ANTI-FLAG - American Fall

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VÖ: 03.11.2017
Bandinfo: ANTI-FLAG
Genre: Punk
Label: Spinefarm Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

ANTI-FLAG gibt es auch schon wieder seit ewig und selten gab es seit dem Krieg ein Jahr, zu dem ein Album wie "American Fall" besser passt als 2017. Der "fat fanta-faced fascist" hat das einstige Traumland, das die meisten zumindest irgendwann einmal bereisen wollten, in eine prä-apokalyptisches Fiasko verwandelt. Die Blaupause aller Populisten hat das gemacht, was hierzulande schon seit dem legendären Innsbruck-Putsch 1986 von mindestens einem Viertel der hiesigen Staatsbelegschaft gutgeheißen, ja nahezu herbeigesehnt wird. 2017 ist das Jahr in dem man von Untergrundmusikern mit Klarnamen in aller Öffentlichkeit bedroht wird. Das alles unter dem Deckmantel der Rede- und Meinungsfreiheit, obschon klarerweise die Freiheit nur für die Apologeten der Hetzer gilt. Das ist dann wohl die Freiheit, die sie meinen, um den Vater aller Ratten zu zitieren. 

ANTI-FLAG sind nicht mehr ganz so kantig wie einst, ihre wahre Stärke lag aber immer in den unglaublichen Melodien. Dieser Mischung aus THE CLASH und der Lockerheit der SoCal-Punk-Szene. Meterdick produziert und voller betroffen machender Texte. Diese Ambivalenz zwischen der fast fröhlichen Musik und den sozialkritischen Lyrics (kann sich noch einer der -drassills, -ulvs und -sons aus der südsteirischen Weingegend oder aus Graz erinnern, dass es Zeiten gab, die nicht auf dem Einschüchtern der Anderen aufbauten, sondern aus der kritischen Auseinandersetzung mit dem Anderen dem mitunter auch Fremden?), diese Ambivalenz eben ist seit 1993 das, was diese Band ausmacht. Die Ska-Einflüsse dazu und schon rockten die Jungs aus Pittsburgh die Häuser.

"If they come for you in the night, they will come for me in the morning" ("When The Wall Falls")

 

In Zeiten, in denen ohne Genierer von "versifften linken Jugendzentren" gesprochen wird und in denen sich gleich aussehende junge Menschen mit gescheiteltem Haar nach erfolgreicher Erstürmung von autonomen Veranstalungsorten stolz auf Facebook mit Foto abbilden lassen, ist so ein Album, wenn nicht nur wichtig, sondern zumindest ein Zeichen, dass es nicht nur Menschen gibt die diesem schlagenden, hetzenden Vollholler folgen.

Klar, die Zeiten sind bitter, die Medien tun das ihre dazu (kann man mir erklären, warum es in diesem Land noch immer eine offen hetzende Tageszeitung gibt, die von über einer Million Menschen netto abonniert wird, oder dass ein ehemaliger Chefredakteur rechtskatholischer Zeitungen allen ernstes sagen darf, dass er zusammen mit einem der wenigen österreichischen Multimilliardäre ein Webportal plant, um die tatsächliche Wahrheit verbreiten zu können? Kann mir das irgendjemand erklären? ), aber Bands wie ANTI-FLAG machen das beste daraus, nämlich eines ihrer besten Alben überhaupt.

Hart, zeitweise fast schon metallisch heavy, mit Melodien, deren Texte man nach dem ersten Hören nicht mehr aus dem Kopf bekommt. 

 

 

"This Machine kills Facism" hat WOODIE GUTHRIE auf seiner Gitarre aufgeklebt. Ich glaube nicht, dass es derzeit klug wäre, in manchen südösterreichischen Gegenden mit einer solchen Gitarre nachts durch die Straßen zu gehen. 

Weit haben wir es wieder gebracht. ANTI-FLAG konzentrieren sich klarerweise auf die malaise americaine, auf das Deasaster, das ein völlig überforderter Führer über eine ganze Nation und, wenn es blöd hergeht, über die ganze Welt ausbreitet. Ohne sich irgendwelcher Konsequenten bewusst zu sein. "Sie machen alles hin und tun dann so als ob sie nicht dran schuld wären", hat ein Freund von mir einst gesagt. Und genau da sind wir wieder.

Ach ja, ANTI-FLAG haben mit "American Fall" einen Höhepunkt in ihrem Katalog hervorgebracht, den jeder ihrer Fans ohnedies lieben wird, den man aber auch gerne genrefremden Leuten empfehlen darf. Ein starkes Punkrock-Album mit großen Melodien und starken Texten, die ein wenig Hoffnung geben.

Mehr bleibt uns nicht, im Herbst 2017...

(wie immer: mein Review, meine Meinung, etc...)



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (30.10.2017)

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