LETTERS FROM THE COLONY - Vignette

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VÖ: 16.02.2018
Bandinfo: LETTERS FROM THE COLONY
Genre: Progressive Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

Wie schon BLEEDING GODS vor wenigen Wochen, gehören auch LETTERS FROM THE COLONY zu den auserwählten Nuclear Blast-Newcomern, die das noch frische Jahr 2018 einleiten und im grünlich-schwarzen Scheinwerferlicht des Labels baden dürfen, können und sollen. Auch die Schweden zählten bislang eher zu den unbeschriebenen Blättern, konnten mich zumindest aber bereits in der Promotionphase zu ihrem Debütalbum "Vignette" mit visuell beeindruckenden Videos sowie dazu passender musikalischer Begleitung überzeugen und damit zu einer Albumbesprechung überreden.

Eine leichte Aufgabe hat sich die junge Formation, die ihre Fahrtrichtung mit modernem Progressive Metal vorgibt, aber nicht gestellt: eine knappe Stunde Spielzeit, dazu ein stilistischer Rahmen, den einige namhafte Bands wie z.B. PERIPHERY oder auch BETWEEN THE BURIED AND ME bereits komplett ausgefüllt zu haben scheinen - vieles deutet daraufhin, dass die fünf Skandinavier trotz ihrer Ambitionen unbemerkt untergehen könnten. Dabei verfügt "Vignette" neben einem hohen Maß an Musikalität auch einen dezent aufgetragenen (Technical) Death Metal-Einfluss, der sich vor allem in der Anfangsphase um "Galax" und "Erasing Contrast" desöfteren zu erkennen gibt. Spannend ist auch, wie LETTERS FROM THE COLONY in diesen ersten Minuten gewandt zwischen progressiv-vertrackten Frickeleien, intensiven Polyrhythmen und harmonisch-atmosphärischen Post-Rock-Abschnitten balancieren und die jeweiligen Übergänge schlüssig pointieren.

Auch ohne den Einsatz von Clean Vocals oder ähnlichem Beiwerk schafft man es, dass man trotz des technischen Anspruchs und der Stilsprünge vergleichsweise rasch Zugang zu "Vignette" findet, weil die integrierten Melodien stets zum richtigen Zeitpunkt (auf das eher hitzige, passend betitelte "The Final Warning" folgt so bspw. das beruhigende Interlude "This Creature Will Haunt Us Forever") einsetzen und das sonst so anspruchsvoll-dichte Soundgewand, das sich gerne auch mal von MESHUGGAH ("Cataclysm" erinnert an "Bleed") inspirieren lässt, auflockern. Nichtsdestotrotz hat LFTCs Debüt gerade im zweiten Abschnitt seine Längen, die paradoxerweise aber nicht im zwölfminütigen Titeltrack, der nicht nur das gesamte Werk, sondern auch den Stil, den die Band bereits zu diesem frühen Zeitpunkt in der Karriere entschlossen ausführt, repräsentiert, zu finden sind, stattdessen aber in den etwas zu schleppenden "Terminus" und "Sunwise". Hier gilt allerdings auch festzuhalten, dass dadurch kein nennenswerter Bruch eintritt, weil "Glass Palaces" dazwischen mit sphärischen Melodiebögen zu schlichten weiß.

Alles in allem ist LETTERS FROM THE COLONY mit "Vignette" aber sowieso ein beachtenswertes Debütalbum gelungen, bei dem sich vor allem die musikalische Reife, mit der die fünf Schweden bereits agieren, hervorheben kann. Ob sie sich damit im doch sehr dicht besetzten Progressive Metal durchsetzen können werden, wird sich zeigen müssen, aber da man trotz diverser Parallelen zu anderen Künstlern (und Vorbildern) immer wieder zu eigenen Ideen findet, kann man von außen zumindest nicht ernsthaft behaupten, dass sie sich als billige Kopie oder Tribut an ihren Inspiratoren abarbeiten würden, denn das würde LTFC und "Vignette" schlichtweg nicht ganz gerecht werden. Über alles andere wird womöglich schon das zweite Album Aufschluss geben.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (20.02.2018)

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