ALL WILL KNOW - Infinitas

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VÖ: 08.12.2017
Bandinfo: ALL WILL KNOW
Genre: Melodic Death Metal
Label: Noizgate Records
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Lineup  |  Trackliste

Der Herbst 2015 war trotz vieler gutklassiger Releases ganz subjektiv dominiert von einer jungen und aufstrebenden Melodic Death Metal Band aus Südhessen, namens ALL WILL KNOW. Diese haben mit "Deeper Into Time" ein kleines Genremeisterwerk erschaffen, welches heute noch gerne seine Rotationen in hiesigen Soundsystemen feiert und kein Stückchen langweilig geworden ist. Somit hat der Verfasser dieser Zeilen völlig aus den Augen verloren, dass da ja auch mal irgendwann Nachschub folgen muss. Aber plötzlich war es da, das berüchtigte dritte Album. "Make it, or break it" sagt man ja so schön übers Dritte, und ob man dem grandiosen Vorgänger das Wasser reichen kann, ist die Frage. Der Ansatz stimmt schon mal. Anstatt (noch) tiefer in die Zeit einzusinken, schalten die Darmstädter die Zeit mit "Infinitas" nun komplett aus und liefern ihr epischstes Album ab. Und wieder ist das Endergebnis fantastisch und landet nur ganz knapp hinter dem sensationellen Vorgänger.

"Infinitas" spielt in der Champions League. Im Einheitsbrei eines inzwischen wirklich ausgelutschten Genres präsentieren sich ALL WILL KNOW, wie auch schon zuvor, angenehm zeit- und zwanglos. Während derzeit erhältliche, ähnlich gelagerte Releases wie THREAT SIGNAL oder THE UNGUIDED hörbar mit dem Trend gehen, bleiben ALL WILL KNOW ihrem Sound treu. Auch wenn der Synthie Anteil unverändert hoch ist, klingt das Material weiterhin eher nach den 2000er Jahren als nach dem, was man heutzutage als "modern" bezeichnet. Man stelle sich DARK TRANQUILLITY mit weniger Gothic und mehr klassischem Heavy, Power und Prog Metal Anteil vor und man kann den Sound der Darmstädter ziemlich genau charakterisieren. Und gerade diejenigen, die es etwas vertrackter mögen, werden in ALL WILL KNOW Erfüllung finden. "Ruins" zum Beispiel ist so ein Song, der durch eigentlich simple Handgriffe eine dynamische Dichte aufbaut, wie man sie bei sämtlichen Mitbewerbern vermisst. Schön harter Aufbau, klasse Riffs, ein speediger und eingängiger Mörderrefrain, der im Laufe des Stückes im Tempo variiert dargeboten wird, sowie ein schön ausuferndes Finale. So einfach schreibt man einen Song, der noch beim siebten oder achten Spin Details zu entdecken offenbart. Im hinteren Drittel haben wir zwei gleichstarke Stücke vorliegen, die von Mal zu Mal an Intensität zunehmen, obgleich sie sich etwas verschachtelter zeigen. Mit Namen "Vicious Destiny" und "Waves", beides absolute Abrissbirnen auf technisch ganz hohem Niveau.

Aber es gibt auch jede Menge Straight-Forward-Hits auf "Infinitas". Und hier orientieren sich die Darmstäder ziemlich an "Deeper Into Time" und vor allem dessen Titelstück. Gleich der Opener "Behind Your Mask" könnte ein kleiner Bruder dessen sein, was im Jahre 2015 einer der Songs des Jahres war. "Dead World", "Age Of Paranoia", "Stain The White" und mit leichten Abstichen in der Epik auch "This Circle Never Ends" reihen sich ins hohe Niveau ein, liefern mitsingtaugliche Refrains und abwechslungsreiches Songwriting dazwischen, so muss es sein. "Beyond The Tears" gibt dann zwischenzeitlich schön Vollgas und kristallisiert sich als Albumhighlight heraus. Nach vorne blastende Strophen mit Nackenbrecher-Garantie, ein Refrain zum niederknien und ein getragener, schwelgerischer Mittelpart runden das Gesamterlebnis ab. Perfekt!

Warum gibt es dieses mal, bei allem Lob, dennoch ein Pünktchen weniger als beim letzten Mal? Allem technischen Anspruch zum Trotz war "Deeper Into Time" ein Mü (Anm. d. Lekt: µ) mitreißender und packender. Zum Einen liegt das am durchschnittlich gesehen etwas heruntergeschraubten Härtegrad. Während der Vorgänger ganz klar im Melodic *Death* Metal angesiedelt war, erzielt "Infinitas" diesen Effekt fast allein durch die etwas zurückgefahrenen Screams und Growls, weniger durch Riffs und entsprechende Drums. Musikalisch ist das Werk eher im Progressive Power Metal Zuhause mit vereinzelnd auftretenden Gewaltausbrüchen. Was an sich nicht schlimm ist, da die Ausführung nach wie vor exzellent ist. Die stärker präsente Gegenüberstellung von Härte und Melodie bei "Deeper Into Time" verlieh dem Werk nur einfach mehr Punch und Drive, welcher "Infinitas" gerade im Mittelteil etwas verloren geht. Zum Anderen haben sich mit "The Circle Never Ends" und "Cold Realities" zwei Nummern mit eingeschlichen, welche das qualitative Level der restlichen Kompositionen nicht halten können. Macht bei stolzen 60 Minuten Spielzeit auf die Summe gesehen nicht viel aus, aber verhindert in letzter Instanz die Vollendung zum Meisterwerk.

Aber nicht falsch verstehen, "Infinitas" ist Pfilcht für alle Metalheads und zu später Stunde des Jahres noch ein absoluter Kracher, der unter keinem Weihnachtsbaum fehlen sollte. Qualitativ stehen die Zeichen ganz klar auf "Make It" und somit freuen wir uns auf die baldige Livedarbietung vieler neuer Hymnen.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (08.12.2017)

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