IRON MAIDEN - The Book Of Souls - Live Chapter

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VÖ: 17.11.2017
Bandinfo: IRON MAIDEN
Genre: Metal
Label: Warner Music
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits  |  Trivia

IRON MAIDEN. Mehr bräuchte es eigentlich gar nicht. Die Band, die mich damals mit "Live After Death" zum Metal brachte. Die Band, die mit "Powerslave", "Somewhere In Time " und "Seventh Son of a Seventh Son" die Dreifaltigkeit des Heavy Metal erschaffen hat, die von keiner Heavy Metal Band und auch von MAIDEN selbst auch nur annähernd erreicht oder gar übertroffen wurde. In diesem Fall war früher alles besser, seit "Brave New World" tut sich aber wahrlich wunderliches: Die Alben werden immer beliebiger, die Band selber in der Rezeption der Fans immer größer. Selbst das auch bei uns von einem ehemaligen, nunmehr dem Boulevard fröhnenden, Schreiber unglaublich überbewertete "Book Of Souls" hat in der internationalen MAIDEN-Szene eingeschlagen als ob der Leibhaftige wiedergekehrt wäre. 

Was liegt da näher, als die darauf folgende Tour via Bild/Tonträger der jeweiligen Wahl jedem MAIDEN-Aficionado zugänglich zu machen. Klar, es handelt sich mittlerweile um die gefühlte 667. Liveveröffentlichung der Eastender, aber auch das wird niemand daran hindern, voller Enthusiasmus über Album, Band und Tour zu jubeln. 

"Book Of Souls" war in meinen Augen nicht nur überbewertet sondern wirklich schon fast eine Frechheit. Steve Harris recycled den gesamten Bandfundus und der Sound war sowohl im Mix wie auch im Mastering soweit von einstigen Wunderwerken entfernt wie ich vom Pulitzer-Preis. Das war allerhöchstens ein leicht besserer Proberaumsound mit viel zu langen Songs und wurde ohne rot zu werden von Band und dem internationalen Anzeigenjournalismus als "progressivstes Werk" der Bandgeschichte verkauft. Allein, der Rufer im Wald wird nicht gehört, warum auch. "Opinions are like assholes", sagt der Angelsachse und lässt 20.000 und mehr für sich screamen.

"The Book Of Souls - Live Chapter" wurde wieder in verschiedensten Konzerten im Rahmen der aktuellen Welttour aufgezeichnet und zeigt die Band und ihre Fans in all ihren Facetten. Von Rio nach Triest über El Salvador und via Tokyo nach Wacken. Mir liegt zum Zeitpunkt des Reviews außer dem eigentlichen Konzert keine Beschreibung etwaiger Extras vor. Üblicherweise sind MAIDEN hier immer sehr großzügig und liefern Masse und Klasse beim Bonusmaterial. Diesmal war man mit einer übersichtlichen 747, der Edforce One, gesteuert natürlich von Captain Paul Bruce Dickinson, unterwegs, und beehrte wieder einige Orte an denen man wohl noch nicht war. Ich gehe davon aus, dass wir bei den Extras auch diesbezüglich genauer informiert werden.

Neben einigen Klassikern wie "Powerslave", "Number Of The Beast", "Fear Of The Dark" und der Zugabe "Wasted Years" (von Adrian Smith geschrieben, hier auch das Geheimnis, warum das letzte Album so zäh war, Herr Harris) muss man sich leider auch durch sechs Songs vonm aktuellen Album quälen und wenn da noch einer behauptet, dass diese Lieder auch nur im selben Universum wie die Superhits von einst existieren sollen/dürfen/können, der-, diejenige sollte sich schleunigst alles von Maiden bis "Seventh Son Of A Seventh Son" anhören. "The Red And The Black" sei exemplarisch genannt. Das Lied hört nie auf. Nie! Die Songauswahl wird natürlich bei einer so großen und langjährig erfolgreichen Band immer einen Grund zum Nörgeln geben, aber warum schon wieder "Wrathchild"? Ich kenn ehrlich niemanden der schon wieder "Wrathchild" will. 

Alt schauen sie aus, die Jungs. Das liegt, deshalb wohl auch meine Probleme mit dem Pulitzerpreis, am Alter. Die Fünf (und Hampel-Janick) sind schon ein paar Jährchen im Business, und das zeigt sich natürlich. Bruce hat glücklicherweise seinen Kehlkopfkrebs überstanden, die Gesangsleistung ist allerdings nicht erst seit dieser Erkrankung diskutabel. Ich bin ein riesiger Dickinson-Fan, aber auch ich muss zugeben, dass er das letzte Mal einigermaßen gut auf der "Brave New World"-Tour und das letzte mal wirklich gut auf der Solo-Tour zum "Chemical Wedding"-Album gesungen hat. Wer meint, es besser zu wissen, soll sich "Live After Death" und exemplarisch "2 Minutes To Midnight" anhören. Bruce ist einer der großen Sänger im Metal, eigenartigerweise meint er noch immer, live die Höhen aus den ganz frühen 80ern auffahren zu müssen, obzwar das eben nicht mehr geht. Man kann hier die MAIDEN-Brille aufhaben wie man will, aber das ist einer der großen Kritikpunkte. Der nächste Kritikpunkt ist noch immer Janick Gers. Fragt jeden MAIDEN-Fan was ihm/ihr am Live-Vortrag stört, es werden 99 Prozent sofort den Lord of the Dance nennen. Es ist ja nett, dass die Jungs zu ihrem dritten Gitarristen stehen, aber wenn man ehrlich ist, gehört Adrian auf diese Bühnenseite und Janick, naja, nicht. 

Technisch gibt es natürlich nix zu meckern. Professionell gefilmt, glücklicherweise ohne die extrem nervige schnelle Schneiderei von Steve Harris ist das Bild diesmal richtiggehend angenehm ruhig für MAIDEN-Verhältnisse und mit glasklarem Visual und Topsound. Ansonsten Business as usual. MAIDEN sind MAIDEN sind MAIDEN. Ich gehe davon aus, dass eine Menge Bonusmaterial dazukommt, das Produkt ist in 94 verschiedenen Versionen zu erstehen (schon klar, damit sind sie nicht die einzige Band die jeden Ton auf CD, mp3, flac, Kassette, Vinyl, Shellac und Flexidisc verhacken glauben zu müsssen) und wird wohl am Veröffentlichungstag schon über den Ladentisch gehen wie  20-er Harrasse Hopfenblütensmoothies im Rahmen der biwöchentlichen Bieraktion beim Krämer der jeweiligen Wahl.

Brauchen tut man "The Book Of Souls - Live Chapter" nicht wirklich, und man könnte dann schön langsam wirklich aufhören, aber die Band macht Umsätze in der Höhe von Bruttoinlandsprodukten mittelgrößer Volkswirtschaften und hat auf ihre alten Tage wieder die Lizenz zum Geldrucken gefunden. Ich bin jetzt nicht wirklich begeistert von dem, was MAIDEN seit 15 Jahren machen, aber die Kuh wird wohl noch länger gemolken. 

Und im Endeffekt sind es eben immer noch IRON MAIDEN, meine Jugendliebe...

 

HIER findet ihr noch ein paar Details zu den jeweiligen Versionen und dem Bonusmaterial!



Ohne Bewertung
Autor: Christian Wiederwald (13.11.2017)

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