SYMPULS-E - Mirror City

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VÖ: 02.10.2017
Bandinfo: SYMPULS-E
Genre: Melodic Death Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Melodic Death Metal – ein Genre, das in seiner Bandbreite die Größen und Spannungen schon gesehen hat. Ein Genre, in dem alles schon mal da war und am Ende doch alles irgendwie gleich klingt. Ein Genre, das irgendwie mit Bands wie CHILDREN OF BODOM und Co. gewachsen und gefallen ist. Oder? 

Naja, nicht ganz. Immer wieder schießen vereinzelt Melo-Death-Truppen aus dem Boden, die dermaßen draufhauen und reinknallen, dass man sich an die Hochblüte des Genres zurückerinnert fühlt und fast schon ein emotionales Geballer-Revival erlebt. Manchmal gräbt man dann alte Scheiben aus und genießt die Nostalgie glorreicher Instrumental-Schlachten und High-Speed-Gefriemels. Oder man greift einfach nach Silberlingen wie der neuen „Mirror City“ von SYMPULS-E, die dem Genre mal eben den Defibrillator angelegt und auf volle Leistung gezündet haben. Für die Russen ist es noch lange nicht vorbei mit den Virtuosen-Schlachten an Klampfe und Keyboard, und Langeweile im Sinne von „das hat man alles schon mal gehört“ kommt erst recht nicht auf. Das ist auch gut so! Da, wo die Zeit anderer namhafter Bands schon gelaufen ist, setzen SYMPULS-E mit ihrem Sound an und treiben es noch einmal richtig auf die Spitze. 

Hier wird tatsächlich nicht weniger verbastelt als der absolute Anspruch, ein großartiges Album zu kreieren. Das durch die nicht erzwungen brachialen Screams und Clear-Vocal-Einlagen ins moderne Licht gerückten neun Songs sind unterlegt von keineswegs langweiligen Melodieteppichen mit interessanten Windungen. Im Gegensatz zu „traditionellem“ Melo-Death wird hier mehr Wert auf Tempowechsel, Bridges oder Breaks gelegt, was dem ganzen einen feinen Hauch von progressiver Duftnote verleiht, ohne dabei wirklich in diese Richtung abzuschweifen. SYMPULS-E sind mit „Mirror City“ zu direkt, zu melodiös, zu nahe an den Traditionen, als dass sie ein neues Genre erfänden. Und dennoch haben sie so viel vom alten Staub abgeschüttelt, um nicht im abgenutzten Scheinwerferlicht zu glänzen. 

„Mirror City“ hat im Gegensatz zum Vorgänger „Solarstorm“ durchaus dazugewonnen. Ecken und etwas raue Eigenarten wurden ausgebügelt, etwas zu „progressive“ Windungen, die dem Hörgenuss vielleicht etwas eigenartig auffielen, sind nun auf der neuen Scheibe verschwunden. Dies kann man der Band aber gleichzeitig auch vorwerfen, sollte man auf Ecken und Kanten stehen. „Mirror City“ wirkt ausgereifter, ausgewachsener, aber auch zugänglicher und ist geradezu leichte Kost, ohne dabei langweilig zu wirken. Erneut liegt es an jedem selbst, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Persönlich gesehen kommt „Mirror City“ von SYMPULS-E einer Meisterleistung gleich, deren einziger „Fehler“ darin besteht, zu eingängig zu sein und in ihrer Gefriemelei am Ende doch mehr als ein Gesamtbild, denn als einzelne, eigenständige Songs daherkommt. Nichtsdestotrotz eine großartige Leistung der Russen. 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lisi Ruetz (23.01.2018)

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