BUTCHER BABIES - Lilith

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VÖ: 27.10.2017
Bandinfo: BUTCHER BABIES
Genre: Modern Metal
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste

Manche Bands weiß man nicht so recht einzuordnen. Ist das bewusst inszenierter Kommerz oder ernsthafte künstlerische Ambition? Dass bei den BUTCHER BABIES viel Wert auf in Szene gesetzte Persönlichkeiten gelegt wird, ist keine Neuigkeit, aber bei jedem neuen Release darf die Frage gestellt werden, ob der Inhalt dem Personenhype gerecht wird. Dass Carla Harvey und Heidi Shepherd mehr drauf haben, als einfach mit dem Playboy in Zusammenhang gestellt zu werden (siehe diverse schauspielerische Engagements, Comic Book Designs und vieles mehr) steht außer Frage. Das letzte Album der Schlächterinnen "Take It Like A Man" war dennoch ein künstlerischer Totalausfall. "Lilith" macht zum Glück vieles anders, wenn auch nicht alles besser. Man darf dennoch von beginnender Rehabilitation sprechen.

"Underground and Overrated" (ein lässiger Rock'n'Roller, dem ein Djent-Outro entgegengestellt wird): Wenn man das mal als alleiniges, durchaus mutiges Statement stehen lässt, so könnte das durchaus als Motto für "Lilith" herhalten. Retro Hype, Back To The Roots und 80s-Hype? Nicht für die BUTCHER BABIES, die ihre Maschinen unüberhörbar auf (kommerziellen) Angriff gestellt haben. Gehen die zwei Opener noch als "typisch" BABIES durch, gibt es auf "Lilith" eine Menge kommerziell gestrickte, eingängige, aber auch durchschlagende Hits zu verzeichnen, welche vor allem dem letzten Album fehlten. Aber der Reihe nach.

"Burn The Straw Man" geht mit typischen Gitarren und drückendem Uptempo nach vorne, so kennt man das von der Truppe. Tief gestimmte SLIPKNOT-Gitarren und die unverkennbaren Gesänge des Powerfrauen-Duos. Der Refrain erinnert an frühe MARILYN MANSON, Kracher! Das Titelstück packt die Melo Death-Keule aus, ARCH ENEMY meets IN THIS MOMENT, ebenso ein Kracher! Im späteren Verlauf versucht das etwas unglücklich betitelte "#iwokeuplikethis" mit Bay Area Thrash-Zitaten zu experimentieren, was ziemlich holprig klingt. Dennoch geht der Song als Ganzes in Ordnung, auch weil er mit seinen Härtespitzen den Rest des Albums konterpunktiert.

Mit "Headspin" zeigt sich "Lilith" dann zum ersten Mal kommerziell eingängig. Die harschen Vocals werden zurückgefahren, die metallischen Arrangements weichen rockigen und treibenden Rhythmen. Die Hook bleibt auf Anhieb hängen, während es lyrisch um nichts anderes als um die Verglorreichung des Geschlechtsakts geht. Klingt extrem mies, aber funktioniert überraschenderweise sehr gut. Besser aber noch klappt das mit "Korova", welches einen dermaßen extrem gelungenen Refrain hat, dass es einem die Freudentränen in die Augen treibt. Zusammen mit FOZZYs "Judas" der Anwärter auf den Modern Metal-Song des Jahres. "The Huntsman" zeigt sich heavy und stampfend, die Powerballade "Look What We've Done" erzeugt tatsächlich einige wenige emotionale Momente. Zusammengefasst steht den BUTCHER BABIES die neu gewonnene melodische Komponente außerordentlich gut.

Dem gegenüber stehen allerdings auch drei absolut fremdschämtaugliche Totalausfälle. Wasser auf die Mühlen derjeniger, welche den BABIES von Anfang an musikalische Redundanz vorgeworfen haben. "Controller" klingt als Songtitel nicht nur wie eine Berufsbezeichnung, mindestens so dröge tönt auch der Song daher. Thematisch geht es um einen Beziehungskonflikt, welcher durch lächerliche Lyrics ins Banale gezogen wird. "Oceana", oh weh. Ja, so muss das wohl klingen, wenn man aus "Keep On Swimming" aus dem Finding Nemo-Kosmos auf Haifisch-komm-raus eine Metalversion basteln muss. Die absolute Arschbombe legt aber dann "POMONA (Shit Happens)" hin. Auszug aus dem Refrain gefällig? "Fuck, Fuck, Fuck, Fuck, FuckFuckFuckFuckFuckFuckFuckFuck, Shit, Shit, Shit, Shit, ShitShitShitShitShitShitShitShit". Ja klar, das ganze soll dann ironisch, sarkastisch, humorvoll, beleidigend oder sonst über eine Metaebene bedeutsam sein. Nein Danke, es klingt einfach peinlich.

Fazit: Oh ja, es gibt Ausfälle auf "Lilith", bodenlos schlechte zum Teil. Aber paradoxerweise sind die einfachen, kommerziellen, melodischen Momente diejenigen mit dem größten Wiedererkennungs- und Langzeitwert. Wenn man sich schon bewusst gegen den "überbewerteten Underground" stellt, dann mit entsprechend starkem musikalischen Material, um die Aussage zu untermauern. Wer noch nie etwas mit den BUTCHER BABIES anfangen konnte, der wird auch jetzt viel Sprit für seine Abneigung erhalten. Ein unterm Strich solides Modern Metal-Album ist aber allemal drin.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (01.12.2017)

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