VOGELFREY - In Ekstase

Artikel-Bild
VÖ: 25.08.2017
Bandinfo: VOGELFREY
Genre: Mittelalter Metal
Label: Metalville
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

VOGELFREY machen ihrem Namen bisher alle Ehre, denn noch immer gehen sie im oftmals klischeebehafteten Mittelalter-Genre ihren eigenen Weg. Wo die einen in punkig bis schlagerhafte Melodien abdriften, sich fallweise in Glorifizierung einer finsteren, harten Zeit oder über Gebühr strapazierter Sozialkritik ergehen, bleiben VOGELFREY sowohl musikalisch angenehm räudig und, trotz Geige, Flöten, Rauschpfeifen und ähnlichem, dem metallischen Sektor treu, als auch in den Lyrics die ärgsten Fettnäpfchen gekonnt umschifft werden. Nun, einer dieser Punkte wird sich auf dem vorliegenden neuen Album, „In Ekstase“ betitelt, ändern. Welcher davon... lest selbst.

Im Auftakt des Albums machen VOGELFREY aber erst einmal alles richtig, denn „Crystal Met“ startet mit vergleichsweise hartem Riffing und kann trotz, oder gerade wegen des schrägen Textes punkten und zum Schmunzeln anregen, genau wie der direkt folgende Ohrwurm „Mittelalter Rockstar“. Härter zur Sache geht es dann schon bei „Meister“ das mit recht räudigem Unterton einher kommt und auch bei „Heiland“ fährt man musikalisch die deftigere Gangart. Musikalisch erinnert man dabei aber weniger an RAMMSTEIN (wie manch andere Rezensenten behaupten – warum wird eigentlich immer alles was etwas deftiger klingt und deutschsprachige Texte hat, sofort mit den NDH-Vorreitern verglichen, obwohl nicht einmal im entferntesten Ähnlichkeit besteht? Kann mir das mal einer erklären? [Anm. d. Red.: Es kommt halt immer gut (aka klickfördernd), wenn man RAMMSTEIN nennt.]) denn vielmehr an ältere, knackige Songs von SUBWAY TO SALLY.

Der Härtepokal des Albums geht aber an „Berserkerwut“, einem ziemlich heftigen, schleppend und düster riffenden Brett, in dem Sänger Jannick mal wieder seine Growls auspackt. Auch im extrem starken „Mondsucht“ lassen sich ein paar musikalische Reminiszenzen an die Kollegen um Eric Fish finden, während „Wach im Traum“ wiederum relativ sperrig im Raum steht. Der einzige Totalausfall des Albums, „Rauschpfeife“, sinkt dafür niveautechnisch in solche Tiefen, dass es einem fast schon die Schamesröte ins Gesicht treibt. Wo die Kollegen von FEUERSCHWANZ sich zumindest noch auf alkoholschwangeren Klamauk herausreden können, möchte man sich hier angesichts der Plattheit einfach nur verkriechen. Kann man über die beiden spitzfindigen Auftaktstücke zumindest noch lachen, bleibt einem selbiges hier leider im Halse stecken.

Nunja, Ekstase geht anders. Beim Rezensenten sorgt das Scheibchen leider nicht gerade für die versprochenen Hochgefühle, trotzdem man den VOGELFREYen vor allem musikalisch ein sehr gutes Zeugnis ausstellen muss. Denn die organische Produktion, fett und mit wunderbar räudigen Gitarren, die jedes einzelne Instrument schön herauszuheben vermag, erfreut das Ohr des Hörers sehr. Dafür können die teils spaßig-spitzen oder auch einmal arg platten Texte nicht immer punkten.  Zwar finden sich auf „In Ekstase“ durchaus Höhepunkte des Schaffens von VOGELFREY, aber leider auch ein absoluter Tiefpunkt dessen. Wer seine Dosis Mittelalter gerne hart und unkitschig mag und mit einer Dosis Humor gut leben kann, der ist bei VOGELFREY an der richtigen Adresse.

 



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Anthalerero (05.11.2017)

WERBUNG: Rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrammstein kommen nach Wien
ANZEIGE
WERBUNG: Rockhouse Bar
ANZEIGE