NINO HELFRICH - Hourglass

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VÖ: 01.09.2017
Bandinfo: NINO HELFRICH
Genre: Modern Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Dass die Optik in der Musik auch manchmal eine Rolle spielt, ist ja unumstritten – vor allem bei der holden Weiblichkeit. In meinem Fall waren es aber nicht besonders headbangfähige Herrschaften, die mich neugierig gemacht haben, sondern ein Album-Cover. Eine übergroße Sanduhr am Meer im Sonnenuntergang, darin eine nicht näher definierte weibliche Person, der wohl so langsam die Zeit davon rennt, obwohl sie sich recht entspannt gebart. Es war dieses stimmige Bild, das mich kurz innehalten ließ, um mich an eine Hörprobe zu wagen. Aber nichts war hier mit sanften Klängen. Die Gischt eines ziemlich starken Sounds kam mir entgegen gebrettert. Also nichts wie an die Arbeit. Diese Scheibe musste einfach zerpflückt werden. 

Dass NINO HELFRICH weiß, was eine Gitarre musikalisch alles drauf hat und wie man eine bestimmte Genre-Lastigkeit einfach aufhebt, bewies er schon auf seinem Debut „Dead Bodies In Motion“, das 2016 losgelassen wurde. Virtuose Klanggewitter, ohne dabei bombastisch oder niederschmetternd zu wirken, definieren das Programm, dessen Helfrich sich bedient. Melodische Parts lösen druckvoll-treibenden Speed ab, ohne dass die Songs zu musikalischen Schachtelsätzen werden. Die Elemente greifen perfekt ineinander über und gestalten ein stimmiges und spannendes Metal-Erlebnis zwischen virtuosem Gitarrenspiel und eingängigem, kraftvollem Metal. 

Durchgehend instrumental auf seinem Debut „Dead Bodies in Motion“, setzt NINO HELFRICH nun auf seinem Zweitling „Hourglass“ auf prominente Verstärkung am Mikro. Björn Strid von SOILWORK (der den Löwenanteil von vier Songs eingeheimst hat), Chris Clancy von MUTINY WITHIN und WEARING SCARS und Christoph Wieczorek von ANNISOKAY leihen dem Gitarren-Virtuosen und Einzelkämpfer ihre Stimmen. Genialer Nebeneffekt: Mit dem Stimmbild der Sänger steht und fällt auch die Genre-Beugung weitestgehend. Wo die Songs mit Björn Strid einen wuchtigen und leicht brachial angehauchten Anstrich bekommen, bei Chris Clancy eine kraftvolle Metalwalze über alles hinwegrollt, bedient man sich bei Christoph Wieczoreks Beitrag „Let me sleep“ einer Art sanfterem melodischem Metal. Trotz aller Grenzüberschreitungen findet man hier aber definitiv kein zusammengestückeltes Album aus vereinzelt herumflatternden Songs vor. Wo die Sänger die Gangart bestimmen, bleibt die instrumentale Konstante mit treibenden Riffs und melodischen Soli stets dieselbe und hält die Scheibe akustisch zusammen. Das abwechslungsreiche Gesamtwerk funktioniert! 

Acht Tracks, jeder für sich eigenständig und spannend komponiert, stehen auf „Hourglass“ für den Hörer bereit. Darunter die wuchtigen, schwermetallischen „Pull the trigger“ und „Day of Reckoning“, das sanftere und melodischere „Let me sleep“ oder meine beiden persönlichen Favouriten „Hourglass“ und „Apocalypse Inside“. Wie man es dreht und wendet, die Scheibe gestaltet sich als großer Spaßfaktor und ist definitiv ein Hörerlebnis, ohne sich über Genres zu definieren. (Und nebenbei erwähnt: Wem der Spaß hier zusagt, dem sei der Erstling „Dead Bodies in Motion“ ebenfalls wärmstens ans Herz gelegt). 



 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lisi Ruetz (13.10.2017)

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