MOTÖRHEAD - Under Cöver

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VÖ: 01.09.2017
Bandinfo: Motörhead
Genre: Rock´n´Roll
Label: Silver Lining Music
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Lineup  |  Trackliste

Kaum hatte Rockgott Lemmy das Zeitliche gesegnet, begann mit der Veröffentlichung des Live-Doppeldeckers „Clean Your Clock“ (der seine Legitmation vornehmlich in der Zeitnähe und der noch greifbaren Emotion der letzten besuchten MOTÖRHEAD-Konzerte fand) auch schon die Vermarktung des großartigen Erbes der Rocklegende. „Under Cöver“ läutet nun gewissermaßen den „richtigen“ Post Mortem-Recycling-Reigen ein, wenngleich ein Blick auf die umfangreiche Discographie schon immer ein hohes Maß an (teils semi- und inoffizieller) Compilation- und Live-Wut dokumentiert, so viel sei der Fairness halber gleich eingangs angemerkt. Coverversionen kann man mögen oder nicht. Sind sie zu nahe am Original wird gejammert, werden sie zu eigenwillig interpretiert, ist das Gezeter ebenfalls groß, über die stilistische Nähe der erkorenen Songs oder genrefremde Auswahl braucht ebenfalls keine Diskussion vom Zaun gebrochen werden, ist ja immer Geschmacksache.

Klar ist, dass die auf „Under Cöver“ gesammelten Rockklassiker aus der Feder der teils ganz Großen des Rockzirkus (von den SEX PISTOLS bis zu den ROLLING STONES) allein schon wegen Mr. Frasers Stimme ihre eigene Facette erhalten. Dabei klingt vieles von knackig-vital („Breaking The Law“ oder „Jumpin´ Jack Flash“) bis ruppig-schnell („Whiplash“). Lemmy tönt wie gewohnt, mal kaputter („God Save The Queen“), mal gewöhnungsbedürftiger („Sympathy For The Devil“; bei RAINBOWs „Starstruck“ ist sogar Biff von SAXON am Mikro zu hören), aber immer aus whiskeygestählter, origineller Kehle. Die RAMONES-Connection („Rockaway Beach“) ist ohnehin altbekannt (R.A.M.O.N.E.S. von „1916“), ebenso die „METALLICA-Sache“, errangen MOTÖRHEAD 2005 doch ironischerweise für deren „Whiplash“-Cover einen Grammy. Ansonsten gibt es musikalisch recht konventionelle Kost (TWISTED SISTER, TED NUGENT etc.), die stilistisch den Interpretatoren entspricht.

Die Compilation umfasst einen Zeitraum von rund 23 Jahren, von 1992 („Cat Scratch Fever“ und „Hellraiser“ von „March Ör Die“) bis hin zu einer der letzten Songaufnahmen der Band (im Rahmen der Aufnahmen von „Bad Magic“ von 2015). Dieser Titel, DAVID BOWIEs „Heroes“, ist zudem auch der musikalisch Auffälligste und Ungewöhnlichste. Doch auch diesem genre-entfernteren Song wird von Phil, Mikkey und Lem in ihrem ureigenen Rhythmus und Vibe der MOTÖRHEAD-Stempel aufgedrückt. Ironischerweise folgte BOWIE Lemmy kurze Zeit später nach, sodass die beiden Ikonen den Song nun wohl im Duett im Rock n´ Roll-Himmel anstimmen können. „Under Cover“ macht nur als Zusammenfassung der Covers des (vornehmlich) letzten Wirkungsabschnitts von Lemmy (bis auf die oben genannten von 1992 stammen alle Covers aus der Zeit nach 2000) wegen der Verteilung der Titel auf diverse Tribute-Alben (JUDAS PRIEST, DIO, TWISTED SISTER) ein wenig Sinn.

Jeder Motorkopf wird aber ohnehin bereits sämtliche veröffentlichten Covers (außer dem einzigen wirklichen Anschaffungsgrund, nämlich „Heroes“) im heimischen Regal stehen haben, neue Fans werden hingegen andere Veröffentlichungen vorziehen. Dass die frühen Coverversionen fehlen, wird wohl monetären bzw. rechtlichen Gründen geschuldet sein, hätte aber zumindest die Cover-Schiene vervollständigt und die Sinnhaftigkeit der Veröffentlichung unterstrichen. Der Fan darf wohl schon zu sparen beginnen, wird wohl in Bälde das große Ausschlachten (Best Of, Live) des umfangreichen Vermächtnisses des großen Lemmy beginnen (bzw. seine Fortsetzung finden). Man darf nur hoffen, dass die Verwaltung des Nachlasses mit Respekt und würdevollem Umgang erfolgt sowie mit größtmöglichem Mehrwert für den Fan von statten geht.



Ohne Bewertung
Autor: Thomas Patsch (13.09.2017)

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