FOZZY - Judas

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VÖ: 13.10.2017
Bandinfo: FOZZY
Genre: Modern Metal
Label: Century Media Records
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Wrestling und Metal gehören zwar bei weitem nicht (mehr) so zusammen, wie das Promoter und Labels gerne mal behaupten, aber zumindest im Jahre 2017 wird die Anhängerschaft modernen Metals um einen Namen nicht herumkommen: WWE Superstar Chris Jericho und seine Band FOZZY. Diese hatten Anfang des Jahres einen Videoclip zum Titelstück des nun aktuellen Albums "Judas" online gestellt, welcher im Laufe des Sommers über sieben Millionen Clicks und eine Menge Lob und Publicity einfahren konnte. Jetzt endlich ist das vollständige Album erhältlich und es muss sich mit der unglaublich erfolgreichen Single messen. Kann es das? Ja, das kann es!

Für die nicht Wrestling-Affinen unter euch ein kurzer Umriss der Person Chris Jericho: Jericho ist seit den 90ern erfolgreich in den wichtigsten Ligen des Sports-Entertainments unterwegs, früher WCW, später WWF, die heutige WWE. Er zeichnet sich neben spektakulären Moves durch seine überhöhte Persönlichkeit aus. So war es mit Gründung der Band FOZZY im Jahre 1999 gar nicht klar, welches Ziel Jericho verfolgte: Ernsthaftes musikalisches Interesse oder medienübergreifende Stilisierung seiner In-Ring Persönlichkeit, sprich Gimmick? Die Tatsache, dass auf den ersten zwei Alben mehrheitlich Coverversionen auftauchen mag für Letzteres sprechen, doch spätestens seit diesem Jahrzehnt ist klar, Jericho kann auch Songs schreiben, und zwar gute.
 
"Judas" sollte nun das entgültige Sprungbrett in die Metalszene sein, so viel Qualität darf dem Album zugesprochen werden. Natürlich startet das Titelstück das Album und holt den Hörer mit dem Überhit ab, welcher das ganze Jahr in aller Munde war. Aber auch das spätere "Painless" liegt auf dem selben, hohen Niveau. Auch wenn sich beide Stücke sehr ähneln, sind beide Songs so effektiv konzipiert, dass sie direkt ins Blut übergehen. Die zweite Single "Drinking With Jesus" zeigt sich dynamischer und variabler, veredelt mit einem tollen Gitarrensolo von Rich Ward (STUCK MOJO). "Weight Of My World" zeigt die Band modern und elektronisch, aber auf ähnlich durchschlagender Ebene wie die bereits genannten Hits. Die Halbballade "Wordsworth Way" transferiert Emotionen, ohne kitschig zu sein, der Nu-Metal Kracher "Three Days In Jail" inkludiert Hip Hop Elemente, ohne lächerlich zu wirken. So geht zielgerichtetes Songwriting. Wem das zu wenig metallisch ist, der freut sich über den Nackenbrecher "Wolves At Bay" mit seinem Riff irgendwo zwischen Thrash Metal und MOTÖRHEAD. Knaller!

Dass sich einige wenige Filler wie "Elevator" oder "Capsized" auf "Judas" wiederfinden, wäre an sich nicht schlimm, wäre das Album nicht ausschließlich auf Überhits getrimmt. Wenn FOZZY schwächeln, dann hier. Zwar sind auch diese Songs nicht misslungen, können aber das hohe Niveau der restlichen Stücke nicht halten.

Fazit: Der letzte, sensationelle WWE-Run mag zwar den Erfolg von "Judas" angestachelt haben. Aber auch ohne Wrestling-Affinität funktioniert das Album als modernes, zackiges und Hit-Orientiertes Modern Metal Album auf fast allen Ebenen. Und an alle, denen "Judas" nicht gefällt: "You just made the LIST!!!"
 


Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (31.10.2017)

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