SHYLMAGOGHNAR - Emergence

Artikel-Bild
VÖ: 27.02.2014
Bandinfo: SHYLMAGOGHNAR
Genre: Atmospheric Black Metal
Label: Eigenproduktion
Hören & Kaufen: Webshop
Lineup  |  Trackliste

Als Musikrezensent fühlt man sich bisweilen ein wenig entwurzelt. Die Profession bringt es mit sich, dass man sich zu den wenigen, privilegierten Leuten zählen kann, die viele Alben bereits vor Veröffentlichung hören können. Doch da das Releasekarussel nicht stillsteht und sich immer weiter dreht, wird das eine immer wieder von etwas Anderem ersetzt – was mitunter darin endet, dass Scheiben, die gerade erst beim Konsumenten angekommen sind, sich auf dem Plattenteller des Rezensenten schon totgenudelt haben, da schon wieder frisches Material Aufmerksamkeit fordert. In dieser Situation des stetigen Flusses an neuer Musik die in dieser Position zwangsläufig auf einen einprasselt, kommt aber jenen Alben die sich in dieser schnelllebigen, stehts den neuen Dingen hinterherhechelnden Sparte längerfristig durchsetzen können, besondere Bedeutung zu.

Eines jener Alben, die sich so nachhaltig im Gedächtnis des Rezensenten festgefressen haben, das ist „Emergence“ von SHYLMAGOGHNAR. Bereits im Februar 2014 (!) veröffentlicht, begeisterte der Rundling den Rezensenten vom Fleck weg und blieb von da an gern gesehener Dauergast in der heimischen Anlage, sowohl als Soundtrack für stundenlange Schreibexzesse, als auch als Begleiter auf langen Autofahrten.

Was aber macht ein Album so besonders, dass es einen über Jahre hinweg nicht loszulassen vermag und dabei keinen Funken seiner Faszination verliert? Wenn das so einfach zu beantworten wäre, dann wären Dekaden an hitzigster Diskussionen mit einem Schlag sinnlos geworden. Denn Musik transportiert vor allem eines: Emotion. Und genau hier sind wir an dem Punkt angelangt: Denn hier betreten wir eine dergestalt vielfältige Ebene, auf der wirklich jeder anders reagiert, wo jeder auf andere Weise erreicht werden kann. Deshalb sind Kritiken letztendlich, trotz aller nüchternen Fakten, noch immer zutiefst subjektiv und vom persönlichen Empfinden und Geschmack des Rezensenten geprägt.

Im Falle von SHYLMAGOGHNAR wird der Hörer bereits mit dem ausladenden, sphärischen Opener „I Am The Abyss“ abgeholt. Beinahe neun Minuten instrumentaler Kunst, die mit wiederkehrenden Mustern spielt und dabei einen erhabenen Klangteppich ausbreitet, dessen melodische Spannungsbögen gelegentlich an den Synthie-Pionier VANGELIS erinnern. Elegische schwarzmetallische Gitarrenläufe im Titeltrack „Emergence“ stoßen das Tor zu finsteren Dimensionen auf, in denen bitterböse Vocals die Grenze zum Verderben ausloten. „This World Shall Fall“ präsentiert sich im Gegenteil dazu träumerisch, streckenweise reduziert und gesanglich mehr im Death-Universum angesiedelt. Durch den sphärischen Klangteppich der in diesem Titel ausgebreitet wird, fungiert dieser fast wie eine Interlude. Mit schwermütigen Gitarren geht es im teils schleppenden „Squattered Paradise“ wieder zurück ins schwermetallische Universum.

„Eternal Forest“ schlägt dann die Brücke zurück zum Auftaktstück, spinnt das Muster weiter, erweitert es um Nuancen und führt den Spannungsbogen mit einem beruhigten Outro klar zu Ende. Umso mehr Kraft entfaltet das folgende „The Cosmic Tide“ mit seinem rasenden Beginn, und wenn sich in der Folge die wiederkehrenden Elemente zu einem weiteren instrumentalen Monumentaltitel verbinden, dann können dem Hörer schon einmal die Tränen in die Augen schießen. SHYLMAGOGHNAR verweben in die epischen Titel gerade so viel Progressivität wie notwendig ist, um die Achterbahnfart der Emotionen zu versinnbildlichen, doch wenig genug, um sich nicht in sich selbst zu verstricken. Eindringliche Sprechpassagen in „A New Dawn“ lassen die Nackenhaare zu Berge stehen. Große Melodiebögen, rasende Gitarrenfahrten und derbes Growling verbinden sich im wahnhaften Musikkosmos zum ultimativen Fiebertraum, der dann mit dem raumgreifenden Abschlussstück „The Sun No Longer“ seinen würdigen Abschluss in einem ruhigen, atmosphärischen Instrumentalstück findet, das die Wogen der aufgewühlten Gefühle sich glätten lässt und den Hörer sanft aber bestimmt wieder zurück in die Wirklichkeit geleitet.

Kaum zu glauben, doch hinter diesem komplexen Klangkosmos stehen nur zwei Holländer, die das gesamte Album in Eigenregie eingespielt, produziert und schlussendlich auch via Bandcamp auf den Markt gebracht haben. In „Emergence“ steckt so viel Herzblut, dass man es aus jeder einzelnen Note heraushören kann. Ein Album, an dem man beim besten Willen nichts finden kann, das man kritisieren könnte. Denn es funktioniert auf keiner rationalen Ebene, sondern auf einer zutiefst emotionalen Schiene und ist dabei in der Lage, den Hörer vollkommen Genreunabhängig zu fesseln. Wenn VANGELIS auf Extreme Metal treffen würde, dann kommt SHYLMAGOGHNAR heraus und ein tiefgründiges, emotionales Meisterwerk, das berührt und bewegt. Dafür gibt es persönliche und höchst subjektive fünf Punkte, für ein Album von absoluter Perfektion.

P.S.: Ihr werdet euch nun zu Recht fragen, warum zur Hölle schreibt man mehr als drei Jahre nach dem Release eines Albums ein Review? Nun, das hat zum einen den Grund, dass SHYLMAGOGHNAR gerade mitten in den Arbeiten an einem neuen Album stecken, als auch, dass die besagte hier ausführlich besprochene Scheibe in Kürze, genauer gesagt am 20. Oktober, als Re-Release in einer schicken, limitierten LP-Version bei Napalm Records erscheinen wird. Holt sie euch, ihr habt meinen Segen...

 



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Anthalerero (20.10.2017)

WERBUNG: Hard
WERBUNG: Rockhouse Bar