SPIRITUAL VOID - White Mountain

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VÖ: 02.09.2017
Bandinfo: SPIRITUAL VOID
Genre: Doom Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Es ist der menschlichen Existenz immanent, dass der Tod des Lebenden ständiger Begleiter und unausweichlich sein endgültiger Schlusspunkt ist – so sicher wie das Amen am Ende jeder Predigt, in welchen zumeist auch die Gnade eines göttlichen Wesens der persönlichen Wahl erbeten wird, um dem Exitus doch noch ein Schnippchen zu schlagen und im Paradies den Frohlockungen eines Garten Eden zu frönen, sich mit unzähligen Jungfrauen vergnügen zu dürfen, oder als höhere Existenz wiedergeboren zu werden. Doch gleichsam einem Gemälde von Thomas Cole wirkt auch der versprochene Garten Eden immer zu schön, aufgesetzt und perfektioniert, als dass er sich in die wahrhaftige Erfüllung ergießen würde, so lässt sich doch keine Gewissheit geben über das Ende, ausgenommen des Umstandes, dass die Würmer unser aller Fleisch von den Knochen nagen werden, während die Erinnerung an unser Wirken durch einen tristen Marmorblock, der unseren Namen trägt erhalten bleiben soll und doch langsam verblasst. Schon Horaz ermahnte in „An Leukonoë“ zu einem bedachten Umgang mit der uns zur Verfügung stehenden Zeit – „Carpe Diem!“ – was in Zeiten der Renaissance, unter dem Schatten des schwarzen Todes, der durch die Städte Europas gewütet hatte, als der Mensch seine Sterblichkeit noch vor Augen geführt bekam, wurde über die kulturelle und soziologische Entwicklung wieder verringert und doch hält sich bis heute die Faszination an der letzten großen Frage der Existenz, welche aus ihrer Unerklärlichkeit heraus alleine an Schwermut und Depression schöpfen kann – BLACK SABBATH nutzten das Motiv als die Urväter dessen, was in der künstlerischen Verarbeitung eines Endszenarios landläufig als „Doom“ bezeichnet wird als eine der ersten aus und erschafften somit einen Stil, der durch seine Behäbigkeit, Schwere und Verzweiflungsthematik dem Menschen nebst Unterhaltung unweigerlich den Spiegel der Vergänglichkeit vorhält.

Sterben werden auch die Priester von SPIRITUAL VOID irgendwann müssen (Sorry Jungs, thats life!), im Gegensatz zum Groß der humanoiden Säugetiere, die über die Erdoberfläche kreuchen und fleuchen, hinterlassen sie uns jedoch mit „White Mountain“ ein Erstlingswerk, das ihre Namen für Doom-Jünger, Kultisten und pyromanische Lavaenthusiasten in die Erinnerung einbrennen wird, noch lange nachdem, der letzte Wurm sich am Fleisch fettgefressen haben wird. Die bedrückende Schwere, welche sich in ihrer Langatmigkeit zur Trance emanzipieren darf, sich lyrisch in Dunkelheit verirrt und selbst im Stimmausdruck in den Untiefen der Seele nach versteckten Gedanken fischt, die einem nur in dunkelster Stunde emporsteigen, lässt den Hörer unweigerlich gefesselt versinken – SAINT VITUS waren einst die Vorreiter dieser großen Kunstform der malenden Zerstörung auf metaphorischer Ebene der inneren Gedankenwelt und Freud hätte bestimmt seine pure Freude gehabt an so viel träumerischer, mit Symbolik gespickter schlurfender Brutalität. SPIRITUAL VOID laufen keinem Trend nach, sie zwängen sich nicht in die Konformitäten eines Mainstream konformen, am Fließband produzierten Heavy-Metal-Begriffes und ziehen ihr Ding ohne Kompromisse durch – wenn auch logischerweise im gemächlichen Tempo eines Lilie-F65 intoxinierten Junkies, der gerade seine Cornflakes mit White-Russian zu sich nimmt, um morgens auf Touren zu kommen. Aber genau das hebt „White Mountain“ hervor: SPIRITUAL VOID gelingt das Kunststück, nicht nur Musik zu verkaufen, sondern ein Feeling zu transportieren, dessen sich der Hörer nicht entziehen kann! 40 Minuten und nur vier Songs, welche einen zu jeder Minute nahezu fast so unweigerlich hinabziehen in den Abgrund, wie es einst nur das übermächtige „Nightfall“ schaffte und somit darf sich „White Mountain“ mehr als nur ein deftiges Schmankerl schimpfen - Doom or be doomed! Woody Allen würde wohl nun vermerken: „Die Ewigkeit dauert lange, besonders gegen Ende hin!“



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Laichster (16.09.2017)

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