TRIBULATION - Down Below

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VÖ: 26.01.2018
Bandinfo: TRIBULATION
Genre: Dark Metal
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste

Die Schweden TRIBULATION (übrigens nicht zu verwechseln mit den anderen Schweden, den Chilenen, den Norwegern und den beiden amerikanischen Combos selbigen Namens…) standen immer schon ein wenig abseits vom Schwarzwurzel-Einheitsdickicht. Mit dem vierten Album „Down Below“ driften sie nun jedoch noch weiter romantisierend in die Ecke früher TIAMAT oder SAMAEL. Schnörkelloser, oftmals sogar vom New Wave (!) und Gothic Rock beeinflusster Dark Metal, der zwar immer ein wenig „black“ und „progressiv“ angehaucht sein kann, sich trotz genannter Genres aber oft einer real existierenden Schublade entzieht. Ob ein Teil der „neuen“ Einflüsse dem Drummer-Neuzugang Oskar Leander geschuldet sind, der ja früher mit den DEATHSTARS halbwüchsige Goten-Gören zum Feuchtwerden animierte, sei mal dahingestellt – TRIBULATION klangen in Ansätzen ja schon auf dem Vorgänger „The Children Of The Night“ so, oder zumindest so ähnlich.

Das Einzige, was man hier eindeutig noch im Black Metal festmachen kann, ist wahrscheinlich der gurgelnd-gutturale Gesang von Johannes Andersson, der sich zwar meist gut ins Gesamtbild einfügen kann, ab und zu aber doch mit den allzu melancholischen Melodien kontrastiert. Das klingt dann etwas schräg, aber auch irgendwie schaurig-schön. TRIBULATION folgen nicht der obligaten Formel „aus Alt mach Neu“, sondern erweitern diese Gleichung auf „aus Alt und Neu mach Anders“. Dass die Rechnung auch gut aufgeht, beweisen etwa das tolle, abwechslungsreich gestaffelte „Nightbound“, das mit großartigem Riffing und viel Tragik vollgepackte „Cries From The Underworld“, der perkussiv-hymnische Stampfer „The World“ (der nebenbei auch ein wenig an PARADISE LOST erinnert) oder der getragen-dramatische Ausstieg „Here Be Dragons“.

Dazwischen gibt’s mit „Lacrimosa“ einen – im Kontext - relativ schnellen Song, der am ehesten an „alte“ TRIBULATION erinnert, das um große Melodiegerippe herum konstruierte „Lady Death“ (wurde bereits im Dezember als Single ausgekoppelt), den etwas schüchternen Midtempo-Opener „The Lament“ und „Subterranea“, das sich anfangs etwas versperrt, aber mit ausgeklügelten Details punkten kann. Die Song-Reihenfolge ist hier absolut rund und schlüssig, erinnert an ein Theaterstück in zwei Aufzügen - das kleine Interludium „Purgatorio“ teilt die Geschichte aber nur oberflächlich in der Mitte. Qualitativ begeben sich TRIBULATION hier abseits vom üblichen Muskelspiel in erhabene Höhen, die sie auch selten bis gar nicht verlassen. Hier passt einfach jeder Schlag, jeder Akkord, jede Bridge und jeder Piano-Ton, ohne dabei ein zu durchkonstruiertes Werk zu erschaffen. Alles kommt hier immer noch aus dem Bauch und geht auch genau wieder dorthin.

„Down Below“ hat somit mehr mit entschleunigten Bands wie SARKE, VREID oder eben den erwähnten TIAMAT und PARADISE LOST gemeinsam als mit dem Gros der Panda-Höppel-Fraktion, und tönt trotz einiger schwelgerischer Vergangenheits-Querverweise in irgendeiner Weise visionär und zukunftsweisend. Das tut der Band gut, und auch der Hörerschaft, denn der Brückenschlag zwischen dem klischeebehafteten Gothic-Rock und dem nicht minder stereotypen Black Metal erfordert neben viel Mut vor allem eines: Eier.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Mike Seidinger (24.01.2018)

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