GODSTICKS - Faced With Rage

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VÖ: 13.10.2017
Bandinfo: GODSTICKS
Genre: Progressive Rock
Label: KScope
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Lineup  |  Trackliste

Düster ist der Winter, draußen in der Natur wie auch drinnen im Warmen - zumindest solange sie erschallt, diese vierte Longplay-Großtat der 2008 gegründeten Combo aus dem walisischen Cardiff. GODSTICKS gehen als proggig angehauchte Rock-Band aber nicht den Irrweg über unnötig verspielte Licks, kompliziert vertrackte Grooves oder dem allseits beliebten Höher-Schneller-Weiter-Songwriting. Sie machen es subtiler, mit viel Bodenhaftung, manchmal düster funky, oftmals fast schon verhalten, aber immer über die Bauchgegend direkt in die Gehirnwindungen. Dabei hilft auch der Umstand, dass sich das Trio mittlerweile mit dem zweiten Gitarristen Gavin Bushell zum Quartett verstärkt hat und dementsprechend – verglichen mit dem Vorgänger „Emergence“ – etwas fetter dahertönt. Statt In-Your-Face-Songs zu schreiben, die der Hörer gefälligst so zu akzeptieren hat während er auf Knien rutschend den Fähigkeiten der Musiker huldigt, schaffen GODSTICKS den schweren Spagat zwischen druckvollem, schlüssigen Songwriting und dessen unprätentiöser Präsentation mit einer Leichtigkeit, die man sonst nur aus dem Artpop kennt.

Wobei: „Leichtigkeit“ ist hier mehr als relativ zu betrachten, denn von der Komfortzone des Wohlfühl-Einerlei sind wir hier trotz allem sehr weit entfernt. Sänger Darran Charles erinnert des Öfteren an etwas depressiv angehauchte Grunge-Sänger (ALICE IN CHAINS werden hier ab und an zitiert, auch instrumental, etwa in „Angry Concern“), der Gesamtsound ist druckvoll aber dennoch offen und transparent, nie überladen, und insgesamt steht man wohl Bands wie MUSE, A PERFECT CIRCLE oder auch AMPLIFIER näher als man vielleicht im ersten Moment meinen möchte. Bestes Beispiel ist hier vielleicht „Hard To Face“, das wie ein Bastard aus eben diesen drei Bands klingt. Es tut gut, wenn sich im Jahre 2017 immer noch Bands finden, die vom ersten bis zum letzten Takt im Moment mit nichts vergleichbar klingen, die im Ohr bleiben trotz der Weigerung, Ohrwürmer zu schreiben.

„Open Your Eyes“ kokketiert mit RAGE AGAINST THE MACHINE-Gitarrenfragmenten, in den ruhigeren Momenten wie „Revere“ oder „We Are Leaving“ gibt man sich auch mal ein wenig dem New Wave hin, dafür wartet man bei „Unforgivable“ mit einigen MASTODON-Querverweisen auf. Das jazzig-verspielte „Fame And Silence“ könnte auch von Les Claypool (PRIMUS) komponiert worden sein, All dies soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass GODSTICKS hier höchst eigenständig agieren und auch klingen, die düstere Atmosphäre (thematisch dreht sich das Album über mannigfaltige innere Konflikte), wird nur selten durch Lichtblicke aufgelockert, „Faced With Rage“ ist am Ende aber alles andere als Depri-Musik. Es ist Musik für Hörer mit fortgeschrittenem Klangverständnis ebenso, wie für unbedarfte Neuankömmlinge, denen hier versöhnlich die Hand zum Geleit angeboten wird. Musik eben, die man für längere Zeit nicht mehr beiseitelegen wird!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Mike Seidinger (08.12.2017)

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