THEN COMES SILENCE - Blood

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VÖ: 20.10.2017
Bandinfo: THEN COMES SILENCE
Genre: Gothic Rock
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

Ist Post-Punk, Gothic Rock, Death Rock (oder wie auch immer man das gerne betiteln möchte) das nächste große Ding im düsteren Dunstkreis freimütiger Metal- und Rockfans, oder ist dieser Trend nur ein temporärer? Eine klare Antwort kann man auf diese Fragestellung wohl nicht finden, Fakt ist aber, dass BEASTMILK (heute GRAVE PLEASURES) mit "Climax" nicht einfach nur ein überraschendes Meisterwerk publiziert haben, sondern dieser fantastischen Nischenmusik um Bands wie SHE PAST AWAY, SOVIET SOVIET und LEBANON HANOVER - von den Legenden ganz zu schweigen - auch eine größere Plattform ermöglicht haben, die zuletzt auch SOLOR DOLOROSA mit "Apollo", und natürlich GRAVE PLEASURES selbst mit "Motherblood", mustergültig genutzt haben. Stilistisch irgendwo dazwischen und doch woanders, drängeln sich dieser Tage THEN COMES SILENCE aus Schweden durch die Menge und konnten mit ihrem bisherigen Material offenbar so sehr überzeugen, dass ihr viertes Album "Blood" nun von Nuclear Blast herausgegeben wird.

Und die Stockholmer wissen durchaus, wie sie sich inszenieren müssen, um die Aufmerksamkeit von Freaks à la le me auf sich zu fokussieren. Was man positiv vermerken kann, ist ihre eigene Methodik, mit der sie diesen Stil interpretieren, weswegen einen kein Klon oben genannter Bands erwartet, sondern eher ein Stilmix, der schon im stoischen Einstieg "The Dead Cry For No One" eine deutlich psychedelisch-hypnotische Note erhält. Neben diesem und den ebenfalls eingängigen "Strange Kicks" und "Warm Like Blood" (BAUHAUS bestellen ihre Grüße), in denen Sänger Alex Svenson seinen ganzen lasziv-finsteren Charme offenlegen kann, fehlt es "Blood" allerdings an weiteren echten Höhepunkten und so finden sich viele Songs ("Flashing Pans Of Love", "Good Friday" und "Mercury" bspw.) an der Schwelle von "ganz ordentlich" zu "richtig gut" wieder, können diese allerdings nicht überschreiten.

Das Problem von THEN COMES SILENCE scheint dabei zu sein, dass der Instrumentierung oftmals der entscheidende Funke, das letzte Quäntchen abgeht, um den eigenwilligen Sound vollends zu entfachen - und sich die Atmosphäre sowie das Ohrwurmpotenzial dadurch nicht so recht, bzw. nur spärlich entfalten können, wodurch man nicht selten denkt, dass eine (größere) EP vollkommen ausgereicht hätte. Addiert man zu den genannten Höhepunkten nämlich noch das stark an DEATH IN JUNE erinnernde "Choose Your Poison" hinzu, hätte das ein äußerst überzeugender Mini-Release sein können. Nicht falsch verstehen: "Blood" ist durchaus solide und hat seine Momente. Nur werden die als gut erkennbaren, eigenständigen Ideen oftmals nicht hinreichend zu Ende gedacht, weswegen sich auch die Growertauglichkeit bis zum Zeitpunkt dieser Rezension stark in Grenzen hielt und jeglicher Aufwand für mehr zur vergeblichen Liebesmüh verwitterte. Und da das Genre, in dem sich THEN COMES SILENCE bewegen, ohnehin noch nicht so überflutet ist (so wird es vorraussichtlich aber kommen), fällt einem die Entscheidungsfindung im Jahre 2017 sehr einfach: "Motherblood" von GRAVE PLEASURES, "Apollo" von SOROR DOLOROSA und "In No Good Hand" von HELLO BLACK HOLE unbedingt eintüten, bei "Blood" von THEN COMES SILENCE auf eine Preisreduzierung warten und dann mit der mühsamen Bildhauerei beginnen - vielleicht wird für den ein oder anderen ja doch noch eine attraktive Skulptur daraus.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (19.10.2017)

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