OPERATION: MINDCRIME - The New Reality

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VÖ: 01.12.2017
Bandinfo: OPERATION: MINDCRIME
Genre: Progressive Melodic Metal
Label: Frontiers Records
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Lineup  |  Trackliste

Es wird schön langsam gar mühsam, immer wieder über früher zu extrapolieren. Früher war alles besser! War früher alles besser? Tagelang könnte man, wenn man denn so wollte, allein über unser Thema, die Rock/Metal-Musik und ihre Wirkmächtigkeit im Laufe der Jahrzehnte plaudern. Um dann weiter auszuholen. Mit Freunden länger nicht mehr reden, weil sie keine Ahnung haben und generell die Jugend von heute...

Aber QUEENSRYCHE waren früher echt besser (a geh...). Bis inklusive "Empire" auf jeden Fall, und wie wir alle wissen, war ein großer Teil dieses unbändigen Musikerkollektivs der grandiose Geoff Tate. Die Jahre vergingen, die Band zerfiel, man lebte sich auseinander, trennte sich und Geoff meinte, alleine ist sowieso besser. War es aber nicht. 

Und seitdem veröffentlicht er unter dem OPERATION:MINDCRIME-Banner eigene Sachen, die mal nicht so burnen ("The Key"), einigermaßen brauchbar sind ("Ressurection") oder aber, wie das neue Werk "A New Reality", eher ratlos machen.

Da wäre als Erstes der Gesang. Geoff Tate war einst einer der ganz, ganz großen Sänger im Metal-Bereich. "Operation Mindcrime" oder sein Beitrag zu HEAR´N´AIDs "Stars" (dem besten Metal Song, der nicht von einer "echten" Band eingespielt wurde), das alles sind Großtaten für die Ewigkeit. Jetzt hat er einen eigenartigen Effekt auf der Stimme und die Magie ist fucked! Er spricht mehr, als er singt, und das funktioniert überhaupt nicht. Es klingt eigenartig, steril, wahrhaftig neben der Spur.

Dann kommt die völlige Orientierungslosigkeit im Bezug auf das Songwriting. Es geht nicht darum, einstige Bravourstücke zu kopieren, aber das über eine Stunde lange Album ist nahezu unmöglich am Stück durchzuhören. Obacht, werte LeserInnen, wer hier ein Rock/Metal-Album erwartet, wird zumindest erstaunt sein. Klar, es kommen genügend Gitarren vor, aber es piepst, sampled und fiept fast die ganze Zeit, ganze Songteile durch passiert dann so gut wie nichts, außer dass ein völlig belangloses Saxophonsolo bei der Studiotür hereinstolpert. Das ist "A New Reality" im Kurzdurchlauf.

Es ist wirklich schwierig, dieses Desaster zu beschrieben. Eine Gemengelage an verschiedensten, ähm, Dingen wird hier unter dem Vorwand, Songs oder überhaupt Musik zu erschaffen auf einen Haufen geworfen und soll ein Album, ein Werk, ein Produkt, was auch immer darstellen.

Da das Album schon seit zwei Wochen heraußen ist, habe ich mir ein paar Reviews durchgelesen und es scheint, als ob die gesamte Journaille der selben Meinung ist: "Was genau, Herr Tate, ist das?"

Es mag sein, dass sich Geoff Tate mit diesem Ding kreativ verwirklicht, aber das kann man auch mit Töpfern, Origami oder Beckenbodengymnastik. Es schmerzt mich wirklich, wenn ich diesem Album beinahe die niedrigste Bewertung gebe, eben weil ich, siehe Anfang, ein Bewunderer seiner Arbeit war. Welcher Gedankengang, welche Intention hinter einem Album wie diesem steht, mag sich mir nicht erschließen.

"A New Reality" ist hoffentlich nicht die neue Realität (wobei, ich schreibe das Review am 16.12.2017...), aber diese Ansammlung von Sounds ist der absolute Tiefpunkt des Schaffens eines der größten Musiker der späten 80er und frühen 90er. Das muss man leider so sagen.

"A New Reality" durchzuhören ist ein Ding der Unmöglichkeit. Es Fahrstuhlmusik zu nennen ist falsch, weil es wirklich aggressiv macht, zugleich aber ist es ungmöglich, dem zu folgen, was da so vor sich geht. Eine Menge Lärm, Effekte, ab und an Rockgitarren, die unsägliche Stimme und das Songwriting liegen bei Null Grad Kelvin.

"Hier stehe ich und kann nicht anders", das ist ein veritables Desaster. Wenn Geoff Tate meint, dass das seine Idee von Rock (?) Musik, oder überhaupt von Musik im allgemeinen ist, dann erfrecht sich ein kleiner Schreiberling aus dem Südwesten der Steiermark und bietet ihm eine Entscheidungshilfe an: Lass es!

Wow, er war schon lange nicht mehr gut, aber so schlecht war er noch nie!

 



Bewertung: 0.5 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (19.12.2017)

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