DON'T DROP THE SWORD - Path To Eternity

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VÖ: 00.11.2017
Bandinfo: DON'T DROP THE SWORD
Genre: Power Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Selten hat ein Rezensent ein Debüt so sehr erwartet, wie die erste Langrille von DON'T DROP THE SWORD. Als der kleine Schreiberling vollkommen unverhofft über die EP „Into The Fire“ stolperte (Nachzulesen im Flusensieb #5), da ward es in Blitzesschnelle um ihn geschehen. Nach der Begeisterung über das allerfeinste Appetithäppchen muss an dieser Stelle erst einmal Abbitte geleistet werden: Der Rezensent gibt hiermit offiziell zu, sich geirrt zu haben. Nein, nicht wegen ebenjener EP; Vor vielen Jahren einmal, schwor er hoch und heilig, dass niemals jemand an die Göttergaben von Alben, die uns BLIND GUARDIAN zu ihrer stärksten Zeit in den 90ern kredenzten, herankommen würde können. Und dann kamen DON'T DROP THE SWORD, die den Spirit der Gardinen mit der Muttermilch aufgesogen zu haben scheinen und mit ihrem episch-speedigen Melodic Metal genau dort ansetzen, wo die Krefelder Institution mit „Nightfall In Middle-Earth“ aufgehört hatte. Zur Hölle, Sänger Anti trifft sogar die Stimmfarbe eines Hansi Kürsch so ziemlich genau! Was für einen Gänsehauteffekt nach dem anderen sorgt...

DON'T DROP THE SWORD nehmen die Elemente, die die Krefelder einst so populär machten, würzen sie mit ihrer ureigenen Note und verquicken sie zu einem präzisen Geschoss von Album, das einen Blattschuss in das Geschmackszentrum aller Fans teutonisch-melodischen Metals abfeuert. Ein dramatisches, ausladendes Intro ist überflüssig, wenn die Erdinger mit „Guardians Of Light“ vom Stand weg Vollgas geben und bereits im Anschluss mit „Rotten Wings“ den wahrscheinlich besten Ohrwurm dieser durchgängig starken Platte nachschießen. Welchem Metaller der Alten Schule bei diesem packenden Refrain nicht das Herz aufgeht, der soll seine Gehörorgane bitte dringend durchchecken lassen.

Ähnlich zwingend wie die modrigen Schwingen präsentiert sich „Siren Song“, dessen Ohrwurmrefrain sich nachhaltig im Gehörgang festhakt. Die Nähe zu den Krefeldern wird im Akustikklampfen-geschwängerten „Jester's Tears“ ein weiteres Mal deutlich, wenn DON'T DROP THE SWORD ihre eigene Variante bekannter Bardengesänge abliefern. Was fehlt noch? Genau! Ein Titel der sich mit den wohl bekanntesten Thema der Fantasy-Literatur auseinander setzt! Die Interlude „Drums In The Deep“ kündigt es mit unheilschwangeren Trommelklängen aus dem Schoß der Erde an: „To The Proud A Grave“ entführt uns tief in die Minen von Moria und lässt uns dem Balrog ins Auge blicken. Egal ob melancholisch angehaucht wie im dramatischen „Banished To Nightly Realms“ oder episch-kitschig wie im Uptempo-Brecher „King Of The Dragon Age“ - DON'T DROP THE SWORD meistern jegliche an sie gestellte Songwriting-Aufgabe mit Bravour.

Das Faszinierende bei all diesen über das gesamte Album verteilten Referenzen und der unfassbaren stilistischen Nähe zu BLIND GUARDIAN ist aber, dass man zwar ständig das Gefühl hat, der jeweilige Titel könnte von den Krefeldern stammen - doch man zu keiner Zeit Parallelen oder gar kopierte Passagen entdecken kann, die einen Rückschluss auf ein Plagiat liefern könnten, sondern sich zu jeder Sekunde gewahr ist, dass hier die ungleich jüngeren Erdinger aus den Boxen dröhnen. DON'T DROP THE SWORD schaffen es, über eine Stunde Albenlänge hinweg ohne Wiederholungen das Spannungslevel hoch zu halten und das mit einer Lockerheit, wie man sie nur von... ihr wisst schon wem, kennt. Zudem ist die Produktion, dafür dass man es mit einer Eigenproduktion (!) zu tun hat, wirklich 1A geraten. Mit klarem, ansprechend organischem und warmem Ton, der sich wohltuend vom vorherrschenden, leider oftmals zu Tode sterilisierten Sound der letzten Jahre abhebt.

DON'T DROP THE SWORD sind definitiv der heißeste Scheiß, der in den letzten Jahren aus dem deutschen Musikuntergrund hervorgekrochen ist! Umso unverständlicher ist es, weshalb eine Band wie diese noch keinen Plattenvertrag hat, wo doch derzeit von gewissen Labels alles, was bei drei nicht auf dem Baum ist, oder irgendwann in den 80ern eine EP von zweifelhafter Qualität verbrochen hat, released wird. Der Rezensent ist versucht, aufgrund dieser Tatsache und der durchgängig großartigen Leistung die die Erdinger auf „Path To Eternity“ bieten, die Höchstnote zu zücken, besinnt sich aber in letzter Sekunde eines Besseren, da bei dem unfassbaren Potenzial, das in dieser Band steckt, in naher Zukunft noch viel erhabenere Großtaten zu erwarten sind! Zeigt es ihnen!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (06.01.2018)

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