ALMYRKVI - Umbra

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VÖ: 24.11.2017
Bandinfo: ALMYRKVI
Genre: Ambient Black Metal
Label: Van Records
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Lineup  |  Trackliste

Island und Black Metal ergaben bis vor wenigen Jahren eher selten eine Liebschaft, bis anno 2012 plötzlich SVARTIDAUÐI, die ja immerhin schon seit 2002 bestehen, mit "Flesh Cathedral" eine Blaupase entworfen und damit einer völlig neuen Nische den Weg geebnet haben, den WORMLUST nur ein Jahr danach mit "The Feral Wisdom" zementierten. Plötzlich war nicht mehr nur die SÓLSTAFIR'sche Schwermut gefragt, sondern auch die totale isländische Sonnenfinsternis, so dass beispielsweise MISÞYRMING und SINMARA nur wenig später bereits mit offenen Black-Metal-Fanatiker-Armen empfangen und (zu Recht) mit Lobpreisung angenommen wurden. Es kam, wie es kommen musste: Binnen kürzester Zeit ist aus der einstigen, klitzekleinen und durchaus originellen Senke ein Sammelbecken für uninspirierte Nachahmer geworden, die sich kaum von den Vorreitern unterscheiden, weswegen man als Außenstehender zwischenzeitlich fast den Eindruck hatte, als folge auf der wunderschönen Insel pro Einwohner mindestens eine Black-Metal-Kapelle, mit der man sich fortan auseinandersetzen müsste. Ván Records haben die Chance genutzt, sich mühsam durchgewuselt und ALMYRKVI unter Vertrag genommen, die mit ihrer Debüt-EP "Pupil of the Searing Maelstrom" anschließend deshalb für erstaunte Reaktionen gesorgt haben, weil ihre Formel doch deutlich von der bisherigen Norm abwich.

Die beiden Künstler dahinter sind keine Unbekannten: Sowohl Garðar S. Jónsson als auch Bjarni Einarsson sind fester Bestandteil von SINMARA und verwenden die Ideen, die möglicherweise nicht ganz in das Konzept jener Band passen, unter dem Namen ALMYRKVI, der seit Ende 2017 auch auf einem vollwertigen Album namens "Umbra" prangt. Müsste man unbedingt einen Vergleich bemühen, würde sich der Stil irgendwo zwischen DARKSPACE, BLUT AUS NORD und der isländischen Schwarzmetallriege wiederfinden - eine Fusion, die es in dieser Ausführung tendenziell noch nicht gab und auch dem zuletzt ebenso inflationär vertretenen Space Black Metal einen neuen Reiz verleiht. Was diesem zuletzt abging? Das gnadenlose, alles in sich verschlingende schwarze Loch, also kohärentes Songwriting und düstere Keyboardsphären, die die den endlosen Sog, den Albumfluss initiieren. ALMYRKVI hingegen beweisen auf diesem Gebiet Expertise, überraschen mit geschmackvollen Clean Vocals und weitläufigen Ambientabschnitten ("Vaporous Flame"), großartigen Drumpatterns der anderen Art ("Cimmerian Flame") und atmosphärischer Dichte, die sich durch die gesamte Spielzeit spinnt.

ALMYRKVI ist alles andere als eine halbherzige Liaison überschüssiger Ideen und das Debüt dementsprechend keine lose Ansammlung zusammengefügter Strukturen, sondern ein formvollendetes Kunstwerk, das sich definitiv zu den Black-Metal-Highlights des vergangenen Jahres zählen darf. Magische, kosmische Momente gibt es auf "Umbra" zuhauf und so darf sich zur Abwechslung auch mal wieder der mit zahllosen Kopien gebeutelte Atmospheric Black Metal an einem reifen Original erfreuen, das den eigentlichen Geist dieser Subkultur verinnerlicht hat und dadurch genau die Atmosphäre, die Illusion der Schwerelosigkeit erzeugt, die beispielsweise auch DARKSPACE und MIDNIGHT ODYSSEY schon mehrfach ausgezeichnet hat. Ein wenig Feinschliff noch und das Zweitwerk der beiden Isländer (sollte denn eins kommen) wird ein "Album Of The Year"-Kandidat - daran besteht für mich überhaupt kein Zweifel.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (22.01.2018)

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