RAM - Rod

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VÖ: 03.11.2017
Bandinfo: RAM
Genre: Heavy Metal
Label: Metal Blade Records
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Lineup  |  Trackliste

Wer kennt die größte Unart des Heavy-Metal-Publikums und ihres Fachkritikertums? Wer weiß die Antwort? Du da drüben, ja du mit der Spandexhose? Achso, dass man Poser-Bands gut findet und den Spirit verkauft hat! Nein, eigentlich viel schlimmer! Das lächerlichste und mit größtmöglichem Fremdschämfaktor belegte Lemma des ultratrven Heavy-Metal-Kasperltheaters ist, dass solche Typen in Eierklemmhosen, welche im Hochsommer in Pocahontasstiefeln stecken, alles geil finden solang es nur zwingend nach 1980er klingt – weil alles andere ist Poserdreck! RAM erhoben diese Philosophie mit Gründung zum erklärten Ziel und Dogma der Band: Echter Heavy-Metal ohne Kompromisse! Und im Gegensatz zum Mitbewerb, hat sich das schwedische Stahlwerkkommando auch bis heute immer vom fadisierenden, uninspirierten Kindergartensound der Generation Maiden-Priest-Plagiats-Tragikomödie abgehoben und mit „Svbversvum“ mitunter eines der stärksten und eindrucksvollsten klassischen Heavy-Metal Alben der letzten Jahre abgeliefert – und ja, als bekennender Shakespeare-Fan zollt man Tribut: Noch niemand hat Hamlet, von Epik und Pathos geschwängert, erhabener vertont! „Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode!“. Nun stellt sich mit „Rod“ der Nachfolger ein und wir müssen wieder über die Selbsttäuschung der unreflektierten Betrachtungsweise einer in sich selbst verliebten Szene diskutieren, denn „Rod“ hat mit Heavy-Metal-Tyranny relativ wenig am Hut, vielmehr zeigt man sich als kantenlose Kapelle, die darauf baut, dass sich die Kritikerwelt und das Publikum sowieso vor Freude überschlagen wird.

Klingt doch alles wie damals bei JUDAS PRIEST – aber eben ohne Power und bei weitem ohne ein Alleinstellungsmerkmal oder auch nur dem Anflug eines Höhepunktes. Die Kutten und Eierkneifhosenfraktion wird „Rod“ trotzdem abfeiern – warum? Ganz einfach: RAM befeuern ein systematisch herangezüchtetes Selbstbild des elitären, musikalisch überlegenen echten Heavy-Metal-Fans, dessen streng genrebegrenzte Vinyl-Sammlung jeden Anflug von Kritik an musikalischen Scheuklappen, in der durch Szeneselbstverständnis und deren Medien beeinflussten Wahrnehmungsblase erstickt. Trve-Jogging-High-Metaler die bei Tageslicht, in Ihrem Urlaub mit Schwechater-Dose und Ghettoblaster ihre Runden durch in Innenstadt ziehen, obwohl sie selbst schon langsam in Richtung Pension altern, dürfen dementsprechend den folgenden Absatz überspringen und direkt unterhalb des Artikels mit Ihren Schimpftiraden auf den Autor gegenständlicher Rezension beginnen. Falls gerade eine Hand mit dem Halten eines Bieres beschäftigt ist, werden Vorschläge für geistreiche und ultratrve Kommentare an dieser Stelle gerne für den Copy-Paste-Gebrauch beigestellt: Du unlustiger Narzisst! Glaubst du, du bist intellektuell, oder wie man das nennt? Das passiert, wenn der Praktikant die Reviews schreibt! Alter du bist ein dummer Poser! Ich habe schon Metal gehört da hast du noch in die Windeln geschissen, du hast keine Ahnung! Du unerfolgreicher, neidiger Brunzer!

RAM jetzt deswegen generell das Existenzrecht abzusprechen, oder schlechtzureden entspricht jedoch auch nicht einer objektiven Betrachtungsweise des Corpus Delicti – denn selbst JUDAS PRIEST und IRON MAIDEN blieben nicht von unterirdischen Ausrutschern verschont, beschönigen darf man deshalb „Rod“ aber ebenfalls nicht. An dem Umstand, dass ein verkohltes Toastbrot mehr Überraschungen in sich birgt als gegenständliches Werk, lässt sich auch mit Drehen und Wenden nicht wegargumentieren. Die sinnlos anmutende Aneinanderreihung derselben drei Standardriffs, welche hin und wieder von altbekannten gequälten Standardsoli unterbrochen werden, um in einer durchgehend homogenen Klangmasse zum Einheitshaferbrei mit leicht wässrigem Beigeschmack aufzugehen, lässt während der aurikulären Aufnahme des Schwermetalls relativ wenig Freude aufkommen. „Rod“ plätschert vor sich hin, ohne den Hörer gefangen zu nehmen, ein erhabenes Gefühl zu vermitteln, oder ein Gefühl von „Klischee, aber trotzdem so geil wie ein Dreier“ aufkommen zu lassen. Es stellt sich mehr die Fadesse eines 80er Vintage-Soft-Pornos ein, bei dem man die meiste Zeit darauf wartet, dass jetzt endlich etwas passiert, aber mehr als lustloses Antatschen ist dann einfach nicht drinnen.

„Rod“ versäumt es, dort anzuknüpfen wo „Svbversvum“ so erhaben aufgehört hat: Bei durchdachten Hymnen und Innovationen in einem verstaubten Genre und liefert stattdessen den gleichen Trott den jede Retro anbetende Durchschnittsband mittlerweile auf einschlägigen Labels für den geifernden Szenemarkt veröffentlichen darf – nur eben im Gegensatz zu jenen auf Hochglanz aufpoliert. „Wahr ist´s, ist schade, und schade, dass es wahr ist!“ „Rod“ darf ohne schlechtes Gewissen als eine bittere Enttäuschung klassifiziert werden, hätte man sich doch von RAM erwartet, nicht in die allgegenwärtigen Szenezwänge zurück zu fallen und den mit „Svbversvm“ eingeschlagenen Weg des unkonventionellen Classic-Heavy-Metal weiter zu verfolgen. Der Fairness halber und zur Förderung des allgemeinen Friedens wurde jedoch zum Abschluss des Reviews noch ein echter Metalhead zu „Rod“ befragt, der leicht wankend seine Expertise mit uns teilen und somit einen Gegenpart zur Poser-Meinung des Autors darstellen möchte: „RAM sind einfach urgeil! Die spielen noch so richtigen geilen Heavy-Metal! Geil! Geil! Geil!  Keine Poser-Scheiße und ‚Rod‘ ist jetzt wirklich der totale Wahnsinn – bärenstarkes Schmankerl! Weisst, das klingt alles so 1980 und geht runter wie ein Bier auf ex… Alter hast du meine Distelhäuser gesehen?“



Bewertung: 2.0 / 5.0
Autor: Laichster (29.10.2017)

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