BLIND EGO - Liquid Live

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VÖ: 10.11.2017
Bandinfo: BLIND EGO
Genre: Progressive Rock
Label: Gentle Art Of Music/Soulfood Music
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Lineup  |  Trackliste

Manchmal denke ich mir: Alter! Wie unterbeschäftigt sind eigentlich manche Prog-Musiker? Von Leuten wie Mike Portnoy oder Steven Wilson mal abgesehen - die beiden sind ja ziemlich sicher Echsenmenschen aus der Innenerde, denn anders ist deren Hyperkreativität eh nicht mehr zu erklären. Auch Freisings Vorzeige-Gitarrist Kalle Wallner hat momentan mit seiner Hauptbeschäftigung RPWL scheinbar nicht zu viel zu tun, tourte letztens ausgiebig mit BLIND EGO und lässt für uns jetzt das konzertante Gänsehauterlebnis via Ton- und Bildträger nochmal Revue passieren. Jetzt werden sich natürlich einige Schlauberger hier fragen: hat der Typ nicht erst im März diesen Jahres „Live At Logo Hamburg“ unters Volk gebracht? Dr. Stormbringer antwortet: Ja, hat er. Und zwar als gratis YouTube-Filmchen. Selbiges ist dem hier vorliegenden Silberling jetzt quasi als Bonus-DVD beigelegt und zeigt die intime, intensive Show im „Logo“ nochmal ganz in Farbe und bunt.

Aber eigentlich geht es hier ja um den Gig auf der kultigen Loreley, mittlerweile ja sowas wie das Prog-Woodstock Deutschlands. Die Besetzung ist unverändert, nur Arno Menses (SUBSIGNAL) konnte diesmal den Jahrhundert-Track „Blackened“ nicht veredeln. Auch die Setlist ist gleich, bis auf „What If“, das hoch überm Rhein noch zusätzlich für Gänsehaut sorgte. Dafür ist das Publikum natürlich auch hier mächtig gut drauf, und das, obwohl der Gig zumindest zur Hälfte komplett verregnet war. Die Band nimmt‘s mit Humor – klar, muss man auch, wenn es genau bei einem Opener mit dem Titel „A Place In The Sun“ zu schiffen beginnt – und zockt ein Set wie aus dem Prog-Lehrbuch. Einziger Wermutstropfen könnte hier zwar sein, dass der Sound oftmals ein wenig an Druck vermissen lässt, aber warum sollte man BLIND EGO bei einer solch tighten Performance deswegen böse sein?

Besser ungeschönt als überkandidelt. Kalle Wallner zementiert hier auch einmal mehr seine Ausnahmestellung am europäischen Progsektor - der ruhige, immer etwas schüchtern und introvertiert wirkende Saitenfürst darf getrost zu den besten seiner Zunft gezählt werden, was sich vor allem bei den Soli immer wieder sehr deutlich zeigt. Der Doppel-Whopper aus DVD und CD ist da nur noch der doppelte rote Unterstrich und die drei großen roten Ausrufezeichen, die sich BLIND EGO mittlerweile gerne auf die Visitkarten malen dürfen. Und wer wirklich die knallharte Prog-Vollbedienung braucht, kann sich ja auch noch RPWLs im Sommer erschienene Live-Nabelschau „A New Dawn“ parallel zu „Liquid Live“ reinziehen.



Ohne Bewertung
Autor: Mike Seidinger (30.11.2017)

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