DAGOBA - Black Nova

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VÖ: 25.08.2017
Bandinfo: DAGOBA
Genre: Industrial Metal
Label: Century Media Records
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Sind DAGOBA nach vielen Jahren härtester Arbeit an einem eigenständigen Sound endlich angekommen? Offensichtlich hat das vor zwei Jahren erschienene "Tales Of The Black Dawn" genügend verbrannte Erde hinterlassen, um den arg unterschätzten Franzosen endlich einen Spot bei einem großen Label wie Century Media zu reservieren. Logischerweise ist auch die zugehörige Plattenfirma nicht alles, aber Shawter und sein einziger konstanter Wegbegleiter, Bassist Werther, haben das seit dem Debüt "Dagoba" mit vielen interessanten und größtenteils natürlich auch überzeugenden Werken mühevoll erwirkt und wollen nun mit "Black Nova" ihren Meilenstein markieren.

Zunächst gab es vor der Albumproduktion aber zwei markante Wechsel im Line-Up: Der seit 1998 in der Band tätige Franky Costanza hat 2016 das Schlagzeug für Nicolas Bastos (durch Live-Aktivitäten für ABORTED und BETRAYING THE MARTYRS bekannt) geräumt und Gitarrist Z wurde durch den weitestgehend unbekannten Jean-Lau Ducroiset ausgetauscht. Ein Einschnitt? Mitnichten. Schnell fällt bei "Black Nova" trotz der aufwändigen Samplings und Electronica auf, dass der siebte DAGOBA-Coup der wohl gitarrenlastigste seit "What Hell Is About" sein dürfte: Die bleischweren Grooves in "Inner Sun" und "The Legacy Of Ares" erdrücken einen umgehend, lediglich die eingestreuten, poppigen Refrains bieten kurzzeitig Gelegenheit zur Sauerstoffaufnahme. Bedenken sollte man dennoch: Die Anlaufzeit war nie der Schwachpunkt der Marseille-Formation, sondern der Spannungsbogen, der sich über das Gesamtwerk erstrecken soll. Mit "Stone Ocean" (was für eine überragende Hook...), den ich fortan wohl zu den drei besten DAGOBA-Songs ever zählen werde, machen sich also gleichzeitig erste Zweifel breit, ob der Vierer hier schon wieder sein komplettes Pulver verdaddelt haben könnte.

Tatsächlich errichtet das anfänglich leicht orchestrale, später dann treibend-elektronische "The Infinite Chase" eine durchaus spürbare Grenze zur zweiten Albumhälfte, aber das Problem mit dem maßgeblichen Qualitätsgefälle haben DAGOBA - auf die aktuellen zwei Alben übertragen - trotzdem überwiegend sehr gut unter Kontrolle bekommen. Das könnte u.A. auch daran liegen, dass man im Direktvergleich zu früheren Veröffentlichungen weniger experimentiert und sein eigenes Potenzial bewusster wahrnimmt, weswegen "Fire Dies" oder auch "Lost Gravity" mit ihren simplen wie eingängigen Strukturen an die Frühphase der Diskographie erinnern. Und eines muss man vor allem Shawter lassen: sein Sinn für große Refrains ("Phoenix & Corvus"; "Vantablack") ist ihm treu ergeben.

"Black Nova" ist für Groove- und Industrial-Metal-Fans also sehr empfehlenswert. Ich würde dabei aber nicht unbedingt behaupten wollen, dass es deutlich besser als sein Vorgänger ist, sondern es vielmehr als ebenbürtigen Output bezeichnen, der dazu beiträgt, dass DAGOBA eine qualitative Konstanz in ihre Kunst bzw. in ihr spezielles Songwriting bekommen, auf der sie in naher Zukunft aufbauen können. Es scheint tatsächlich so, als hätten die Franzosen endlich ihren Stil gefunden, den sie fortan verfeinern können. Zu wünschen wäre es ihnen definitiv, denn "Black Nova" hat Wiedererkennungswert und ist mit seinen durchdachten Industrial-Elementen, den gewaltigen Grooves und Riffoffensiven sowie der Vielzahl an brillanten Refrains eine große Bereicherung für das Genre.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (28.08.2017)

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