REVOLTING - Monolith Of Madness

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VÖ: 19.01.2018
Bandinfo: REVOLTING
Genre: Death Metal
Label: FDA Rekotz
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Lineup  |  Trackliste

Es ist der nackte Psychoterror, der einen umstellt, wenn man sich mit zitternder Hand der Promo-Version eines neuen Rogga Johansson-Albums nähert. Was soll man zum Mann abertausender Death Metal-Projekte noch schreiben, welches Gagfeuerwerk könnte man zum Einstieg bringen? Egal, durchziehen. Ich habe mich mit mir darauf geeinigt, dass man mit dem Output von PAGANIZER und REVOLTING oftmals etwas anfangen kann, und da er mit ersteren bereits letztes Jahr erfolgreich war, dürfen heuer zweitere mit "Monolith Of Madness" nachlegen und damit meine Theorie bestätigen - oder etwa nicht?

Zunächst ein kleines Gedankenspiel: Stellt euch einfach mal vor, in einem beschaulichen Örtchen, irgendwo in Schweden, findet an einem lauen Sommerabend ein Klassentreffen statt, bei dem auch Revolting Rogga seiner Zusage nachkommt, in metallischer Vollmontur erscheint und von vielzähligen Blicken regelrecht durchbohrt wird. Die anfängliche Skepsis legt sich, die alten Kollegen schwelgen in Nostalgie, bis plötzlich einer der einst engsten Freunde des Death Metal-Tausendsassas, dreifacher Doktortitel, Doppelmaster und Familienvater mit vier Kindern, einer protzigen Villa, zwei Hunden und einem großflächigen Gartenteich mit einem domestizierten, veganen Haustier-Alligator darin, ihn fragt, was er denn in den vielen Jahren seit dem Abschluss alles so getrieben habe, und der gute Roger Johansson ihm trocken entgegnet, dass er irgendwo in der skandinavischen Einöde wie ein Eremit lebt, schwedischen Death Metal in rauen Mengen vertickt und dabei lyrisch endlos viele Menschenopfer auf bestalischste Weise hingerichtet hat und so zu einer der schillerndsten Figuren des neuzeitlichen Extreme Metal wurde. Zack, die Kinnlade fällt so hart zu Boden, dass sie umgehend mit ihm verwächst und sein ehemaliger Sozius im Moment darauf von ernsthaften Existenzängsten heimgesucht wird. Sad.

Was das mit "Monolith Of Madness" zu tun hat? Rein gar nichts, aber ich wollte es trotzdem mal erwähnt haben. Wobei: Wenn man die Geschichte genauer betrachtet, könnte man zumindest eine Parallele zu dem Thema Masterarbeit ziehen, denn mit dem sechsten REVOLTING-Album legen Revolting Rogga sowie seine Kollegen Grotesque Tobias und Mutated Martin quasi die ihrige im melodisch intensivierten Death Metal ab. Den schwedischen Kreativitätspreis wird man damit zwar nicht gewinnen, dafür aber die nach Nachschub geifernden Fanhorden, die auf kompromisslose Buzzsaw-Riffs sowie typisch schwedisches Harmoniengebälk abfahren und dabei sogar eine Prise Selbstironie (man betrachte einfach das Cover oder Songtitel à la "Broomstick Legions") tolerieren können. Produktionstechnisch konnte man sich über die letzten Jahren kontinuierlich steigern, der Sound röhrt wuchtig aus dem heimischen Klanggeber und dürfte mit zum Besten zählen, was man auf einem Rogga-Album je zu hören bekam, was aber nur halb so viel wert wäre, wenn sich das Songmaterial nicht von Beginn weg und über die gesamte Spieldauer auf sehr hohem Niveau bewegen würde.

Genau das tut es aber. Bahnbrechenden Abwechslungsreichtum darf man selbstverständlich nicht erwarten, dafür aber imposantes Geholze durch den nordischen Forst ("Cadaver Patrol" und "Night Of The Tentacles"), leicht gedrosselte Groovehämmer mit schneidigen Rhythmen ("A Wedding For The Dead" und "Ode To Hastur") und ein überraschend hohes Maß an Eingängigkeit, das nicht zuletzt durch die ebenfalls üppig einströmenden Trademark-Melodien ("From Out The Deep" ist ein wunderbares Beispiel dafür), die die ohnehin schon geilen Riffs stimmig in Szene setzen, erreicht wird.

Vereint man das nun mit dem Aspekt, dass man "nur" etwas mehr als 35 Minuten Lebenszeit des Hörers berappt, kann man "Monolith Of Madness" einen kurzweilig-unterhaltsamen Charakter beimessen und eine Kaufempfehlung für Liebhaber der alten schwedischen Death Metal-Schule aussprechen. Man muss sicherlich nicht jedes einzelne Projekt dieser nordischen Allzweckwaffe gehört haben, aber REVOLTING gehören nebst PAGANIZER und THE GROTESQUERY sicherlich zu den ersten Anspielstationen, wenn man mal wieder seine tägliche HM-2-Injektion braucht. Zumal ich persönlich noch festhalten muss, dass mir "Monolith Of Madness" und zuletzt auch "Land Of Weeping Souls" von PAGANIZER weitaus besser als die aktuelle Durchschnittskost aus dem Hause ENTRAILS oder auch die der vermeintlichen Flagschiffe aus Deutschland gefallen hat, weil das Werk des Schweden trotz allem immer noch leidenschaftlicher und an manchen Stellen sogar frischer klingt.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (30.01.2018)

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