BLAZING RUST - Armed to exist

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VÖ: 28.07.2017
Bandinfo: BLAZING RUST
Genre: Heavy Metal
Label: Pure Steel Records
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Lineup  |  Trackliste

Auch im Jahre 2017 genießt eine Russische Metal Band nach wie vor Exotenstatus. Auch wenn PUSSY RIOT weltweit einen hohen Bekanntheitsstatus erreicht haben (ohne jemals einen Song veröffentlicht zu haben), so ist harte, rebellische Musik aus dem Land der Zaren immer noch rar gesät. Wenige Bands, nennen wir mal ARKONA als Beispiel, erreichen international auch musikalisch einen großen Bekanntheitsstatus. Der PUSSY RIOT Seitenhieb ist hier auch nicht als bloßer Sarkasmus zu verstehen, er birgt noch immer die Ursache des Problems: Rock, Punk und Metal sind noch immer Ausdruck musikalischer Freigeister, und die sind in Russland auch heuer nicht gerne gesehen. Das hindert fünf Jungs aus St. Petersburg dennoch nicht daran, selbst aktiv zu werden. Gegründet im Jahre 2014 erreicht uns nun das Debütalbum von BLAZING RUST, betitelt "Armed To Exist". So wie der Albumtitel ist auch der Rest der Platte durchaus wortgewandt und kritisch verfasst, was die Qualität des Releases aber weder schmälert noch steigert. So muss man ganz unabhängig von geographischer und politischer Herkunft anerkennen, dass "Armed To Exist" ein fantastisches Heavy Metal Album ist.

Als erstes vorweg: BLAZING RUST klingen nicht nach Russland. Hier gibt es keine Schunkelklänge, keine Vodka-Hymnen, keine Rahmenbeschallung fürs nächste Gelage. Nicht mal am Sänger erkennt man auch nur den geringsten Akzent. Igor Arbuzov schmettert Hook nach Hook im astreinen Englisch. Und singen kann er auch noch. Seine glockenklare Stimme, welche glücklicherweise nur akzentuiert in KING DIAMOND Screams abdriftet, ist mit eines der Aushängeschilder des Albums und zugleich der Band. Stellt euch einen jungen Joachim Cans vor und addiert Ausdrucksstärke, Kratzigkeit und Power und ihr habt eine Vorstellung von der fantastischen Gesangsleistung Arbuzovs. Aber auch die musikalische Abteilung überzeugt. BLAZING RUST spielen ganz klassischen, old-schooligen Heavy Metal, welcher dennoch zeitgemäß und nicht gekünstelt "retro" klingt. Da haben wir ein bisschen SAXON im Opener namens "Hellbringer" und einen simplen, aber schön eingängigen Refrain. Dazu schiebende, nachvollziehbare, aber auch nicht zu ausgewaschene Gitarrenriffs. Die Harmoniearbeit von Serg Ivanof und Roman Dovzhenko erinnert an ganz frühe MAIDEN, ist allerdings sehr einfach und songdienlich gehalten. Nicht als Kritik gemeint, sondern kompositorisch nicht zu überladen und verfrickelt, also durchaus erfrischend. Die Einflüsse der St. Petersburger gehen allerdings weiter in der Zeit zurück als nur zur NWoBHM, auch DEEP PURPLE und RAINBOW stehen ideengebend Pate, fließen dabei aber ganz beschwingt und nachvollziehbar ins Soundgerüst mit ein. Zu Hören in der Bandhymne mit seinem Triolenbeat à la "Long Live Rock'n'Roll" oder im bluesig jazzigen Mittelpart zu "Blindfold" inklusive Hammond Orgel. "Almighty Lord" zeigt die Band etwas vertrackter und progressiver, aber nicht minder hochwertig. Mit "Witch" gibt es ein schönes kleines Epos, welches auf einem simplen Slow Tempo Riff aufbaut, aber sich nach und nach steigert, bevor der C-Teil abrubt und unerwartet nach vorne knallt. Da ist es auch zu verschmerzen, dass die beiden letzten Stücke "Time Of The Brave" und "Under The Spell" etwas abflachen.

Fazit: Guter Einstieg einer Band, die nicht nur durch ihre Herkunft, sondern auch durch ihr Songwriting und ihre Performance durchweg überzeugt. Für alle NWoBHM Freaks herrscht Reinhörpflicht!



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (29.09.2017)

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