KARTIKEYA - Samudra

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VÖ: 19.10.2017
Bandinfo: KARTIKEYA
Genre: Progressive Death Metal
Label: Apathia Records
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Lineup  |  Trackliste

Mehr als sechs Jahre nach der Veröffentlichung des letzten Albums, „Mahayuga“, sind KARTIKEYA aus Russland endlich wieder mit neuem Material am Start. „Samudra“ hatte eine etwas holprige Entstehungsgeschichte, sollte eigentlich schon Ende 2015 veröffentlicht werden, dann 2016, doch letztlich musste wohl aus mir bislang unbekannten Gründen sehr viel nochmals aufgenommen werden. Das Resultat dessen liegt nun in Form von 13 Stücken vor, die etwas über 70 Minuten dauern.

Thematisch bleiben sich KARTIKEYA dabei treu, es geht vornehmlich um indische Philosophie und Mythologie, diesmal speziell um Samudra, also das Element des Wassers, des Ozeans, der Vereinigung aller Wässer. Musikalisch hingegen hat sich einiges getan, wenngleich an dem bisherigen Stil insofern festgehalten wird, als dass technischer, rasender, grooviger Death Metal das Grundgerüst bildet, wobei immer wieder klassisch-folkloristische Instrumente eingestreut werden, die zusammen mit Ambient- oder Akustik-Passagen vor allem in Interludes für eine gewisse Ruhe sorgen. Jene ist aber auch schwer nötig, um das sehr abgehackte Riffing zu verdauen, welches häufig eine enorme Unruhe erzeugt. Beim Riffing lässt sich auf jeden Fall feststellen, dass die Entwicklungen und Experimente des Masterminds Arsafes sich auch hier niederschlagen. So ist vor allem die Gitarrenarbeit noch etwas experimenteller und Djent-lastiger ausgefallen, als dies noch beim Vorgänger der Fall war. Das bedeutet viele Riffs, bei denen die tiefsten Töne seiner Achtsaiter-Gitarre zumindest mitschwingen, sodass in etlichen Passagen mehr Rhythmus als Melodie durch die Gitarren vermittelt wird. Jene werden dabei vom Drumming tatkräftig unterstützt, welches im Mix auf den ersten Blick bzw. das erste Hören ähnlich dominant wirkt, wie auch der Gesang von Arsafes und Mars.

Durch jene Dominanz muss sich der geneigte Hörer schätzungsweise erst einmal auf die Rhythmen und den meist gegrowlten oder geshouteten Gesang konzentrieren, so erging es zumindest mir. Doch nach der ersten Verdauung dessen erschließen sich immer mehr Feinheiten, welche vor allem Keyboards und Violine sowie etliche intelligent platzierte Soli beisteuern, sodass sich aus dem Album mit jedem Hören ein immer vielschichtigeres, um extrem viele Nuancen bereichertes Werk herauskristallisiert. Im Vergleich zum Vorgänger „Mahayuga“ lässt sich dabei vor allem festhalten, dass die Vielzahl an musikalischen Elementen hier ein wenig häufiger kontrastierend eingesetzt wird, als dass die indisch-folkloristischen Elemente häufig mit den unzähligen Metal-Einflüssen einhergehen. Auch klingt KARTIKEYA natürlich nicht nur zwingend indisch oder „Middle Eastern“, sondern primär doch europäisch, was sich unter anderem in den Choruses von „Mask of the Blind“ und „The Golden Blades“ zeigt, die mich mit den Gitarren, dem Violineneinsatz und den Vocals irgendwie ein wenig an ELUVEITIE erinnern. Allerdings auf positive Art, obwohl ich mit erwähnter Band nur bedingt etwas anfangen kann. Sonst hat diese Musik nämlich nicht sonderlich viel von typischem, generischem Folk Death.

Aufgrund der stilistischen Vielfalt und der Menge an Songs fällt es schwer, auf bestimmte Aspekte oder gar thematische Bezüge einzugehen, ohne allzu ausufernd zu werden. Mir gefallen unter anderem der schwarzmetallisch angehauchte Part vom zweiten Lied, „Tandava“, welcher gut knüppelt, sowie der ruhige Teil bei „Horrors of Home“ und die etwas eingängigeren Choruses bei „Mask of the Blind“ und „The Golden Blades“. Aber ganz besonders haben es mir „We Shall Never Die“ und „Tunnels of Naraka“ angetan, wobei ersteres durch sein geniales Anfangsriff, das Violinensolo, den Chorus und allgemein durch die Ausgewogenheit der Elemente besticht, wohingegen letzteres ein ebenso faszinierendes, untypisches Hauptriff aufweist und durch das Gast-Solo (von David „Maxim“ Micic) am ruhigeren Schluss des Songs besonders an Qualität gewinnt. Gastmusiker sind auf diesem Album übrigens etliche vertreten, so schon alleine bei „Kannada - Munjaaneddu Kumbaaranna“ (das Lied weiß besonders zu überraschen) der indisch-klassische Gastsänger Sai Shankar und der bekannte Karl Sanders von NILE mit einem typischen Solo.

Insgesamt legen KARTIKEYA hiermit ein Album nach, welches die hohen Erwartungen der Fans nach all der Wartezeit doch sicherlich erfüllen sollte, auch wenn manch einem vielleicht einige kleine Änderungen sauer aufstoßen könnten. So wirkt das Album doch weniger schwarzmetallisch angehaucht als noch der Vorgänger, wenngleich das sich eher weniger auf die düster-ritualistisch-brutale Auslegung der Gesamtatmosphäre beziehen dürfte als auf die groovig-deathigen stilistischen Elemente und den sehr transparenten, hochklassigen Sound. An Aggressivität fehlt es diesem Album nämlich keineswegs.

Weiterhin ist natürlich klar, dass KARTIKEYA mit diesem Album mitnichten aus ihrer Nischenposition herauskommen, denn das Material ist alles andere als leicht zugänglich, vor allem, wenn man mit dieser doch sehr eigenwilligen Ausrichtung noch nicht vertraut ist. Wenn man jedoch groovig-djentigen Progressive Death Metal mit folkloristisch-klassischem Einfluss u.a. aus dem indischen Raum hören will und mit MELECHESH, härteren ORPHANED LAND oder gar AL-NAMROOD (der Vergleich hinkt, ich weiß, aber das müssen Vergleiche bei dieser sehr eigenen Musik sowieso) was anfangen konnte, dann sollte man hier mal ein Ohr riskieren! Ich finde das Album nach anfänglichen Startschwierigkeiten auf jeden Fall mit jedem Hören mitreißender und besser; ein echter Grower. Da bleibt nur zu hoffen, dass wir auf das nächste Album in diesem Fünfer-Zyklus, dessen Thematik ausgehend vom Titel des letzten Songs Luft/Atem bzw. Himmel sein dürfte, nicht ebenso lange warten müssen!

„We Shall Never Die“ gibt es hier zu hören: https://kartikeya.bandcamp.com/track/we-shall-never-die



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Felix Thalheim (07.11.2017)

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