN SHALL BURN), der die Herren Reiter dieses Mal zusammen mit Eike Freese bei der gesamten Produktion unterstützt hat, wodurch der ohnehin schon umfangreiche Klangkosmos z.B. durch die Melodeath-artigen Gitarren in "Herz aus Flammen" oder auch die Gangshouts und Backingchöre in "Brüder auf Leben und Tod" auf natürliche Weise erweitert wird. Als Bereicherung sind die beiden aber schon alleine wegen des unfassbar fetten, modernen Sounds, der ebenfalls für Frische sorgt und sich trotz seines wuchtigen Charakters keiner Plastik-Diskussion ausgesetzt sehen muss, zu betrachten.

Die Antwort auf obige Frage ist also einfach: Klar reicht das. "Der rote Reiter" ist ein nahezu perfekter Querschnitt des bisherigen DAR-Œuvres und strotzt vor Energie, Leidenschaft, Lebensfreude und manchmal auch ein bisschen Mordlust. Anders formuliert: DIE APOKALYPTISCHEN REITER sind auch im Jahre 2017 sie selbst, nur dass sie dieses Mal eben wieder mehr Gefallen an einer härteren Gangart gefunden haben. Wo man dieses Album nun einsortieren soll, ist schwer zu beantworten, irgendwie aber auch komplett nebensächlich, denn unter dem Strich ist auch "Der rote Reiter" eine mehr als nur lohnende Investition für all die Reiter-Fans, die nicht zu sehr in der Vergangenheit haften geblieben sind, sondern gerade die Vielseitigkeit der Band schätzen. Ende.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (22.08.2017)

WERBUNG: MIDRIFF: Decicions
WERBUNG: CRADLE OF FILTH - Cryptoriana - The Seductiveness Of Decay