BEING AS AN OCEAN - Waiting For Morning To Come

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VÖ: 03.11.2017
Bandinfo: BEING AS AN OCEAN
Genre: Post Hardcore
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Das hätte doch überhaupt nicht gut gehen dürfen. Ewige Streitigkeiten mit dem Label, zahllose Verschiebungen des Releasetermins und eine merkwürdige Strategie der Zeitpunkte für die Veröffentlichung von Singleauskopplungen sowie der Leak des gesamten Albums durch die Band, einen ganzen Monat vor dem physischen Release. Aber trotz aller Widrigkeiten ist „Waiting For Morning To Come“ das innovativste Album BEING AS AN OCEANs seit “Dear G-D“ geworden.

Von den 13 Tracks auf „Waiting For Morning To Come” sind ganze sechs instrumentale Überleitungen. Wo der Kritiker nun eine künstlich in die Länge gezogene EP attestieren würde, sehe ich ein atmosphärisch dichtes Konzeptalbum, das sich wortwörtlich erst zwischen den Zeilen (oder in diesem Fall: Songs) vollkommen erschließt. So liest sich die Aneinanderreihung einiger Songtitel wie ein Gedicht, dass der expliziten Trackreihenfolge einen übergeordneten Sinn verleiht. Verleihen wir dem ganzen Album doch einfach eine Versform, damit deutlicher wird, was gemeint ist:

Pink & Red,

Black & Blue,

Floating Through Darkness, They Seemed To

Glow,

And Fade Away When Morning Came.

[…]

As Though Each Of My Problems Would Slip Away,

[…]

Suddenly, I Was Alone.

[…]

I Saw Before Me, A Bright Red Light, And Silently I Stood,

Waiting For Morning To Come.

Die Auslassungszeichen machen zwar deutlich, dass sich nicht ausnahmslos alle Songs des Albums der an die Überleitungen gekoppelten Konzeptstruktur unterordnen, trotzdem ist das Grundkonzept hier durchdacht und vor allem ergreifend.

Das Tempo von „Waiting For Morning To Come“ ist durchgehend verhältnismäßig langsam; BEING AS AN OCEAN konzentrieren sich voll und ganz darauf, eine dichte, melancholisch-ästhetische Atmosphäre zu kreieren, die zu keinem Zeitpunkt unauthentisch oder unangemessen wirkt. Noch stärker als auf vorherigen Releases spielt man hier mit elektronischen Elementen, die beispielsweise in „Glow“, aber vor allem in „Thorns“ dafür sorgen, dass der typische BEING AS AN OCEAN-Sound noch um einige Ebenen vertieft wird. Eine nette Spielerei, die aber nicht jedem gefallen muss, ist das musikalische Experiment, welches die Band mit „The Powers That Be“ wagt. Der komplette Song wird rückwärts abgespielt, was ihn ohne Eigenaufwand quasi unhörbar macht. Wer sich dennoch die Mühe macht und die Audiodatei in einem beliebigen Musikbearbeitungsprogramm umdreht, der bekommt einen energiegeladenen Song, der besonders zum Ende hin ordentlich an Härte und Tempo zulegt.

Waiting For Morning To Come“ ist ein gewagtes Album. Statt sich auf die Produktion von guten, für sich stehenden Songs zu konzentrieren, legen BEING AS AN OCEAN hier den Fokus klar auf die Qualität des Gesamtwerks, aus dem einzelne Teile nur schwer gesondert zu betrachten sind. Als Konzeptalbum und melancholische Reise in die Menschlichkeit funktioniert „Waiting For Morning To Come“ aber großartig – wie ein Gemälde, an dem mit jedem Hinsehen neue Details auffallen, die der Künstler mit Blut und Tränen darauf versteckt und verewigt hat. 



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Lucas Prieske (20.11.2017)

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