TANKARD - Wiederveröffentlichung der klassischen Tankard Alben der Noise-Era

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VÖ: 24.11.2017
Bandinfo: TANKARD
Genre: Thrash Metal
Label: Noiseart Records
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Lineup  |  Trackliste

Jetzt haben es auch endlich TANKARD in den erlauchten Kreis der Noise Wiederveröffentlichungen geschafft und liegen nun remastered und mit den Originalcovern vor. Ich weiß jetzt nicht wie es sich mit den Vinyleditionen verhält, aber die CD Versionen sind im Gegensatz zu den sehr lieblosen Original CD Ausgaben ein echter Hingucker. Hm. Was kann man über diese Aufbereitung von Thrashkultur berichten, außer das die 5 Bembelbuben mindestens zwei Scheiben rausgehauen haben, die heute als Klassiker gelten. TANKARD haben sich in ihrer Karriere nie angebiedert, auch wenn Mitte der Neunziger kein Hahn nach ihnen gekräht hat. Demnach schwanken die hier veröffentlichten Platten zwischen Kult, Klassiker und eher entbehrlich bis zu "Bitte sofort wieder vergessen". Die einzelnen CDs/ Vinyls wurden mit Kommentaren zur jeweiligen Platte von Sänger Andreas Geremia und Photos versehen. Hinzu kommt, dass sich auf diversen Platten Bonus Livesongs von der Show im ehemaligen Ostberlin finden. Die gab es damals als Homevideo "Open All Night"

  • Zombie Attack:​ Ein Sammelsurium aus Songs der beiden vorangegangenen Demos "Heavy Metal Vanguard" (sic) und "Alcoholic Metal" (sic) (sic). Ob der Plattentitel schon damals selbstironisch gemeint war entzieht sich meiner Kenntnis. Heute wird der Titelsong ja gerne mal als Live Opener hergenommen, was meine Vermutung in diese Richtung bestärkt. "Zombie Attack" ist ein typisches Debüt Album im damals grassierenden Thrashwahn. Ein gewisser Herr Hetfield meinte seinerzeit, "Die klingen wie eine Mischung aus TANK und DISCHARGE." (Quelle: "TANKARD, Live in Beermuda"). Musikalischer Dilettantismus wird mit Spielfreude, Wildheit und Authentizität wettgemacht. Damals Kult.

 

  • Chemical Invasion: Gilt heute als einer der Klassiker der Band. Eingeläutet von einem geschmackvollem, melodiösem Intro, bricht mit "Total Addiction" ein unglaubliches Geschwindigkeitsinferno über den jetzt wieder nüchternen Hörer herein. Brutalo Thrash mit entgleisendem Güterwagoncharme trifft auf lyrische Perlen wie der oben genannte Opener und Subproletariatshymnen wie "Farewell To A Slut". Musikalische Ausreißer sind das Instrumental "For a  Thousand Beers", und die gelungene, weil mehr Biss als das Original, Coverversion von "Alcohol" der Skatepunk Band GANG GREEN. Hüllentechnisch kommt zum ersten Mal der Karikateur Sebastian Krüger zum Zug.

 

  • The Morning After/Alien: Nach einem kurzen Gespräch mit einer Anrufbeantworterin, zeigen die fünf Bembelbuben, dass sie noch schneller können, als der Osterhase zu Ostern im Klee. Jedoch wird bei aller Raserei das Tempo variiert und so mancher Song glänzt durch Spielwitz und gelungenen Arrangements (F.U.N., Feed The Lohocla, TV-Hero). Mit "Try Again"  werden diesmal die SPERMBIRDS gecovert, außerdem befindet sich mit "Mon Cheri" ein Liebeslied auf der Scheibe. Die chronologisch folgende EP "Alien" findet sich hier als CD/Vinyl Nummer Zwo und bietet durchaus interessante Kost, da TANKARD zum Großen Teil das Tempo aus den darauf befindlichen Songs genommen haben und nur die neu eingespielte Bandhymne "(Empty) Tankard" ordentlich Gas gibt. Die restlichen Nummern bewegen sich im Midtempobereich. Gelungen sind diesmal die Texte ("Alien" und vor allem "66 6 Packs") und die Coverversion des ROSE TATTOO Songs "Remedy". Die Hüllenmotiv von "The Morning After" sowie das kultige Cover von "Alien" steuerte wieder Sebastian Krüger bei.

 

  • The Meaning of Life: Ohne großen Intro Klamauk, man hört nur eine Kneipe zur Sperrstunde, starten TANKARD mit "Open All Night" in das große Highlight ihrer damaligen Karriere. Ist der Opener noch ein bandtypischer Thrasher merkt man jedoch schnell, das sich einiges getan hat im (Brau)hause TANKARD. Bei Stücken wie "Beermuda, "Dancing On Our Graves" oder "Barfly"( Ja genau, es handelt sich hier um die Verfilmung des Buches "Hollywood" von Chales Bukowski) regiert zwar noch immer der beinharte Thrashhammer, so haben sich doch einige Melodien eingeschlichen, die der Band jedoch gut zu Gesicht stehen ("Space Beer"). Mit "Wheel Of Rebirth" gibt es für TANKARD Verhältnisse zur damaligen Zeit sogar progressive(!!) Kost. Das sehr gelungene Cover stammt wiederum von Sebastian Krüger.

 

  • Stone Cold Sober: "Stone Cold Sober" ist die Erste von zwei Scheiben die man getrost vernachlässigen kann. Das Songwriting wirkt schaumgebremst und irgendwie lahm, der Spielwitz vergangener Scheiben kommt auf "Stone Col Sober" kaum zu tragen. Wirklich gute Songideen gehen im beliebigen Allerlei leider unter ("Broken Image", "Nothing In The Past"). Mit "Freibier" gibt es den ersten komplett in Deutsch vorgetragenen Song und der diesmalige Coversong, "Centerfold" von der J.GEILS BAND ist auch eher schwach auf der Brust. Höhrenswert ist jedoch das Instrumental "Of Strange Talking People Under Arabian Skies". Schade drum, denn die Hülle ist echt Killerbiene.

 

  • Two-Faced: Auch diese Platte kann man getrost vernachlässigen, da es so gut wie keine Höhepunkte gibt. Die Band setzt in den Texten durchgehend auf ernste Themen und lassen überhaupt keinen Humor durchblicken. Nein, ein Song wie "Ich brauch' meinen Suff" (Eine Coverversion von den Straßenjungs) ist nicht humorig sondern platt. Auch der Versuch einer Ballade ("Days Of The Gun") geht leider nach hinten los. Sonst regiert eigentlich biedere Belanglosigkeit. Das letzte Krüger Cover aus dieser Zeit ist auch eher fad.

 

  • The Tankard/Tankwart Aufgetankt: Auf "The Tankard" wagen die fünf Schankbuben den Schritt zu Neuem und können durch das eine oder andere Songexperiment punkten. Ist der Opener "Grave New World" noch Hausmannskost wird es später hin schon exotischer. Man schreckt diemal nicht vor artfremden Instrumenten wie zum Beispiel einem Banjo und einer Mundharmonika zurück ("Mess In The West"). Das pfeilschnelle "Minds On The Moon" oder das getragene Poshor Golovar kann mit tollen Gesangslinien glänzen. Bei "The Story Of Mr. Cruel" neigen sich die fünf Schand(k)buben sogar in Richtung Voivod. Absoluter Renner ist aber das bluesige und mächtige "Atomic Twilight". Chronologisch ist der zweite Tonträger, "Tankwart, Aufgetankt", eigentlich vor "The Tankard" erschienen und sollte nach meinem Gefühl her zusammen mit "Two-Faced" daherkommen, wurde die Platte noch 1994 veröffentlicht. "Aufgetankt" setzt sich aus verschiedenen Coversongs aus der NDW und Punkrock zusammen. Brauchte man damals nicht, braucht man auch heute nicht.


Ohne Bewertung
Autor: Hannes Schuhai (02.04.2018)

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