AWAKEN I AM - Blind Love

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VÖ: 29.09.2017
Bandinfo: AWAKEN I AM
Genre: Alternative Metal
Label: Victory Records
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Lineup  |  Trackliste

Dass harte Gitarren gepaart mit Synths bzw. Piano radiotauglich gemacht werden können, hat uns spätestens LINKIN PARK bewiesen.
Nach ihrem Debutalbum „Shields & Crowns“ 2015 ist das australische Quintett AWAKEN I AM mit ihrem Nachfolge-Werk „Blind Love“ auf diesen „Mainstream Radio“-Zug mit aufgesprungen. Während die Tracks auf „Shields & Crowns“ sich noch mit ihren rohen und rotzigen Klängen ans Post Hardcore Genre anlehnten, präsentiert sich „Blind Love“ im Vergleich geradezu weichgespült. „Sonically infectous“ und „groundbreaking“ verspricht das Label mir im beiliegenden Text. Ich bereite mich also darauf vor, dass meine musikalische Erde ordentlich zum Beben gebracht wird. Leider schlägt dieses Beben nur recht niedrig auf meiner akustischen Richter-Skala an. Woran liegt es nur? Grundsätzlich ist „Blind Love“ sehr gut gemacht (Taylor Larson, der u.a. auch schon PERIPHERY produziert hat). Die Songs sind vielschichtig; melodische Pianoklänge treffen auf knurrende Gitarren, untermalt von flächigen Synthesizern und einer zeitweise recht poppig klingende Rhythmusgruppe, und Sänger Adam Douglas setzt seine androgyne Stimme effektiv ein. Der Opener „Walk My Way“ kommt mit seiner soliden klanglichen Wand schon recht bombastisch daher. An Bombast fehlt es auch fast allen anderen Tracks nicht. Bloß… die Songs klingen größtenteils formelhaft und wirken dadurch zweidimensional und in ihrer inhaltlichen emotionalen Tiefe nicht glaubwürdig. Zwei Tracks heben sich vom Gesamtwerk dann doch ab. Ein ungewöhnliches Highlight ist das instrumentale „Be Still“, das trotz der ruhigen und teilweise filigranen Klänge ungemein spannungsgeladen daherkommt. „Distance Distance“, eine eher poppige Ballade, ist ein weiterer Ausreißer. Douglas‘ zerbrechlich klingende Vocals stehen im Mittelpunkt und kommen enorm glaubhaft rüber.

Wie gesagt, „Blind Love“ ist gut produziert; vielleicht ein bisschen zu glatt. Und was den Sound betrifft: „Never change a winning formula“ mag für ein gutes Kochrezept passend sein. In der Musik kann dieser Einheitsbrei aber leichte Übelkeit erregen.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Betti Stewart (06.12.2017)

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