ARROGANZ - Primitiv

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VÖ: 29.09.2017
Bandinfo: ARROGANZ
Genre: Black Metal
Label: FDA Rekotz
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Grad eben hab ich DAYAL PATTERSONs "Black Metal: Evolution Of A Cult" wieder einmal durchgelesen. Ein Buch, das mit seinen weiterführenden Teilen und dem mittlerweile schon legendären "Lords Of Chaos" von MICHAEL MOYNIHAN zusammen ein recht dichtes Bild einer Szene zeigt, wie sie entstand und teils auch heute noch lebt. Um keine Schublade im Metal wurde so viel Aufsehen gemacht wie eben um den schwarzen Metall, die Protagonisten erschufen in relativ kurzer Zeit ein völlig neues Musikgebiet und in noch kürzerer Zeit eine Menge Arbeit für jedes zweite norwegische Polizeikommissariat. 

Was diese Einleitung mit ARROGANZ und ihrem neuen Release "Primitiv" zu tun hat? Auf den ersten Blick wenig, aber man darf sich immer wieder wundern, wie sehr Musik, und hier im konkreten Fall eben der Black Metal, wirklich Verschiedenstes bewegt. Sei es wie es solle, der Black Metal-Anteil bei ARROGANZ ist seit "Tod & Teufel" etwas gestiegen (damit hoffe ich, meine Einleitung zu rechtfertigen...), die Stimme klagt bisweilen recht schwarz und die Atmosphäre kann schon manchmal recht unterkühlt sein. Im Allgemeinen ist die Stimmung düster, derb, brutal, nihilistisch, egal in welcher Musikart grad musiziert wird.

Das Fundament ist ein recht derber, nicht allzu schneller Death Metal. Death Metal, der die blacke Stimmung noch deutlich verstärkt. Das liegt am Gesamtsound, der wirklich ganz grob das metallerne Pilum in das erwartungsvolle Sternum des Hörers rammt (wer den Spruch als erstes erkennt, darf sich ein Eis kaufen. Von mir aus auch ein schwarzes). Ganz heftig wird es in den extrem doomigen Teilen des Albums, wie etwa beim zweiten Song "Cortége", welcher in der Mitte eine heftige Melange aus Funeral Doom und flirrenden Schwarzgitarren auf den Thresen wirft. Das ist kein Song, um seine Liebste im Rosenhain auf ihr Kreuz zu werfen. Das ist der vertonte Weltuntergang. "Cortége" bedeutet soviel wie "Leichenzug" und die fröhlich/gesellige Atmosphäre eines solchen wird hier gnadenlos eingefangen. Ein unglaublich deprimierender Song.

Der Opener "Pilgrim" ist ein bisschen wie ein Abbild der Entwicklung vom eher reinen Death Metal der alten Tage hin zum Black/Death der "neuen" ARROGANZ. Wobei nur Black/Death auch zu wenig ist, weil sehr viel, sehr trostloser Doom mitschwingt.

"Primitiv" ist alles, nur nicht, ähm, primitiv. Dichte Gitarren, ein origineller, deutlich hörbarer Bass und ein schön im Reverb badendes Schlagzeug hauen einen guten Song nach dem anderen heraus. Neben derbem Death, flirrendem Black und den Tod der Oma beklagendem Doom gibt es viele volatile Momente als Kontrapunkt zur Deftigkeit. Und das muss man erst einmal schreiben und spielen können. 

Das Album ist selbstredend kein Easy-Listening, aber mit Kofphörer auf einem Gang durch den Wald im regnerisch-kalten Herbst kann man sich wohl keinen besseren Begleiter als ARROGANZ´ "Primitiv" mitnehmen. Ein Werk voller Tiefe und Substanz in einer Zeit voller YouTube-Idioten und Prankster. Chapeau!

 

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (25.09.2017)

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