DARKFALL - At The End Of Times

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VÖ: 08.09.2017
Bandinfo: DARKFALL
Genre: Death / Thrash Metal
Label: MDD
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

DARKFALL aus der steirischen Landeshauptstadt sind schon ewig dabei, haben aber bisher den Untergrund noch nicht verlassen. Die Jungs um Fronter und Szene-Ikone Thomas "Spiwi" Spiwak sind irgendwie wie ein guter alter Bekannter. Alle paar Jahre kommt ein neues Album, wird wohlwollend abgenickt, aber so der Überhammer war halt noch nicht dabei. Straighter Death/Thrash ist bisher serviert (bei uns hier und hier nachzulesen) worden, und auch live waren und sind die Steirer, nicht nur wegen der markanten Persönlichkeit des Sängers, eigentlich immer unterhaltsam.

Ich ging also mit eher überschaubaren Erwartungen in das neue Album "At The End Of Times". Und wurde überrascht. Sehr überrascht. Was DARKFALL hier abliefern, ist erstens eine völlige Neuausrichtung ohne die eigenen Wurzeln zu verleugnen, und zweitens ein Release, das die Band mit ein wenig Glück auf eine neue Stufe heben sollte. 

Das Promopamphlet jubelt wie folgt: "Das Ergebnis stellt zweifellos den bisherigen Höhepunkt ihres musikalischen Schaffens dar und ist in der Lage, Anhäger sowohl des Death-, also auch des Thrash Metal Genres zu begeistern."

Das stimmt natürlich, aber was das neue Album so besonders macht, ist eine massive Verbeugung gen Tech Death Metal. Klar haben wir hier Riffs, Death Metal Abfahrten und alles was DARKFALL schon immer ausgezeichnet hat, aber eben auch, tja, mehr. Die Songs sind etwas länger geworden, die Strukturen nicht immer die altbekannten, der Gesang angenehm fies, der Sound zwischen organisch und staubtrocken (zuständig dafür: Andy Classen). Der Opener "Ride Through The Sky" ist wie auch der zweite Track "The Breed Of Death" noch einigermaßen klassischer DARKFALL-Sound, aber spätestens mit "The Way Of Victory" geht der Weg eindeutig in Richtung technischer Death Metal. 

Die Riffs werden schräger, ausgefeilter, die Takte eckiger und der Anspruch an sich selbst und den/die geneigten HörerIn höher. Ich war beim ersten Durchlauf beinahe etwas verunsichert und musste mehrmals auf meinen mp3-Player schauen ob es sich hier wirklich um DARKFALL handelt. "The Way Of Victory" ist dann einer dieser Songs, die schon beinahe Hitcharakter auf dem aktuellen Album haben. Musikalität gepaart mit eingängigen Gesangslinien, die hängen bleiben, hört man heutzutage nicht allzu oft. 

"Deathcult Debauchery", und schon kommt das nächste Highlight. Das Zusammenwirken von Schlagzeug, Gitarren und Gesang ist hier ein ganz besonderes. Hier werden unzählige Spielereien mit eingebaut, die aber nicht zum Selbstzweck verkommen. Und auch hier haben wir trotz all der Technik wieder einen lässigen, eingängigen Refrain. Der Song schiebt nach dem Breitwandintro an und lässt einen nicht mehr los. Ich gehe davon aus, dass wir das Lied wohl auch bald live hören werden. Hinten raus wird hier noch ganz dick aufgetragen, das Geschoß geht beinahe schon in Richtung alte ATHEIST (tatsächlich!). 

"Ashes Of Dead Gods" ist nicht nur ein knackiger Songtitel, auch der Song höchstselbst ist eine Gewalt. Das Riffing ist herrlich hektisch und ein Rhythmuswechsel jagt den nächsten. Hier sind DARKFALL erneut wieder bei den alten ATHEIST oder auch den einen oder anderen aktuelleren Prog-Deathern einzuordnen. Hätte man sich so wohl nicht wirklich erwartet. Der Track geht über sieben Minuten und hier passiert mehr als bei vielen anderen Bands in deren gesamtem Backkatalog.

"Your God Is Dead" kommt etwas gerader aus den Startblöcken, geizt aber erneut nicht mit Spielereien. Das treibende Schlagzeug schiebt den Song etwas straighter über die Ziellinie, ist aber wieder abwechslungsreich und, wie das ganze Album, einfach wirklich gelungen.

"Blutgott" kommt nach einem ruhigen Intro mit genialen Gitarrenharmonien daher. Deutschsprachig der Text, sieht man hier jedoch gut, dass unser lokales Idiom nicht nach peinlicher Pagan-Truppe klingen muss. Wobei, die Harmoniegitarre lehnt sich vielleicht sogar ein bisschen in die Paganrichtung, aber eben gänzlich ohne Fremdschämfaktor. Der Grund dafür ist erneut die Abwechslung (spannender Mittelteil) und die deftige Heavyness. Kein Turnschuh-Runenfest, sondern einfach harter Metal.

"Welcome The Day You Die" wird erneut von einem Intro eingeläutet, tritt dann aber gleich gnadenlos die fettigen Schuppen vom karg bewuchterten Haupt (Geh halt mal wieder zum Frisör, du Assi! Anm. d. Chefred.). Geiles Riffing, fieses Geschrei und die programmatische Vielfältigkeit im Songwriting und im musikalischen Vortrag. DARKFALL lassen auf sechs Minuten nicht eine Sekunde Langweile aufkommen.

Der ringende Herr wird bei "Ash Nazg - One Ring" lyrisch herangezogen. Etwas getragener im Vergleich zu den restlichen Songs, und der einzige "nur gute" Song hier. 

Abschließend gibt es eine Neuaufnahme von "Land Of No Return", welches im Original von der 2001er EP "Firebreed" stammt und sehr gut zeigt, wie anders DARKFALL 2017 geworden sind.

Mit "At The End Of Times" haben DARKFALL erfolgreich Neuland betreten, alte Stärken in einen neuen Kontext gebracht und reüssieren damit ohne Vorbehalt. Der Sound ist superb wie auch die Covergestaltung.

Damit habe ich nicht gerechnet, ihr seht mich begeistert. Ein forderndes Album mit dem der steirische Fünfer internationale Qualität erreicht. 

"I denk, is a echt fettes Teil auf ernare oidn Tog" - so ein hochrangiger Mitarbeiter unserer Rundschau. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Doch, Album Releaseshow ist am 8. September im Orpheum zu Graz!

 

 

 

 

 

 



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (04.09.2017)

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