VHÄLDEMAR - Against All Kings

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VÖ: 07.11.2017
Bandinfo: VHÄLDEMAR
Genre: Power Metal
Label: Fighter Records
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Lineup  |  Trackliste

Die Raben kreisten am Himmel, während mein Blick über das mit Leichen übersäte Schlachtfeld glitt. Mochten sich die Walküren aussuchen, wen sie als tapfer genug erachteten, um nach Walhalla geleitet zu werden, sollten sich Odins Boten doch an den Hingeschlachteten laben und satt fressen - mich kümmerte es nicht.

Ich senkte mein bluttriefendes Schwert und sah ermattet in den Himmel: Die Götter setzten als Zeichen ihres Zorns über meinen Sieg den Abendhimmel in Brand. Sollten sie mir ruhig zürnen, auch das ward mir einerlei: Nicht die Götter Walhallas hatten mir Beistand geleistet, sondern fremde Götter aus dem Lande der Iberer hatten mir mit aufputschenden Kriegshymnen Stärke in der Stunde der Bewährung geschenkt und mich zum Siege geführt.

In Dankbarkeit erhob ich mein Schwert. "VHÄLDEMAAAAR" schrie ich in epischer Heldenpose gen Himmel, so dass Odins Boten aufschreckten und das Weite suchten, "VHÄLDEMAAAAR!".

Ich breitete meine Arme aus und bot VHÄLDEMAR die Toten als Opfergabe dar. Behutsam legte ich mein Schwert, das mir so treue Dienste geleistet hatte, auf den Boden, beugte in Demut meine Knie und senkte mein müdes Haupt, ein Dankesgebet auf den Lippen. 

"Ihr Götter aus dem Land, in dem die Orangen wachsen, die ihr mich, einen unwürdigen Krieger aus dem Clan der Stormbringer, mit Euren harten, aber mitreißend melodiösen Kriegshymnen berauscht und gestärkt habt, ich danke Euch!" begann ich VHÄLDEMAR in Gedanken versunken zu lobpreisen.

Ich dankte ihnen für die schweißtreibenden Riffs, die mich im Kampfe gnadenlos vorwärts getrieben hatten, für die exzellenten Drums, die den Paukenschlägern meiner Gegner die Farbe aus ihren widerwärtigen Fratzen entweichen ließ und für den Herold, der die Botschaften dieser Götter so trefflich, kraftvoll und energetisch vortrug, sich die Seele aus dem Leibe sang, schrie und mich all der Schmerzen entrückte.

Ich hoffte, in fernen Zeiten würde "Against All Kings" als kraftvoller Powermetal/Heavy Metal-Mix gehuldigt werden. Geradliniges Liedgut, ohne gekünstelt wirkende Strukturen: Hart, schnell und durchgehend packend, geradezu hypnotisierend. Trotz hymnischer Momente straight in your face-VHÄLDEMAR bolzen sich fernab verkitschten, Einhorn jagenden und Jungfrauen schützenden (oder doch umgekehrt?) Powermetal-Reckentums durch das Metal-Dickicht. Ob etwas speediger  (zbp. "Old King´s Vision - Part V") angelegt, oder mit gruseligem Babygeschrei, unterlegt mit unheilvoll klingendem Keyboard und Manowar-Momenten ("The Last To Die"): Die Ohrwurmverdächtigen Refrains, melodischen Riffs und verspielten Soli sollten auch in kommenden Generationen Krieger zum Siege führen, wünschte ich mir.                         

"Against All Kings" klingt wie aus einem Guss gegossen, ein ehern-metallisches Manifest des Powermetals, würdig mehrerer aufeinander folgender Durchgänge. Nicht eine Sekunde der Langeweile unterbricht den massiven Strom aus manchmal an frühe ACCEPT, bzw. U.D.O. erinnernde Gitarrenriffs. VHÄLDEMAR schenken nur einmal, mit dem kurzen Instrumentalstück "Volcano", einen Moment des Verweilens in Ruhe, bevor es mit dem majestätisch-epischen Anfangsriff zu "Howling At The Moon", sowie perlendem Keyboard und aufjaulender Leadgitarre wieder zur Sache geht.
"Titans In D Minor",  ein kurzes Instrumentalstück, kreiert aus traurig-melancholischen Piano-Klängen und etwas epischer, wirbelnder Gitarre mit leichtem RAINBOW-Feeling (die Götter sandten mir eine Assoziation zu RAINBOWs vergleichsweise verweichlichtem "Weißheim" - warum auch immer, die Wege der Herrn sind unergründlich), beendet das vor Testosteron strotzende Werk "Against All Kings".

Ich schloss meine Augen, "Metal is my home, I am here, and I´m against all kings", sang ich leise.  

In einer Vision sah ich einen Mann in einem Raum, angefüllt mit Kriegsbeute, an einem Tisch sitzen und die Kunde meiner Taten auf einer Art weißen Papyrus niederschreiben. Halbnackte Nubierinnen fächelten dem Mann mit breiten Palmblättern erquickende Luft zu, während aus den Kellern seines Heimes Peitschenhiebe und irres weibliches Gelächter drangen.

In diesem Moment erleuchteten mich die Götter und ich erkannte, dass mein Wunsch gewährt wurde: Zukünftige Generationen würden die Geschichte meiner Heldentat weitergeben, dem Nachwuchs ein leuchtendes Beispiel, den Feinden ein Gräuel. In Massen würde man VHÄLDEMAR huldigen, die aus ihren jenseitigen Hallen herab gestiegen waren und sich auf großen Bühnen versammelt hatten, ihre Kriegshymnen würden bis ans Ende aller Zeiten erklingen.

Als ich mich erhob, sah ich aus den Augenwinkeln schemenhaft eine Gestalt näher kommen: Ein Krieger schien von den Toten auferstanden zu sein. Ich ergriff mein Schwert, wandte mich der Gestalt zu - und erkannte ein Weib. 

"Geht´s dir eh gut?" erkundigte es sich. 
"Weib, was scheret Euch mein Befinden in der Stunde meines Sieges?" erwiderte ich.  

Das Weib sah mich amüsiert an und schüttelte leicht den Kopf.  

"Ach, Wolfi. Zieh´ dir etwas an, du verkühlst dich noch. Du bist von der Arbeit ganz verschwitzt. Hast aber schön gemacht".

Verkühlen? Arbeit? Schön gemacht?  Ich sah mich verwirrt um. Wo eben noch die Leichen der getöteten Krieger und Könige lagen, breiteten sich gemähtes Gras und Unkraut aus. Ich sah auf mein Schwert und erkannte einen Rechen. 

"Welch böser Zauber ist hier am Werke?", dachte ich grimmig und streckte dem Weibe trotzig meinen Rechen entgegen: "Against All Kings!" 

Meine Lungen füllten sich mit Luft und ich begann zu singen:

 

 

"Geh in´s Haus, Wolfi. Wenn du etwas brauchst, komm rüber, dafür sind Nachbarn da". 
Mit diesen Worten unterbrach das Weib, das mir weder Wein, Met, noch Gebackenes zur Stärkung gebracht hatte, meinen epischen Gesang. Das ignorante Weib drehte mir ihren Rücken zu und ließ mich in der Einsamkeit des Triumphes zurück.

Ich ging zur Eingangstür meiner Behausung und drehte mich noch einmal um: Der Garten war tatsächlich schön geworden.

Und was VHÄLDEMAR betrifft: Götter leben ewig. Mögen sie die kommenden Generationen von Sieg zu Sieg führen und Helden in der Stunde der Schwäche mit genialen Gitarrenriffs und Soli, treibenden Drums und einem Sänger in Höchstform Kraft verleihen.

In alle Ewigkeit: Hail VHÄLDEMAR, Against All Kings!!

https://www.facebook.com/VhaldemarOficial/

P.s.: Dem tapferen Weibe in meiner Nachbarschaft gewidmet, das mir in Stunden der Herausforderung hilfreich zur Seite stand. Mögen die Blicke VHÄLDEMARs wohlwollend auf ihr und ihrem Familienclan ruhen.

[Anm. d. Red.: Wir werden die Medikamentendosis prüfen und gegebenenfalls anpassen.]



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Wolfgang Milchrahm (03.11.2017)

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