KNARKAREN - ...Put Uninspired Title Here...

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VÖ: 04.04.2017
Bandinfo: KNARKAREN
Genre: Black Metal
Label: Cirsium Kollektivet
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Lineup  |  Trackliste

Wie schon zuletzt KØRPER (Rezension hier), so überraschten mich unlängst KNARKAREN von ebenjenem Label Cirsium Kollektivet, die in eine recht ähnliche Kerbe schlagen, wenngleich hier ein etwas rockigerer Ton vorherrscht. „Feeling blue“ scheint dabei ein Hauptmotiv zu sein, wenn man sich das blaue Artwork mit einem verträumt-traurig gen Boden blickenden Frauengesicht und die blaue Kassette anschaut. Dabei hat man sich für den irgendwie interessanten Titel „… put uninspired title here…“ entschieden, was wohl als bewusster Hinweis auf Non-Konformität mit der sonstigen „Szene“ in diesem Bereich zu deuten ist. Das spiegelt sich auch durchaus in der Musik wider.

Die 25 Minuten, die dieses Demo dauert, vergehen wie im Flug, da das Material erstaunlich abwechslungsreich ist und einen direkt auf eine kleine Reise mitnimmt. Dazu trägt der verhältnismäßig transparente, organische und sphärische Sound ein gutes Stück bei, welcher die deutlich vernehmbaren Bassspuren und die zahlreichen, teilweise ordentlich mit Reverb und Delay versehenen Gitarrenmelodien stets greifbar aufscheinen lässt. Das zeigt sich sogleich im ersten Lied, welches den irgendwie amüsanten Titel „Pissprisms“ trägt. Im folgenden „Throwing up all these sunny sundays“ geht es nach dem eher rockigen Einstieg zum Ende hin immer atmosphärisch-schwarzmetallischer zu, wobei den eingängigen Leads und der gesanglichen Variabilität eine tragende Rolle zukommt. Vor allem an einer Stelle erinnert mich der Song auf eine sehr positive Art und Weise an BASARAB. Bei diesem Lied kann man übrigens auch ohne größere Anstrengung die wiederkehrende Textzeile „Fuck you all!“ heraushören, welche ich immer geneigt bin mitzuschreien. Wenn ich mich nicht täusche, lässt sich diese Zeile nicht nur in besagtem Song vernehmen.

Jene gesangliche Vielfalt trägt im Übrigen einiges zur Kurzweiligkeit dieses Albums bei, denn wo sonst häufig nur sinnlos und ohne Variation gekeift wird, ist hier der Gesang stets an die jeweilige Stimmung, an das, was die Riffs transportieren sollen, angepasst. Wenn als passend erachtet, wird daher auch flüsternd oder klar gesprochen und gar gesungen. Ebenso sind der präsente Bass, die vielseitige Gitarrenarbeit und das sehr akzentuierte Schlagzeug positiv zu erwähnen – kurzum: Es wirkt alles sehr gut abgestimmt, wie aus einem Guss. Als gutes Beispiel dafür ist das vorletzte Stück „Grey birds breeding“ zu nennen, welches wiederum recht rockig startet und am Schluss mit einem klasse Crescendo aufwartet.

In Anbetracht der stilistischen Vielfalt und der sich beim Hören der Scheibe (wie sagt man dazu eigentlich bei Kassetten? Quader?) entfaltenden Wirkung wirkt der Spruch „Melancholy is for the weak“ im Inlay ein wenig selbstironisch. Wenn Melancholie für die Schwachen sein soll, dann ist wohl Depression für die Starken? Mag man ja von mir aus so sehen, aber da dieses Demo von KNARKAREN durchaus etliche Momente hat, welche eher Melancholie verströmen, als dass sie „fett-suizidal-BM“ sind, bleibe ich vorerst bei meiner Einschätzung, dass es sich um eine gewisse Selbstironie des/der Protagonisten handelt. Das Feeling-Blue-Motiv des allgemeinen Erscheinungsbildes scheint dies zu bestätigen, ebenso die bewusste Non-Konformität inklusive Fuck-off-Attitüde.

Wie dem auch sei – KNARKAREN legen hier auf ihrem Erstlingswerk ein durchaus reifes und gut komponiertes Stück Musik vor, welches trotz weitgehender Transparenz mit einem angenehm rauen Demo-Sound daher kommt, der dem Dargebotenen zusätzlich Authentizität verleiht. Gewisse musikalische Parallelen zur „Inanitas“ von KØRPER sowie auch die Labelnähe führen dazu, dass man sich schelmisch am Kopf kratzt und fragt, ob hier nicht zumindest teilweise dieselben Protagonisten am Werke sind. Aber selbst wenn, so sind beide Projekte doch durchaus eigenständig und andersartig genug, um diese Trennung nachvollziehbar zu machen.

Wer also auf ein spannendes, mitreißendes und abwechslungsreiches Demo einer nahezu progressiv wirkenden Mischung aus Depressive Rock und DSBM Lust hat, die stellenweise recht psychedelisch klingt, dem ist angeraten, das Teil mal anzutesten. Das gute Stück kann man bei Bandcamp unter diesem Link vollständig anhören und erwerben. Mein uninspirierter Titel wäre übrigens „Serene fits in a withering harbour“.

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Felix Thalheim (20.01.2018)

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