KRANE - Pleonexia

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VÖ: 27.10.2017
Bandinfo: KRANE
Genre: Post-Rock
Label: Czar Of Crickets
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Lineup  |  Trackliste

Krieg. Krieg bleibt immer gleich.‘ Was als Aussage auf die Kampfhandlungen in bestimmten Videospielen und bedingt auch auf die Grausamkeiten der realen Welt zutreffen mag, hat jedoch nichts mit dem bedrückenden Soundgewitter zu tun, das uns die ansonsten doch so neutralen Schweizer mit KRANE, genauer gesagt deren neuen Album „Pleonexia“, an den Kopf werfen. Das Post-Rock Trio aus Basel setzt mit seinem zweiten Album, welches sich eben besagtem vielschichtigen Thema ‚Krieg‘ annimmt, neue Maßstäbe für sich selbst.

In insgesamt sieben Tracks, die mal mehr, mal weniger lang ausfallen, schicken uns KRANE auf eine akustische Reise durch den größten Ausnahmezustand menschlicher Gesellschaft, wobei die Band sich durchaus nicht scheut, explizit politische Positionen über eingespielte Sprachsamples zu beziehen, so beispielsweise in „“. Zu Großteilen beschränken sich KRANE jedoch auf den Aufbau, die Zerstörung und die Restauration gewaltiger, instrumentaler Soundkulissen, die die Grenzen des Post-Rock an vielen Stellen überschreiten und in ihrer herrlichen Schrecklichkeit fast schon passagenweise in den Blutrausch des atmosphärischen Dark- oder Black Metal verfallen. Die Phasen des Krieges, von „Deception“ bis „Aftermath“, werden hier eindrucksvoll verarbeitet und zeigen auf eine bedrückende Art und Weise, wie sowohl Stille als auch Lärm den zwischenmenschlichen Terror ins Unterträgliche treiben können: Kaum hörbare, leise Riffs treffen auf rhythmische Kriegstrommeln, die nach der anfänglichen Euphorie der Blutlust von purem Chaos abgelöst werden – schneidende Gitarren und verzerrte Sounds, Staub und Trümmer soweit das Auge reicht, und jeder ist sich nur noch selbst der Nächste. Das Adrenalin lässt nach und es bleibt die Frage: Was haben wir getan? Doch es bleibt nicht genug Zeit, der nächste Angriff steht bevor; wir schlucken schwer und bereiten uns auf darauf vor, alles dafür zu riskieren, dem Todeswunsch nicht nachzugeben.

Pleonexia“ ist Post-Rock, der schwer wiegt. Wer hier leichte Kost erwartet und sich von seichten und fast psychedelischen Klängen (wie beispielsweise von MY SLEEPING KARMA) berieseln lassen will, wird erschlagen von der Urschuld des Menschen: dem Krieg.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lucas Prieske (23.11.2017)

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