PURPLE BONSAI - Dreamcatcher

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VÖ: 10.02.2018
Bandinfo: PURPLE BONSAI
Genre: Heavy Rock
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Drei Jahre haben die Oberösterreicher von PURPLE BONSAI in ihr Album „Dreamcatcher“ investiert, und die harte Arbeit hat sich ausgezahlt. Trotz einiger Längen (sprich: ein paar Songs hätten vielleicht etwas mehr Tempo vertragen) können die dreizehn Tracks mit tollen Drehs, Kniffen und viel Humor in den Lyrics punkten, und musikalisch wurde das Ganze auch top umgesetzt, mit druckvollem Sound und einer transparenten Produktion (das Mastering wurde Christoph Stickel anvertraut, der auch schon  GOTTHARD oder den ÄRZTEN die finale Politur verpasst hat). Die Herren beherrschen ihr Metier und wissen, wie man nachhaltigen Hardrock zimmert, ohne dabei zu überladen oder kitschig zu klingen.  Als Gast durfte Freddy Gigele (ex-NO BROS) den Track „Wrong Man“ stimmlich veredeln, und Marco Hadzic von RED MACHETE steuerte ein Solo auf „Lost In Kansas“ bei. Sänger/Bassist Norbert Ploberger selber hat irgendwo sein eigenes Timbre gefunden, und es schwankt immer zwischen ein bisserl Biff Byford (SAXON) und dem Lessmann-Clausi (BONFIRE).

Natürlich schreibt man in diesem Metier heute keine Musik mehr, die allerorts für offene Münder sorgt. Aber hier geht’s auch eher um ein homogenes, erdiges Album, mit dem man sich auf Augenhöhe anfreunden und auseinandersetzen kann. Die Lyrics sind, wie auch der Bandname, sehr augenzwinkernd ausgelegt und man spielt hier und dort auch durchaus gelungen und bewusst mit den gängigen Hardrock-Klischees, etwa in der Hymne an die Ladies „Princess In My Mind“ oder „Lost In Kansas“, einer Ode an die Dragsterfahrerin Kathy Mile (…was es nicht alles so gibt!). High Heels und Benzingeruch, mehr Hard Rock geht ja fast eh nicht. Im Gegensatz dazu geht es in „On Purple Wings“ um Fuchur. Um FUCHUR! Ja, genau. Dieses zottelige Flughund-Dings aus der „Unendlichen Geschichte“, das jeder kennt und liebt (oder hasst, je nachdem). Aber war der nicht eigentlich weiß…? Egal, der Song hat von balladesk bis fetzig und groovy alles drin, was ein gutes Lied eben so braucht. Man merkt zu jeder Sekunde des Albums - das mit „Mr. Universe“ eigentlich nur einen Song beinhaltet, der nicht an das restliche Material herankommt - dass hier mit Spaß an der Freud‘ musiziert wird und dass man es trotz eher reiferen Alters immer noch durchaus ernst meint.

Denn PURPLE BONSAI sind alles, nur keine Hobby-Band. Dafür sind Songs wie das auch in den Texten relativ ernste „God Paints“, das mit Fanfaren und Chören hymnisch aufgepeppte „New World“ oder das einprägsame und gleichsam etwas eigenwillige Eröffnungsduo „Dreamcatcher“ / „Wrong Man“ zu ausgereift und geben wahrscheinlich nicht nur mir den Eindruck, dass aus dem Hause der lilafarbenen Zwergbäumchen noch mehr zu erwarten ist. Insgesamt ein feines Debut, das nicht nur für Freunde des gepflegten Hardrocks interessant sein wird, sondern generell für Menschen, die auch mal mit dem Bauch hören können. Am Ende muss ich aber noch eines loswerden: das als Bonustrack beigefügte „Weil Ihr Die Schmerzen Nicht Kennt“ hätte man sich am Ende schenken können, nicht nur wegen der etwas schwülstig tönenden deutschen Lyrics, sondern weil es insgesamt ziemlich mau ist. Ansonsten: Sehr gut! Weitermachen!



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Mike Seidinger (14.02.2018)

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