ARRESTED DENIAL - Frei.Tal

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VÖ: 22.07.2017
Bandinfo: ARRESTED DENIAL
Genre: Punk Rock
Label: Mad Butcher Records
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Lineup  |  Trackliste

Schleimig-kratzige Stimme? Check. Anti-nationalistische Statements? Check. Verrauchtes Reeperbahn-Kneipen-Feeling oder innere Bilder vom Hamburger Fischmarkt morgens um 7 bei Sonnenaufgang mit einem frischen Wind? Auch hier: Check.

Arrested Denial erfüllen das ein oder andere Punk-Klischee, zumindest was die Musik und die Aussagen angeht, ungeachtet deren Bedeutung. Die Instrumental-Teile machen Spaß. Das Album FREI.TAL produziert Bilder von bunthaarigen Gestalten in einem wilden Mosh-Pit. Gegen Spießigkeit und Scheinheiligkeit, gegen Intoleranz und überzogenren Nationalismus, aber auch für die Offenheit und Freundschaft. All das klingt in FREI.TAL an. Ein Album wie ein Sommerabend mit ein paar Bier im Hamburger Stadtpark oder dem Karo-Viertel.

Der „Heimathafen“ weckt Erinnerungen an „Was ist geblieben“ der schon fast zum Punk-Klassiker gewordenen Band EA 80. Ähnliche Stimmung, ähnliche Aussage. Was hier nicht unbedingt was Schlechtes ist. In eine ähnliche Richtung geht auch „bis hier, bis heute“. Zwei Lieder über das Leben mit Entwicklungen, die jedem Menschen widerfahren können.

„Nationalisten aller Länder“ mutet mit seinem ausgeprägten Trompeten-Anteil sehr nach Jazz in Richtung Louis Armstrong oder Reggae an. Ein Song, der deutlich Position bezieht in Zeiten einer nach rechts rückenden Stimmung. Offen bleibt die Frage, wie weit das eher Fröhliche zu diesem Thema passt. Was klar ist, ist die Beobachtung: dieser Titel klingt länger in den Gehörgängen, hat also Ohrwurm-Potential. „Alles bleibt gleich“ bläst da in die gleiche Trompete.

„Zurück auf Start“ klingt beim ersten Hören ähnlich fröhlich wie sein Vorgänger. Der Inhalt ist weniger fröhlich, aber nicht weniger bejahend. Ein wichtiges Thema ist es, wenn auf diejenigen hingewiesen wird, die in der Alltäglichkeit einer Zivilgesellschaft die unbekannten Helden sind. Diejenigen, die was reißen. „Solidarität“ denkt dieses Thema weiter und warnt davor, Hilfe für andere nur zur eigenen Profilierung zu verwenden. Ganz nett, dieses Thema sollte im Idealfall eine Selbstverständlichkeit sein. Überwindung des Gestrigen oder der ewig Gestrigen. Direktes Ansprechen faschistischer Strukturen, die im Verborgen oder offen existieren. Das ist „Stillstand“. Weitere Worte sind nicht nötig.

Fazit: Ansprache zentraler Fragen? Vorhanden. An manchen Stellen etwas sehr klischeehaft. Jedoch nicht unbedingt ein Album zum Davonlaufen.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Thomas Trüter (28.10.2017)

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