A GHOST NAMED ALICE - Feels Like Suicide

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VÖ: 14.02.2018
Bandinfo: A GHOST NAMED ALICE
Genre: Modern Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Was ich jetzt schreiben muss, tut mir eigentlich in der Seele weh. Dass die musikalischen Qualitäten der teilnehmenden Personen nicht zwangsläufig Rückschlüsse auf das Endergebnis schließen lassen, ist durchaus bekannt und wird an mancher Stelle auch immer wieder strapaziert. Wenn man dann allerdings gezwungen wird, diesen Stempel geschätzten Bekannten und guten Freunden aufdrücken zu müssen, dann wird es einem richtiggehend schwer ums Herz. Klar, man könnte sich an dieser Stelle einfach ein paar nichtssagende Floskeln aus den Fingern saugen, eine akzeptabel gute Bewertung darunter pappen und gut isses. Oder aber, man tut das, was man eigentlich sollte: Ehrlich sein, in den sauren Apfel beißen und die im Kopf herumgeisternde Kritik auch anbringen.

Im Falle von Martin Mosers Baby A GHOST NAMED ALICE, gibt es so einiges zu sagen und auch zu bemängeln. Durch qualitätsbewusste Würfe im Extreme-Unterground bekannt (etwa SCARGOD), lag die Versuchung nahe, sich auch einmal außerhalb des extrem-metallischen Mikrokosmos' zu versuchen. Mit einer Band mit der man endlich wieder die Bühnen dieser Welt rocken könnte, schnörkellos, kompromisslos und ohne digitaler Instrumente vom Band – so beschreibt es der mitgesendete Promosheet. Ein löbliches Unterfangen, für das auch potente Mitstreiter in Form von Gitarrist Dominik Sebastian (EDENBRIDGE, SERIOUS BLACK, THIRDMOON) und der von STORMHAMMER im Vorjahr überraschend vor die Türe gesetzte Gesangshüne Jürgen Dachl gewonnen werden konnten.

Dass aus Kooperationen über Landesgrenzen hinweg bisweilen etwas Großes entstehen kann, wissen wir ja bereits, und die Tatsache dass die beteiligten Namen (ergänzt durch Mario Lochert an den Reglern des Dreamsound-Studios in München) ausnahmslos für Qualität bürgen, lässt dann doch gewisse Erwartungen aufkeimen. Die Eigenbeschreibung als „THE Austrian-German Progressive Power/Melodic Thrash Metal Sensation“ schraubt die Erwartungshaltung dann gleich noch einmal ein Stückchen nach oben [Hui! Wieder ein neues Genre! Anm.d.Korr.].

Umso ernüchternder ist das Gebotene, in Form des acht Titel umfassenden Debüts „It Feels Like Suicide“, denn „sensationell“ ist hier leider kaum etwas. Zunächst fällt vor allem der relativ flach geratene, ausdruckslose Sound auf (die Becken sind bestenfalls ein Papierrascheln), den man für ein Demo oder den ersten Wurf der x-ten Nachwuchskapelle noch durchgehen lässt, der aber anhand der renommierten Beteiligten für Fragezeichen über dem Kopf sorgt. (Nach Rücksprache mit der Band klärt sich auf: Es handelt sich um Demoaufnahmen, was den Sound erklärt.) Alles nicht so schlimm, wenn das Songmaterial in der Folge überzeugen könnte – was, trotz einiger guter Ansätze, aber ebenfalls so ziemlich in die Hose geht. Die gesamten, in der Eigenbeschreibung vermerkten Stile sind zwar mehr oder minder vorhanden, konkurrieren im bemüht progressiven Grundgerüst jedoch mehr miteinander, und beißen sich, anstatt zu einem halbwegs harmonischen Ganzen zu verschmelzen.

Bereits der Opener „Wolfchant“, mit seinem etwas eigenartig wirkenden Stilbruch von harmonischem Auftakt zu einer räudigeren Gangart nach nicht einmal einer Minute Spielzeit, mag nicht so wirklich zünden. Die Mischung an sich wirkt unausgegoren, als ob man Versatzstücke aus mehreren Stilistiken aneinandergereiht hätte, ohne sich viele Gedanken um die Verbindung zu machen. Der kernige und ein Stück flottere Folgetitel „War Dogs“ präsentiert sich musikalisch gereifter, dafür liegt wiederum gesanglich einiges im Argen. Die Gesangslinie wirkt dissonant und agiert dadurch beinahe entkoppelt von dem an und für sich runden, eher thrashig orientierten Song.

Die gleichen Anleihen hat man bei „Darkened Halo“ besser verpackt, dennoch wirkt auch hier Jürgen Dachls kraftvolle Gesangsstimme nicht so, wie man es von dem hünenhaften Sänger gewohnt ist. In dieser Tonart geht es dann auch weiter, denn weder das reichlich unspektakuläre „When Luck Is With The Stupid“ noch die schleppend-brachiale Rifforgie „Followers“, in der sich der Gesang erneut nicht mit der musikalischen Untermalung zusammenfinden mag, können überzeugen. Am Stärksten im Gesamtpaket entpuppen sich noch die nur von Klavier und Streichern unterlegte Ballade „Greatest Gift“, sowie „Sagittarius A*“, das mit einer knackigen Hookline im Chorus und starker Gitarrenarbeit zumindest über weite Strecken überzeugen kann. Im als Bonus dazu gehängten Demo „Diary Of Life And Death“ entdeckt man weitestgehend die gleichen, zusammengewürfelt wirkenden Merkmale und kann auch soundtechnisch, bis auf die Lautstärke, nicht allzu viele Unterschiede feststellen.

Der erste Wurf von A GHOST NAMED ALICE entfesselt also nicht gerade einen Sturm, sondern kommt eher als laues Lüftchen daher. Musikalisch kann sich die Österreichisch-Deutsche Kollaboration noch nicht entscheiden ob sie nun Fisch oder Fleisch sein möchte - zu sehr arbeiten knackige Heavy- und pointierte Thrash-Anleihen gegen moderne und progressiv angehauchte Einflüsse, in einer Demo-Ursuppe, der es einfach noch an Details mangelt. Als Appetizer ist „It Feels Like Suicide“ ganz okay geraten, für ein vollwertiges Debüt ist das dann allerdings doch ein bißchen zu dünn und erweckt den Eindruck eines nicht so ganz durchdachten Schnellschusses. Da waren die Erwartungen wohl einfach zu hoch gegriffen – schade eigentlich.
 



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (18.02.2018)

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