LEPROUS - Malina

Artikel-Bild
VÖ: 25.08.2017
Bandinfo: LEPROUS
Genre: Progressive Metal
Label: Inside Out Music
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Die ersten Sekunden von „Malina” sind zunächst verwirrend – ist hier ein Jazz-Album auf meinem Schreibtisch gelandet, oder sind LEPROUS von Prog Metal auf Lounge Jazz umgestiegen (damit verdient man vielleicht besser…)?
 

Die Verwirrung legt sich aber sobald Einar Solbergs Stimme einsetzt – das sind LEPROUS, aber so sanft und verletzlich wie noch nie. Und der erste Gänsehaut-Moment ist dann nach knapp einer Minute da, wenn der Refrain von „Bonneville“ einsetzt. Ganz so zart geht es aber nicht weiter, in der Mitte des Tracks kracht es dann schon wieder, wie man es vom Vorgänger „The Congregation“ kennt. Mächtige Drums mischen sich mit den Vocals und den auf „Malina“ breit eingesetzten Streicher-Sounds. Und wenn dann der Refrain in gesteigerter Intensität wiederkommt, weiß man schon, dass „Malina“ ein Kracher wird.
 

Auch „Stuck“ fängt noch leicht verhalten an, mit viel Platz für die Stimme und geschrammelter Gitarre im Hintergrund, bevor die LEPROUS-typischen vertrackten Grooves einsetzen. Gewohnt verträumt-düster sind auch wieder die Lyrics („I am stuck on mountains / mountains of doubt“).
 

„From The Flame“ startet mit dem, was fast jeden LEPROUS-Song so herausragend macht: Mit dem unglaublich eindringlichen Refrain. Der Track ist trotz immer wieder vorkommender Keyboard-Parts eher alternativ-rockig angehaucht, so wie auch „Mirage“. Das Doppelpack aus „Captive“ und „Illuminate“ kommt stilistisch „The Congregation“ am nächsten, mit mehr Fokus auf Riffs und Rhythmus und unglaublich zwingendem Groove.

Nach einer eher ruhigen Phase mit „Leashes“ und „Mirage“ kommt der Titeltrack, der wie „Bonneville“ sehr reduziert und verletzlich klingt, denn die Vocals werden oft nur von minimalen Keyboard-Sounds und von Streichern begleitet. „Coma“ ist alles andere als komatös, im Gegenteil – wie LEPROUS hier verrückte Synth-Parts mit einem Höllen-Groove und einem eingängigen Refrain mischen, ist schon sensationell. Und wenn es dann nach „The Weight Of Disaster“ (das zwischen heftigen und ruhigen Parts wechselt und so das Album ganz gut zusammenfasst) bei „The Last Milestone“ fast sakral wird, ist das nur noch zum Niederknien.
 

Stilistisch ist „Malina“ sicherlich deutlich sanfter als „The Congregation“ geworden (mehr MUSE als Metal, könnte man sagen) – wobei das allerdings fast die logische Folge ist, wenn man sich die Entwicklung seit dem Erstling „Tall Poppy Syndrome“ ansieht. Von der anfänglichen Wut und Härte der Frühzeit (sieh auch „Bilateral“ oder „Coal“) ist wenig geblieben, auch LEPROUS selbst definieren sich mittlerweile mehr als Rock- als Metalband. Aber egal in was für eine Schublade man LEPROUS steckt, sie machen einfach hervorragende Musik. Und wenn es bei „The Weight Of Disaster“ heißt: „pray / to the master“, dann kann man das auch auf LEPROUS beziehen, denn Meister sind die Norweger ganz sicher.

 

 



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Luka (09.10.2017)

WERBUNG: Leprous – Pitfalls
ANZEIGE
WERBUNG: Escape
ANZEIGE