KAWIR - Exilasmos

Artikel-Bild
VÖ: 03.11.2017
Bandinfo: KAWIR
Genre: Black Metal
Label: Iron Bonehead
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Die griechische Geschichte bietet sich für Themenbereiche rund um diverse Metalgenres bestens an. Doch es müssen ja nicht immer die wackeren Spartaner und ihre Schlachten sein. KAWIR entstammen dem wunderschönen Hellas und gehen etwas tiefer in die Materie. Genauer gesagt wird es auf  “Exilasmos“ ziemlich dramatisch. Man vertont die Geschichte der Häuser Lavdakides und Atreus, die sich solange munter bekämpften, bis es dem guten Zeus zu viel wurde und er beide Häuser verfluchte. Und wie wir alle wissen, endet sowas nie gut. Also ein perfekter Stoff für die Black Metal-Veteranen KAWIR, die bereits seit 1993 lärmen, was das Zeug hält.

Zur Thematik passend gibt man sich im Vergleich zu den Vorgängerwerken düsterer und weniger folkig. Hier gibt es keinen Grund, um zu Schunkeln, obwohl man nicht den Fehler macht und auf das zur Thematik passende Drama in Form von Chören und Melodien verzichtet. Schließlich hatten KAWIR bei allem Hang zur Epik immer schon eingängige Songs, die vor allem durch das gelungene Gitarrenspiel überzeugen konnten. So zum Beispiel beim melodischen “Oedipus“ oder dem prägnanten, im Midtempo gehaltenen “Lykaon“ nachzuhören.

“Agamemnon“ orientiert sich wie kein anderer Track des Albums an altertümlichen Weisen – das Meer rauscht, die Trommeln setzen ein, seltsamerweise an AGATUS erinnernde Chöre (was hier kein Zufall ist, wenn man auf die involvierten Personen achtet) setzen ein, bis der Black Metal zum Vorschein kommt. Nach dem großen Epos setzt man mit “Orestes“ auf einen ungewöhnlich aggressiven Song, der so aber voll und ganz überzeugen kann. Auch hier macht das thematisch zur Gänze Sinn, schließlich war Orestes ein Mann voller Wut, der seine Mutter Clytemnestra und ihren Liebhaber in Rage ermordete, da die frustrierte Clytemnestra dem Leben seines Vaters Agamemnon ein tragisches Ende setzte. Natürlich wird auch Orestes nach der Rache nicht glücklich und wird verfolgt von den Stimmen der Furien (in die sich Sänger Porphyrion hysterisch reinzusteigern scheint), die in der griechischen Geschichte auch für die Schuld stehen und Menschen heimsuchen, die mit ihren eigenen Gräueltaten zu kämpfen hatten. Zum Glück war das Ende zumindest für Orestes dann doch noch versöhnlich, da die weise Athene ihn retten konnte.

KAWIR haben sich also so einiges vorgenommen, denn das geschickte Vertonen von solch epischer Chose ist kein Zuckerschlecken. Großteils gelingt ihnen das auch sehr gut. Doch warum gibt es dann nur 3,5 Punkte? Ganz einfach, die Vocals sind mir persönlich etwas zu gleichförmig und an mancher Stelle wird mit dem (aber zur Thematik passenden) Pathos etwas übertrieben. Sei’s drum, “Exilasmos“ hat viele sehr schöne Momente und ist ein stark zu empfehlendes Werk für alle, die ihren Black Metal nicht nur roh genießen, sondern auch auf den Inhalt achten und schöne Melodien lieben. 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: El Greco (17.02.2018)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: Rockhouse Bar
ANZEIGE