PVRIS - All we know of heaven, all we need of hell

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VÖ: 25.08.2017
Bandinfo: PVRIS
Genre: Rock
Label: Rise Records
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Lineup  |  Trackliste

Das neue Album „All We Know Of Heaven, All We Need Of Hell“ des amerikanischen Alternative-Rock-Trios PVRIS, bei dessen Titel ich mich unweigerlich an BRING ME THE HORIZONs „There Is A Hell Believe Me I’ve Seen It, There Is A Heaven Let’s Keep It A Secret“ erinnert, zeigt viele Parallelen zum großartigen Debüt „Mirrors“ von 2014, und ist dabei doch ganz anders.

Zunächst einmal fühlt sich die neue Scheibe trotz gleicher Länge wesentlich langatmiger an als ihr Vorgänger – was aber nicht unbedingt mit ‚langweiliger‘ gleichzusetzen ist. Doch im direkten Vergleich mit absoluten Hymnen wie „Mirrors“, „White Noise“ oder „Holy“ fühlt sich die Soundentwicklung der Band weniger progressiv als eher fast etwas rückschrittlich an. Paradoxerweise geschieht dies durch die zunehmende Professionalisierung der Gesamtperformance, durch die PVRIS jetzt höchstwahrscheinlich eine wesentlich breitere Masse ansprechen können, gleichzeitig aber einige (meine Meinung nach wichtige) Elemente auf der Strecke zurücklassen. „All We Know Of Heaven, All We Need Of Hell“ verabschiedet sich von der jugendlichen Experimentierfreudigkeit von „Mirrors“ und rückt stattdessen die melancholische Ästhetik in den Vordergrund, die von Beginn an der Träger des PVRIS-Gefühls war. Statt ungewöhnlicher Beats und gewagtem Songwriting erwartet den Hörer hier eine Reise zwischen den grauen Schattierungen eines kaum einsehbaren Spektrums von Schwarz und Weiß. Da das Grau keine Extreme kennt, bewegt sich auch der musikalische Weg der zehn vorliegenden Songs innerhalb einer verhältnismäßig engen Soundvielfalt, die viel Sicherheit, aber nur wenige Überraschungen bietet.

Hervorheben möchte ich aber trotzdem einige Tracks, die aus der grauen Masse hervorstechen und beweisen, dass PVRIS wohlmöglich die sympathischste Hoffnung für Chart-tauglichen Alternative-Rock ist. „Anyone Else“ besticht durch einen ungewöhnlichen Beat, der teilweise aus Drums, teilweise aber auch aus Vocal-Samples Lyndsey Gunnulfsens (‚Lynn‘) besteht. Hinzu kommt der gefühlvolle Einsatz feiner Gitarrenriffs und der Kontrast unterschiedlich gesungener Passagen, die eine unvergleichliche energetische aber auch melancholisch-deprimierende Atmosphäre erzeugen. Ähnliche Elemente verwendet auch „What’s Wrong“, das sich passagenweise wie eine niedergeschlagenere Version von „St. Patrick“ inszeniert. Das Highlight der Scheibe findet sich jedoch unbestreitbar in „No Mercy“, in dem PVRIS zu alter Form auflaufen: Schnelle Beats, ein dichter Soundteppich und eine hochmotivierte Lynn, die unfassbar viel Energie in ihrer Stimme vereinen kann.

Insgesamt kommt „All We Know Of Heaven, All We Need Of Hell“ leider nicht an die Einzigartigkeit des Vorgängers heran, auch wenn es eigene Schwerpunkte setzt und sich fast wie ein Konzeptalbum hören lässt. In Zukunft würde ich mir von PVRIS wieder etwas mehr Wagemut wünschen, bin aber fürs erste mit jeglichem neuen Material zufrieden.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lucas Prieske (16.09.2017)

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