KÜENRING - Küenring

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VÖ: 27.12.2017
Bandinfo: KÜENRING
Genre: Heavy Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Da sind sie wieder, die niederösterreichischen Heavy Metaller mit dem ersten vollen Album von KÜENRING. Selbstbetitelt und über 50 Minuten gibt es traditionellen Metal Marke 80er zu bestaunen. Was hat sich getan seit der schon sehr starken 2013-er EP "The Nameless Fallen"? Fürs Erste gibt es einen neuen Mann an den Drums, Sebastian Sauer ersetzt Gerald Pregartner. Sein Live-Debüt gab er im "DasBach" in Wien am 25. November 2015. Einige Gigs folgten in den Jahren und 2016 enterte man schlußendlich das Audio35-Studio, um das nunmehr seit dem 27.12.2017 vorliegende Erstlings-Album einzuspielen.

Und der Wechsel in ein Studio hat den Jungs gut getan. Das Album hat einen herrlich organischen Sound der sich deutlich vom Vorgänger abhebt und der Band zusätzlichen Impetus gibt. Das Album knallt anständig ohne sich auch nur eine Sekunde an den derzeitigen klinisch-lauten Produktionen zu orientieren. Das ist 80er-Sound wie er besser nicht klingen könnte. Knallhart und dynamisch hauen die Jungs aus Großschönau-Steel-City sieben überlange, aber nie beliebige Stahljuwelen aus der Esse und schaffen es trotz deutlicher Einflüsse ihrer Vorbilder (das "Powerslave"-Riff beim Opener "Streetfight" (erstmalig auf der "Death Awaits"-EP zu hören gewesen) hat mich zum Schmunzeln gebracht) eine eigene Note in ihre Musik einfließen zu lassen.

Das liegt natürlich auch am Gesang von Stefan Gutenthaler, der auf den EPs noch ab und an etwas angestrengt wirkte, auf "Küenring" aber einen äußerst souveränen Job abliefert und eigentlich klingt wie kein anderer Sänger im Genre. Alleinstellungsmerkmale, wie es sie im Heavy Metal der 10-er Jahre kaum gibt!

Das schon erwähnte "Streetfight" eröffnet mit einem MÖTLEY CRÜE-Riff gefolgt von "Powerslave". Sensationell, dass man den Song den Jungs trotzdem als ihren eigenen abnimmt. Ich wiederhole mich: Alleinstellungsmerkmale sind es, die einem das Überleben in der Metalwelt der Jetztzeit sichern können.. Siebeneinhalb Minuten und keine Sekunde Langeweile. Geht doch, Herr Harris.

 

 

"Into The Night" glänzt mit einer ausladenden Mitte in der herrlich MAIDENesque Rhythmen rezitiert werden. Nur, ich weiß es wird alt wenn ich wieder davon anfange, besser als es die Eastender seit langem zustande bringen. So zeigt eine junge Band aus Niederösterreich den ehemaligen Platzhirschen wie man das eigene Vermächtnis aktuell und packend interpretieren könnte und im gegebenen Fall kann.

 

"Odyssey" ist der Entwicklungsroman, quasi eine Coming-Of-Age-Story. Getragen, auf einem simplen Riff ruhend, erzählt der Gesang eine Geschichte der Irrungen und Verwirrungen. Schöne gitarrenseitige Harmonien und ein paar technische Einlagen lockern den ohnedies schon guten Song noch auf und hier zeigt Stefan Gutenthaler, wie sehr er sich gesanglich weiterentwickelt hat. Er steht noch immer etwas neben der Spur, aber genau das macht einen riesigen Teil der Klasse des Albums aus. Hoch und noch höher singen ohnedies schon tausende Drachentöter und Jungfrauenschänder mit schönen Haaren. [Anm. d. Lekt: I see what you did there...] Die eigenwilligen Vocals hier passen absolut zum Sound. Der Song selbst ist wieder sehr MAIDEN-lastig, aber ich bin froh, dass es eben auch für den enttäuschten MAIDEN-Jünger wie mich noch Variationen des einst so sehr geliebten englischen Eisens gibt. 

Stück Nummer Vier, "Autumn", ein Instrumental auf stromlosen Gitarren, kennen wir schon von "The Nameless Fallen".

"The Unknown" verzaubert mit simplem, aber effektivem Riffing und einem herrlich österreichischem Englisch. Der Song hat einen gnadenlosen, fistraisenden Chorus, das Riff darunter ist herrlich derb und auch hier haben wir wieder diese fast schon als Trademark zu bezeichnende, superbe Solo-Arbeit. Gitarrensoli sind eben nicht nur Selbstzweck sondern können, wie hier,  die Klasse eines Songs unterstreichen. Hört Euch das gnadenlos geniale Solo nach Minute 5:30 an und ich schwöre, ihr findet Euch auf Euren Knien wieder. Grandios! Der Song ist definitiv das Highlight auf dem Album.

"Dawn" ist ein kurzes Interludium, danach gibt es mit "Hounds Of Kuenring" den Song der uns einen erneuten Besuch der Gebrüder Hadmar und Heinrich von Küenring beschert. Ein Epos wie schon von der "The Nameless Fallen" bekannt, diesmal aber mit Topsound. Während bei vielen trven Bands die Rhythmusgitarren gerne etwas soft vor sich hin klampfen, gibt es von KÜENRING bei jedem Song Heavieness pur. Der Song ist jedem KÜENRING-Jünger bekannt und im Chorus darf auch gerne mitgeshoutet werden. Der ausladende Mittelteil würde wohl nur durch ein "Scream For Me, Großschönau" aufgebessert werden können. Die Jungs waren schon früh in ihrer Karriere in der Lage, lange Epen zu schreiben die funktionieren, solide aufgebaut sind und dem geneigten Hörer diesen weltentrückten "Narrenkastl-Schauen"-Blick bescheren. 

Zum Abschluss gibt es die aktuelle Version von "Rise Of The Madman", den knackigen Thrasher den ich dereinst schon als "alte KREATOR" bezeichnet habe. Ein wenig erratisch, aber ein solider Abschluss eines hochklassigen Albums.

Fazit: sehr starkes Debütalbum mit zum Teil deutlich verbesserten Songs von den vorangegangenen EPs. Zusatzpunkte für den Spitzensound. In einer Welt voller polierter Hochglanzprodukte die sich durch genau Nichts voneinander unterscheiden, sind Bands wie KÜENRING eine Wohltat und mit dem Debütalbum sind sie wirklich ganz vorne dabei.

Hier gilt es, den Untergrund zu unterstützen. Zu beziehen ist "Küenring" über alle bekannten Digitalportale und physisch via Bandcamp.

Grandios!

Echt!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (10.02.2018)

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